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    US-Finanzmarktreform: Und so reagieren die Banken

    By Wayne Copeland | Juli 19, 2010

    In unterschiedlicher Weise wird die neue Finanzmarktreform in den USA die Gewinne der Banken des Landes minimieren. Nachdem sie bislang Millionen von Dollars dafür ausgegeben haben, gegen die Verabschiedung des Gesetzes Stimmung zu machen, wenden sich die Banken nun einfach ihrem Plan B zu: die neuen Regeln zu akzeptieren und sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. Bald werden die Bankkunden von einer Lawine neuer Gebührenerhebungen überrollt, vielen von ihnen droht zudem der Rauswurf, weil sie für die Banken wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien. Auch im Derivatehandel werde nach Lösungen gesucht, wie man die neuen Gesetze bestmöglich umgehen könne.

    Eine Reform, die man bestmöglich umgehen muss…

    Nachdem sie nun mit neuen Limits für zu vereinnahmende Gebühren auf ihre Kundenkarten konfrontiert sind, führen beispielsweise die Bank of America, Wells Fargo und andere Institute neue Gebühren für die Verwaltung von Kundenkonten ein. Dazu genötigt, ihre Derivate zukünftig im Lichte von staatlich streng überwachten Clearingstellen zu handeln, anstatt an dunklen Over-the-Counter (OTC) Märkten, bauen Finanztitanen wie JPMorgans Investment Bank und Goldman Sachs neue Vermittlungsgeschäfte im Derivatesektor auf. Ihr Ziel ist es, die ihnen durch die Reform entstehenden Verluste wieder herein zu holen, um vielleicht sogar noch mehr Geld als jemals zuvor zu verdienen, indem sie zu Kupplern im riesigen Markt für diese Instrumente avancieren, worüber Kritiker sagen, dass sie mit einer der Hauptgründe für den Ausbruch der Finanzkrise gewesen seien.

    Selbst wenn es zu der vielleicht bedeutendsten Umsetzung der neuen Regel käme – nämlich Banken zu verbieten, mit ihrem eigenen Kapital zu wetten – haben die Banken ein Schlupfloch gefunden, von dem sie denken, dass es für sie eine Lösung parat halten könnte: einigen Händlern zu erlauben, mit diesen Wetten fort zu fahren, solange sie auch direkt mit Kunden arbeiteten. Die Bankenchefs räumten ein, dass sie beabsichtigten, einen großen Teil der Kosten, die mit dem neuen Gesetz verbunden sind, an ihre Kunden weiter zu reichen. Das Gesetz, das in dieser Woche von Präsident Obama unterzeichnet werden soll, hat zum Ziel, die Ursachen der Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008 zu adressieren und die Lust zum Risiko unter den Unternehmen an der Wall Street einzudämmen.

    Wenn man ein Restaurant führe und nicht genug Geld für Limonade einnehmen könne, dann müsse man eben mehr für den Hamburger nehmen, so Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase. Im Zeitablauf würde die Reform in die zukünftigen Geschäftsaktivitäten der Banken eingepreist. Kurzfristig könnten die durch die neue Gesetzgebung den Banken auferlegten Änderungen die Gewinne der Industrie um bis zu 11% senken, wie die meisten Analysten schätzen. Langfristig werde die Wall Street jedoch dazu in der Lage sein, wenigstens Teile des entstehenden Gewinnlochs zu stopfen, indem sie tut, was sie am besten kann: Produkte erfinden, die aus den neuen Regeln Kapital schlagen.

    Dimon erklärte weiter, dass die neuen Beschränkungen in Bezug auf zu erhebende Gebühren auf die Ausgabe von Kredit- und Kundenkarten sowie Derivate die Bank mindestens mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr kosten könnten, fügte jedoch an, dass die Bank neue Einnahmequellen finden werde, um dieses Loch zu schließen. Banken wie  Wells Fargo, Regions Financial und Fifth Third, begannen beispielsweise erst vor Kurzem damit, von Neukunden eine monatliche Wartungsgebühr von $2 bis $15 — somit bis zu $180 im Jahr – für die meisten Konten zu erheben. Selbst TCF Financial, deren Marketingslogan stets “vollkommen gebührenfrei” lautete, begann in diesem Jahr in Erwartung der neuen Regeln mit der Erhebung von Gebühren.

    Um sicher zu gehen, könnten Kunden in vielerlei Fällen den neuen Kontogebühren entkommen, indem sie lediglich eine Minimalbilanz auf ihrem Konto behalten oder indem sie andere Bankdienste nutzen, wie die Einrichtung eines Kontos, auf dem Gehaltszahlungen eingehen – somit vergleichbar mit dem deutschen Girokonto – wie auch durch das Bestellen einer Kundenkarte. Die Faustregel basiere auf der Formel, dass es eine Bank zwischen $150 und $350 im Jahr kosten würde, um ein Konto zu warten. Wenn Banken dieses Geld nicht mehr amortisieren könnten, wären sie vielleicht dazu gezwungen, unprofitable Kunden einfach hinaus zu werfen (siehe auch Dick Bove: JPMorgans Zahlen sind alles andere als gut).

    Während von den Geschäftsbanken erwartet wird, dass sie die Auswirkungen zuerst zu spüren bekämen, rüsteten sich die Investmentbanken bereits für fundamentalere Veränderungen in lukrativen Geschäftszweigen wie dem Derivatehandel. In der Vergangenheit verkauften Banken komplexe Derivatekontrakte direkt an Käufer und steckten sich saftige Gebühren in die Taschen, hatten jedoch auch beachtliche Risiken im Zuge dieser Geschäfte zu tragen. Jetzt werden die meisten Derivate über Clearingstellen gehandelt und abgewickelt, die das Risiko zukünftig übernehmen, womit den Banken nur noch die Vermittlung dieser Geschäfte bliebe.

    Der Wechsel zu Clearingstellen werde den Derivatehandel von einer sehr profitablen Nische in ein mehr auf Volumen basierendes Geschäft verwandeln, bei dem die Banken um Kundendienste und Preise konkurrieren müssten. Als Resultat haben Banken bereits mehrere zehn Millionen Dollar ausgegeben, um ihre Computersysteme neu zu vernetzen, damit sie in den bevorstehenden schwächeren Zeiten effizienter sind. Selbst nachdem Banklobbyisten erfolgreich gekämpft haben, um den drakonischsten Teil der neuen Derivateregeln abzuwenden, haben diese Institute ihre Pläne leise und heimlich beschleunigt, um sich an Regeln anzupassen, die erst irgendwann in der Zukunft zusätzlich in Kraft treten dürften.

    Obwohl die neue Derivateregulierung nicht vor dem Jahr 2011 in Kraft tritt, haben die großen Banken diese neuen Abwicklungsdienstleistungen an Hedgefonds und andere potenzielle Klienten ausgelagert seit Ende des Jahres 2009. In diesem Falle hätten Großbanken wie Citi und andere damit begonnen, ihre individuellen Handelsdesks abzubauen, die das Eigenkapital der Bank anzapfen, um spekulative Wetten an den Finanzmärkten einzugehen. Jetzt würden die aktiven Händler aus dem individuellen Eigenhandel, die im Auftrag der Kunden arbeiteten, ausgelagert. Diese Händler werden jedoch weiterhin dazu in der Lage sein, gelegentlich Wetten an den Märkten aufzumachen, selbst wenn es ihre Hauptaufgabe ist, ihren Kunden nach bestem Gewissen zu dienen.

    Text basierend auf folgenden Quellen: cnbc.com, yahoo.finance.com, bloomberg.com, active-traders.com

    Topics: USA | 5 Comments »

    5 Responses to “US-Finanzmarktreform: Und so reagieren die Banken”

    1. XOX Says:
      Juli 19th, 2010 at 15:43

      Die Ausfallraten für alle Darlehen und Leasingverträge der Geschäftsbanken, die bereits mehr als 30 Tage in Zahlungsverzug waren, stiegen zuletzt im 1. Quartal 2010 auf 7,39%! Dies spiegelt ein Kreditvolumen von insgesamt 498,133 Mrd. Dollar wider, welches ….

      Die Zahlungsrückstände Immokredite in der Graphik anschauen, lol

      http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/07/us-rezession-immer-wahrscheinlicher.html

    2. XOX Says:
      Juli 19th, 2010 at 15:44

      Die Aktuellen Finanz-, Wirtschafts- und Börsennachrichten führe ich dort tagesaktuell weiter.

      Ein sehr Gutes Vido von Dirk Müller bei DAF vom 16.07.2010

      Gruss

      http://www.infokriegernews.de/wordpress/2010/07/14/us-handelsbilanzdefizit-unerwartet-gestiegen/comment-page-4/#comment-34684

    3. joshi Says:
      Juli 19th, 2010 at 16:15

      Banken finden immer einen Weg um andre zugunsten eigner Profits zu bescheissen…..

    4. alt-shift-x.de » Blog Archive » Where to start? Says:
      Juli 19th, 2010 at 21:45

      [...] Oder unsere Süße Maus im Familienministerium, die selber keine Familie hat, Mrs. “ich bin so konservativ wie Klosterfrau Melissengeist, nur fehlt mir der Geist”, Kristina Schröder, hä, was war das denn die Woche? Lasst uns doch das Elterngeld am Besten für alle streichen, die keine Millionäre sind. Na das war doch mal ne Breitseite von der Zeit die sie Woche dafür bekommen hat, irgendwie hat sie das mit dem Familienministerium noch nicht so geschnallt, das soll nicht dafür sorgen, dass es keine Familien mehr gibt, Hasi du hast da was nicht richtig verstanden, am besten machst du auch gleich den Rütgers oder in Fachkreisen auch Koch genannt, aber in deinem Alter gibts noch keine Pension, egal. Auch ansonsten war in der Innenpolitik einiges los, der Ole ist nun auch gegangen und damit ein weiterer  CDU Minister, der keinen Bock mehr hat und nur noch die Pension abgreiffen wollte, ja der Ole ist 55 und hat damit gerade die Pensionsberechtigung erreicht, nicht so wie du du darfst erst mit 67 und natürlich bekommt der Ole auch mehr als du ;) . Also wenn die in der Koalition so weiter machen steht die Merkel bald allein mit der Ursel und der Guido da, Frauenpowe hoch drei und deswegen übt die Grand Madame Merkel schon mal und lobt sich selbst, weil sonst keiner mehr Lust hat diese Koalition noch gut zu finden. Kein Wunder wo sie doch in bravster Marionettenmanier die Umverteilung von Arm nach Reich weiterbetreibt obwohl in die andere Richtung so viel Potential vorhanden wäre. Obwohl, die Banken würden die Richtung dann eben wieder ungestraft umkehren. [...]

    5. klaus Says:
      Juli 19th, 2010 at 23:18

      Solcher Luxus fällt eh bald weg. Sonnenklar.

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