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    USA: Die anbrechende Dekade der Massenarbeitslosigkeit

    By Roman | Juli 21, 2010

    Der große Streit im US-Senat über eine mögliche Verlängerung des Bezugsrechts zur Arbeitslosenhilfe für Langzeitarbeitslose indiziert, dass die politischen Entscheider in Washington faktisch nicht zu verstehen scheinen, in was für ein verheerendes Jobmarktloch sie die Vereinigten Staaten hinein manövriert haben, wie eine Gruppe von Ökonomen neulich bekannt gab. Das Center for Economic and Policy Research berichtete, dass es eine gesamte Dekade lang brauchen könnte, um die nationale Arbeitslosenquote wieder auf das Niveau vor dem Ausbruch der Rezession zu senken.

    Eine Dekade der Massenarbeitslosigkeit bricht an

    Arthur Delaney hat sich in einem Artikel in der Huffington Post mit dieser Analyse beschäftigt, und der Langzeitchart zeigt eigentlich nur das, was immer befürchtet werden musste und jetzt ganz einfach eintritt. Ich hatte immer die Frage gestellt, wo die neuen Jobtreiber sein sollen, die dieser massiven Arbeitslosigkeit durch Stellen in neu zu schaffenden Industrien zu leibe rücken könnten? Antwort: Es gibt sie nicht! Und daran dürfte sich in den kommenden Jahren kaum etwas ändern.

    Die Wirtschaft kann neue und junge Erwerbstätige nicht absorbieren

    Zwischen Dezember 2007 – dem ersten offiziellen Monat der Rezession – und Dezember 2009 büßte die US-Wirtschaft mehr als acht Millionen Arbeitsplätze ein, so John Schmitt und Tessa Conroy von CEPR. Selbst wenn die Wirtschaft ab jetzt Arbeitsplätze schaffen würde in einer Geschwindigkeit, die derjenigen innerhalb der besten vier Jahre in den frühen 2000ern ähnelte, werde sich die Jobmarktlage dennoch bis März 2014 nicht wieder auf dem erreichten Niveau aus dem Monat Dezember 2007 einpendeln. Und genau zu der Zeit, in der die USA zu der Anzahl an Jobs zurückkehren würden, die im Dezember 2007 zur Verfügung standen, werde sich das Bevölkerungswachstum gesteigert haben, wodurch auch die potenziell für die Arbeitsmärkte zur Verfügung stehende Erwerbsbevölkerung um 6,5 Million Köpfe geklettert sein werde. Wenn die Wirtschaft in einem Tempo wachsen würde wie zu Beginn der 2000er Jahre, hätte sie die Chance, die überschüssigen Erwerbskräfte bis April des Jahres 2021 zu absorbieren.

    -> Angemerkt sei, dass das eine lineare Berechnung ist. Man stelle sich vor, was erst passiert, wenn es zu einem erneuten Abschwung oder einem Double-dip kommen sollte. Der Chart des CEPR spricht Bände. Und dies ist nur die offizielle Arbeitslosenquote U-3. Die Quote U-6 liegt bei aktuell bei 16,5%. Folgenden Artikel “The Senators Who Gave Us 15 Million Unemployed Want to Deny Them Benefits” von Dean Baker sollte man in diesem Kontext vielleicht auch lesen.


    Quelle: CEPR – zum Vergrößern bitte zweimal anklicken

    Topics: USA | 16 Comments »

    16 Responses to “USA: Die anbrechende Dekade der Massenarbeitslosigkeit”

    1. Fungi Says:
      Juli 21st, 2010 at 13:09

      Auch der technische Fortschritt sollte beachtet werden. Gerade im Handel (USA ist ja praktisch 100% Shopping) ist der RFID-Chip so gut wie einsetzbar und dies bedeutet mind. 50% weniger Personal im Handel. 10 Jahre wie beim EAN-Code wird aber die Einführung nicht dauern.

    2. Seher Says:
      Juli 21st, 2010 at 13:20

      Wenn sich das deutsche Hartz4-System in den USA herumgesprochen hat, können wir uns wohl demnächst darauf vorbereiten, dass nach den Millionen in unsere Sozialsysteme eingewanderten Turkmuseln ein paar Millionen arbeitsloser US-Amerikaner das Weltsozialamt bereichern.

    3. heli Says:
      Juli 21st, 2010 at 13:34

      Den RFID gibts hier in Dü´dorf schon lang. Im Metro Superstore. Ich find sowas einfach pervers. Wenn ich zum einkaufefen geh, will ich mit realen Menschen zu tun haben. Nicht überall mit Maschinen.

    4. uri Says:
      Juli 21st, 2010 at 14:01

      @heli: Exakt, so sehe ich das auch. Das geht dann schon soweit, dass man Pakete an einer Paketstation abholen kann. Demnächst bringt DHL die Pakete nicht mehr an die Lieferadresse, sondern nur zur Paketstation. Ich weiß, anfangs sieht es praktisch aus, doch so langsam ist absehbar, wohin die Reise geht. Man muss nur mal sehen, wenn man ein paar Pfandflaschen abgeben will und der Automat die Annahme verweigert. Was macht man dann? Genau, man wartet, bis ein Verantwortlicher kommt und die Störung behebt.
      Der heutige Kunde ist nur noch Vieh. Die “Kühe” gehen in den Stall werden von dem Automaten gemolken und dann wieder nach draußen befördert. Überall irgend ein duseliger Automat, der einem seinen Willen aufzwingt.
      Langsam kommt man sich selbst auch schon vor wie ein Automat.

    5. hmmm Says:
      Juli 21st, 2010 at 14:06

      Das Problem ist doch, dass nur mit Automatisierung die (relativ zum Einkommen) steigenden Preise in den Griff zu bekommen sind.

      Wenn mehr Leute beschäftigt wären, könnte man darauf verzichten. Aber dann würden die Renditen nicht erreicht. Man muss sich doch freuen, dass sie Automaten aufstellen, und nicht den Einlass in den Supermarkt dem verwehren, der keine 1000 EUR in der Tasche hat!

    6. sonja Says:
      Juli 21st, 2010 at 14:10

      @hmmm
      wenn am System nichts geändert wird schon. Aber wer will so ne Zukunft? Ich mochte solche Filme schon nicht.

    7. samy Says:
      Juli 21st, 2010 at 14:15

      @uri
      volle Zustimmung bezüglich der Pfandflaschen, elend lange Schlangen, weil irgendwelche Deppen die Flaschen Müllsackweise anschleppen.

      Neulich hat eine ältere Dame vor mir sogar eine Plastikflasche an den Kopf zurückgeschleudert bekommen. Sie hatte die Flasche wiederum vorher zu schnell hineingeworfen.
      Ein Bild für die Götter, sag ich dir.

      Der Kampf Mensch-Maschine hat begonnen, der Terminator grüßt!

      :-) :-)

      VG

    8. Realitaetsfremde Says:
      Juli 21st, 2010 at 14:34

      Die Leute im Kongress haben keine Ahnung von der Realitaet:
      ONLY ONE IN TWELVE in the Obama Cabinet HAS EVER HAD A JOB –>> 8%
      http://thedrcoldwellreport.blogspot.com/2010/06/here-is-interesting-one.html

    9. uri Says:
      Juli 21st, 2010 at 15:31

      @hmmm: Also die steigenden Preise kann ich nicht erkennen. Es geht wohl eher um Renditezuwachs. Doch ab dem Zeitpunkt, wo nur noch Maschinen die Arbeit verrichten, gibt es keine Rendite mehr.
      Ich denke der Zenit ist überschritten.
      Gehe ich z. B. zum HIT (in München), dann nimmt der Automat in der einen Ecke die Einwegflaschen an. In der anderen Ecke nimmt der Automat die Mehrwegflaschen und Kästen mit Einwegflaschen (Volvic). Man kann rennen wie ein Ochse.
      Gehe ich nach Toom (München) müssen einzelne Flaschen in den Automaten, Kästen werden dem Personal übergeben. Bei Schwepps werden die 1,5 Liter Flaschen vom Automaten akzeptiert, wogegen die 1 Liter Flaschen wieder dem Personl gegeben werden müssen. Chaos.
      Interssanter wird es mit Bankauszugdrucker. Kommt man zum ersten Mal im Monat und “zieht” die Kontoauszüge, druckt das Mistding ersteinmal zwei Seiten Werbung für Kredite. Das ist schon ganz schön nervig. Kommst du an den Geldautomaten und der zeigt an, Außer Betrieb. Dann könnte man schon dazu neigen das Teil umzuwerfen und noch neben ein paar Hieben noch ein paar Tritte folgen zu lassen. Ein Schalter-Fritz würde sich das nicht trauen, zu sagen, er habe kein Geld heute!
      Neulich wollte ich mir ein Monatsticket kaufen. Der Automat für die Fahrscheine wollte nur 5 und 10 Euro -Scheine akzeptieren. Bei einer Rechnung von über 100 Euro ist das nicht so einfach. Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz versuche ich es mit der EC-Karte. Nein, die wollte das Teil auch nicht. Drei Automaten, alle das gleiche Problem. Was tun? Also habe ich ersteinmal eine Beschwerde an die Münchener Verkehrsbetriebe geschrieben. Die Antwort, ich sollte in einen Kiosk gehen …
      Fürher war das kein Problem, da konnte man auch mit 50 Euro-Scheinen bezahlen. Die neuen Touch-Screen-Automaten tun es nicht.
      Automaten, nein danke!

    10. Fungi Says:
      Juli 21st, 2010 at 15:44

      @uri
      Die Automatisierung lässt sich aber nicht mehr aufhalten. Auch in den Verwaltungsberufen stehen wir noch relativ am Anfang. Mit der kommenden de-mail/e-post kann man Rechnungen automatisch buchen, bezahlen, archivieren. Auch entfallen die Poststellen (sortieren), kuvertieren und einpacken. Sicherlich dauert dies ein paar Jahre, aber der Kostendruck ist inzwischen so hoch, dass dies sich schneller als früher durchsetzt.

    11. Frank H. Says:
      Juli 21st, 2010 at 16:19

      Das bestätigt auch folgender Artikel.
      http://www.propagandafront.de/138260/us-schuldenbombe-eine-statistik-die-sie-sich-immer-vor-augen-halten-sollten.html

    12. hmmm Says:
      Juli 21st, 2010 at 19:59

      @Uri

      “Steigende Preise” indem sich in ihnen ein immer größerer Zins/Zinseszins-Anteil wiederfindet.

      Es gibt zwei Möglichkeiten dem zu entgegnen:

      1.) Reduzierung der übrigen Anteile, z.B. Lohnkosten – i.S. der Renditeoptimierung

      2.) Explizite Preiserhöhung

      Automaten helfe dabei 1.) umzusetzen. Die Alternative wäre 2.) – wäre das besser? Das kommt auch noch früh genug, wenn 1.) ausgeschöpft ist!

      Auch wenn es nichts Neues ist: so ist es in unserem Wirtschaftssystem angelegt …

    13. Jörg Says:
      Juli 21st, 2010 at 21:38

      @hmmm
      Ein Kredit mindert den Unternehmensgewinn nicht sondern dient dazu, durch Investitionen den Gewinn zu steigern(!).

    14. hmmm Says:
      Juli 21st, 2010 at 22:07

      @Jörg

      Gesamtwirtschaftlich wird durch den Zinseszins die Zinslast immer höher. Das steckt dann implizit in allen Produkten, z.B. in zugelieferten Bauteilen, Arbeitskräfte die Lebensmittel kaufen müssen etc.

      Bezogen auf Einzelfirmen gebe ich dir teilweise recht. Man sieht es eben nicht direkt.

    15. Uri Says:
      Juli 21st, 2010 at 22:32

      @hmmm #12: Die Automatisierung wird den Zinseszinsanteil nicht auf Dauer kompensieren. Der Zins frißt alles auf. Bleibt also nur ein anderes System – ohne Zins – oder Reset.

    16. Jörg Says:
      Juli 22nd, 2010 at 11:00

      @hmmm

      Ist schon klar, wir kommen der Sache näher wenn wir die Kredite/Schulden differenzieren. Es ist eben ein Unterschied ob der Kredit für wohlüberlegte Investitionen verwendet wird oder ob damit der Konsum ganzer Bevölkerungsteile finanziert wird.
      Vorgezogener Konsum auf Kredit ist immer eine Hypothek auf die Zukunft, welche durch nachfolgende Steuerzahler (Steuern und Abgaben sind Bestandteil der Lohnstückkosten) und Sparer (schleichende oder abrupte Enteignung) beglichen werden muß.

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