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Gastbeitrag: Neues Weltwährungssystem?
By Roman | April 29, 2010
Wir bedanken uns für den folgenden Gastbeitrag bei Dieter Sordon, Betreiber der Webseite krisenfrei.de. Auf seiner Seite beschäftigt er sich mit den täglichen Geschehnissen an den Finanzmärkten und publiziert in zeitlichen Abständen eigene Artikel zu den Themen Finanzmärkte und Banken, geopolitische Entwicklungen, Regierungspolitik und mehr. Im folgenden Beitrag hat er sich mit der Frage, ob es als Konsequenz aus der heutigen Krise zur Etablierung eines neuen Weltwährungssystems kommen könnte, kritisch auseinander gesetzt. In diesem Kontext geht er auch einmal auf die “Freigeld-Theorie” eines Silvio Gesell ein, um diese zu hinterfragen.
Eine Weltwährung ist laut wikipedia die Alternative, “mit der manche Ökonomen das derzeitige Weltwährungssystem ersetzen wollen. Als mögliche Namen für die Gemeinschaftswährung kursieren u.a. Globo und Terra. Zu ihren prominentesten Befürwortern gehören der ehemalige Vorsitzende der FED, Paul Volcker, wie auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell. Aufgrund großer Bedenken der meisten Ökonomen, vor allem jedoch aufgrund fehlender politischer Unterstützung, erscheint die Einführung einer Weltwährung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fast unmöglich.“
Doch warum ist die Einführung einer Weltwährung nicht möglich? Und was könnte eine neue Währung für uns bedeuten? Diesen Fragen werde ich versuchen nachzugehen.
Geschichtlicher Hintergrund
Unser bisheriges internationales Währungssystem beruht auf dem Abkommen bzw. der Konferenz von Bretton Woods. Dort wurden im Juli 1944 in einer dreiwöchigen Konferenz u.a. die Wechselkurse bedeutender Währungen zueinander sowie zum Gold festgelegt – dem sogenannten freien Markt zum Hohn. Hier mehr zu den Details zum Bretton-Woods-System.
Im Prinzip haben wir bereits eine Weltwährung – den US-Dollar (USD). Sämtliche Rohstoffe werden nämlich in USD abgerechnet. Es gab vor einigen Jahren einen Diktator eines ölreichen Landes, der seine Ölvorräte nicht mehr in USD abrechnen wollte. Sofort wurde das Land dieses Diktators von der selbsternannten Weltpolizei zum Schurkenstaat erklärt und militärisch überfallen. Derartiges Verhalten lässt die Weltpolizei nicht zu, denn die Schwundwährung USD muss weiter als Rohstoff- und damit Weltwährung fungieren können. Ansonsten könnte ja das der ganzen übrigen Welt aufgezwungene Weltwährungssystem des USD in Frage gestellt werden. Das darf nicht sein! Schließlich soll sich das Land, das den USD ungeniert druckt, doch weiter im Ausland verschulden können.
Um Kriege zu führen, wird Geld benötigt – sehr viel Geld. Woher bekommen die kriegführenden Staaten dieses Geld? Es ist im Prinzip ganz einfach. Es wird gedruckt, bzw. aus dem Nichts erschaffen. Dafür werden Staats- oder auch Kriegsanleihen ausgegeben, die unter das Volk gebracht werden müssen. Im Notfall werden die Banken diese zweifelhaften „Anleihen“ abnehmen, da diese in der Regel attraktive Zinsen abwerfen. Krieg ist nun einmal teuer – koste es was es wolle. Das wusste auch schon der 36. Präsident der USA, Lyndon Baines Johnson, der für den Vietnam-Krieg verantwortlich war.
Durch die hohe Kriegsverschuldung war der USD danach nicht mehr ausreichend mit Gold gedeckt. Die Fixierung des USD aus dem Bretton-Woods-Abkommen geriet somit ins Wanken. Das Vorhaben der europäischen Zentralbanken, durch Stützungskäufe den USD zu stabilisieren, scheiterte, denn Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland stellten ihre Stützungskäufe ein.
Nachdem im Jahr 1969 Frankreich und später auch andere Teilnehmerstaaten von ihrem Recht, Dollarreserven in Gold einzutauschen, praktischen Gebrauch machen wollten, löste der US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Verpflichtung, USD in Gold zu tauschen, kurzerhand auf. Somit kam es zu einer drastischen Abwertung des Dollars, denn viele Mitgliedsländer verkauften ihre Dollarbestände. Der USD wurde daraufhin zur D-Mark um 13,57 Prozent abgewertet und entsprach nunmehr nur noch 3,22 D-Mark.
Das war aber noch nicht das Ende der USD-Abwertung, denn die kriegstreibenden USA benötigten neues Geld für weitere Kriege. Es würde zu weit führen, die Kriege der USA der letzten 40 Jahre hier aufzuzählen und zu kommentieren. Zudem würde dies den Rahmen dieses Artikels sprengen. Jedoch sollte jedem bewusst sein, dass die Kriege der USA von vielen anderen Ländern mitfinanziert werden, z.B. von China, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan, Russland, Saudi-Arabien … und anderen USD-Gläubiger-Staaten.
Das Ende der Dollar-Hegemonie
US-Präsident Richard Nixon, der wegen der Watergate-Affäre am 09. August 1974 von seinem Präsidentschaftsamt zurückgetreten wurde, erklärte drei Jahre zuvor in einer Rundfunk- und Fernsehansprache (15. August 1971) folgendes:
„Wir müssen die Position des US-Dollar als eines Stützpfeilers der Währungsstabilität überall in der Welt schützen. In den letzten sieben Jahren kam es durchschnittlich jedes Jahr zu einer internationalen Währungskrise. Wer profitiert von solchen Krisen? Nicht der Arbeiter, nicht der Kapitalanleger, nicht die wahren Produzenten von Vermögenswerten. Die Gewinner sind die internationalen Geldspekulanten. Weil sie von Krisen leben, helfen sie mit, Krisen zu schaffen. In den letzten Wochen haben die Spekulanten einen Krieg mit allen Mitteln gegen den amerikanischen Dollar entfacht. Die Stärke der Währung einer Nation beruht auf der Stärke ihrer Wirtschaft – und die amerikanische Wirtschaft ist die bei weitem stärkste der ganzen Welt. Dementsprechend habe ich den Finanzminister beauftragt, die zur Verteidigung des Dollars gegen Spekulanten erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Ich habe Finanzminister Connally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollar in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen, ausgenommen bei Beträgen und unter Bedingungen, die als im Interesse der Währungsstabilität und als im besten Interesse der Vereinigten Staaten liegend angesehen werden. [...] Diese Maßnahme wird uns keine Freunde unter den internationalen Geldhändlern einbringen, aber unsere Sorge gilt in erster Linie den amerikanischen Arbeitern und einem fairen Wettbewerb überall auf der Welt. [...] Ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, dass der amerikanische Dollar nie wieder ein Spielball in den Händen der internationalen Spekulanten sein wird.“
So miserabel seine Präsidentschaft war, so miserabel war auch jene Äußerung von ihm. Denn nicht die Spekulanten hatten einen Krieg gegen den USD entfacht, sondern die US-Notenbank (FED) selbst war es, die den USD durch unendliches Gelddrucken wertloser machte.
Einen sehr guten Beitrag zum „Ende der Dollar-Hegemonie“ lieferte hingegen Ron Paul in seiner Rede vor dem US-Repräsentantenhaus am 15. Februar 2006. Wem diese Rede nicht bekannt ist, der sollte sie unbedingt lesen. Hier ein kurzer Ausschnitt daraus:
„Seitdem Geld zu drucken der Fälscherei gleichkommt, muss der Herausgeber der internationalen Leitwährung immer das Land mit dem militärischen Apparat sein, das die Kontrolle dieses Systems ausüben kann. Dieses großartige System scheint DAS System schlechthin zu sein, um fortwährend dem Land Wohlstand zu verschaffen, das die Weltleitwährung herausgibt. Das einzige Problem ist, wie immer, dass ein so geartetes System den Charakter der Bevölkerung des Fälscherlandes korrumpiert – ebenso wie zu den Zeiten, als Gold das universelle Zahlungsmittel war und durch die Eroberung anderer Länder akquiriert wurde. Diese Verhältnisse zerstören den Anreiz zu sparen und zu produzieren, währenddessen sie die Verschuldung und die Degression des Wohlstandes befördern. Der Druck, im eigenen Land die Währung zu inflationieren, rührt sowohl von den korporierten Wohlfahrtsempfängern als auch von denen her, die Almosen als Entschädigung für das Notwendigste und für die ihnen von anderen zugefügten Ungerechtigkeiten verlangen. In beiden Fällen wird die persönliche Verantwortlichkeit für das eigene Handeln verweigert. Wenn Papiergeld nicht mehr angenommen wird, oder wenn das Gold zu Ende geht, sind Wohlstand und politische Stabilität verloren. Das Land geht in einem solchen Fall vom Zustand des Über-die-Verhältnisse-Lebens in den Zustand des Unter-den-Verhältnissen-Lebens über, solange bis die ökonomischen und politischen Systeme an die neuen Regeln angepasst sind – Regeln, welche nicht diejenigen erlassen haben, die sich der nun funktionslosen Notenpresse bedienten.“
Zur FED sei noch anzumerken, dass sie seit ihrer Gründung im Jahr 1913 das Kunststück fertig gebracht hat, den Wert des Dollars um 97 Prozent zu mindern. Mit einer Golddeckung des Dollars wäre dies nicht möglich gewesen – diese hätte jedoch andere Nachteile mit sich gebracht. Dazu später mehr.
Es ist schon erstaunlich, dass die Länder, die über große Dollarreserven verfügen, tatenlos zuschauen, wie ihre Dollars mehr und mehr an Wert verlieren. Doch seit geraumer Zeit werden die Rufe nach einer Reform der internationalen Geld- und Währungsordnung immer lauter. Warum erst jetzt, mag man sich fragen, denn schon seit längerem wird der USD im Volksmund auch als „grünes Klopapier“ bezeichnet.
Großmächte, wie etwa China und Russland, sind bereits dabei, ihren bilateralen Warenhandel in nationaler Währung abzuwickeln, anstatt in USD. Außerdem fordern sie schon seit einiger Zeit, den USD durch eine supranationale Reservewährung zu ersetzen.
Einige lateinamerikanische Staaten verabschieden sich auch mehr und mehr vom USD und bevorzugen den „Sucre“ als regionale Währung in ihren Handelsbeziehungen. Laut der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina existiert der Sucre seit dem 27. Januar 2010 als neue zwischenstaatliche Währungseinheit. Zu dem Staatenbündnis „Bolivarische Allianz für Amerika“ (ALBA), die sich der regionalen Zahlungseinheit „Sucre“ angeschlossen haben, gehören z.Z. Antigua und Barbuda, Bolivien, Dominica, Ecuador, Kuba, Nicaragua, San Vicente, Grenada und Venezuela.
Rückkehr zum Goldstandard?
Immer häufiger kommt auch unter Ökonomen die Diskussion auf, den Goldstandard wieder einzuführen. Das dürfte bei den meisten westlichen Staaten allerdings schwierig sein, zumal sie, ausgehend von ihren Schuldenbergen, nur über geringe Goldbestände verfügen. Es sei denn, man würde versuchen, Gold in Privatbesitz durch ein Goldverbot zu beschlagnahmen, wie z.B. in den USA von 1933 bis 1974. Während dieser Zeit wurde privater Goldbesitz unter Strafe gestellt.
Zu jener Zeit hatten die USA Gold zum Preis von 20,67 USD pro Goldunze von den Goldbesitzern eingesammelt. Später (1974) hat dann die US-Regierung den Goldpreis auf 35 USD fixiert. Ein gutes Geschäft!
Des Kaufmanns Regel lautet: Im Einkauf liegt der Gewinn.
Nur, nichts ist leichter, wenn der Staat den Einkaufspreis diktiert!
Im Januar 2009 schlug Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Rothschild-Bank Barclays Capitals, die Rückkehr zum Goldstandard vor. Demnach müsste seiner Meinung nach der Goldpreis „bei voller Golddeckung der gesamten europäischen Bankverbindlichkeiten“ etwa 40.000 Euro je Feinunze betragen und für die USA ungefähr 20.000 Dollar. Ein halbes Jahr später ist in einem Artikel bzgl. eines neuen Goldstandards folgendes zu lesen:
„Im Falle der USA entstünde bei einer Verschuldung von 5,6 Billionen Dollar und einem USGoldbestand von gerundet 8.000 Tonnen die neue Goldparität bei einer Unze Gold zu 21.770 Dollar. Das entspräche einer Aufwertung des Goldes auf das 78-Fache.“
Nur, um das mal festzuhalten, beträgt die US-Staatsverschuldung heute nicht 5,6 Billionen USD, sondern bereits mehr als doppelt so viel – offiziell. Und was den 8.000 Tonnen US-Goldbestand anbetrifft, wage ich doch zu bezweifeln, ob diese Menge tatsächlich noch vorhanden ist. Zumindest gibt es hierzu keine aktuellen und schon gar nicht glaubwürdige Daten seitens der US-Regierung.
Wie bereits unter Inflation und Staatsbankrotte ante portas dargestellt wurde, steigen die Staatsschulden aller Länder exponentiell an. Deshalb dürfte die Goldparität gegenüber der aktuellen Staatsverschuldungen der USA sowie des EU-Raums weit aus höher sein als z.B. oben angegeben. Am Beispiel der USA müsste der Goldpreis je Unze grob gerechnet bei etwa 50.000 USD liegen, sofern ein neuer Goldstandard eingeführt würde.
Laut Systempresse soll Deutschland über ca. 3.400 Tonnen Goldreserven verfügen. Nur lagern diese nicht in Tresoren auf deutschem Boden, sondern sollen sich überwiegend in den Tresoren der FED in New York, der Bank of England in London und der Banque de France in Paris befinden. Von der Deutschen Bundesbank bekommen Sie darüber jedenfalls keine verlässliche Aussage, wie viel Gold Deutschland tatsächlich noch hat. Es soll einen Wert von z.Zt. 92 Milliarden Euro haben. Bei einer Schuldenlast von rund 1.700
Milliarden Euro ist dies nicht viel, außerdem muss stark bezweifelt werden, ob diese Goldreserven jemals wieder auf deutschem Boden landen werden.
Der sogenannte „Blessing Brief“ verhindert dies geradezu. Darin befindet sich nämlich eine Vereinbarung, „dass das deutsche Gold solange in den USA verbleibt, solange US-Truppen auf deutschem Boden stationiert sind.“ Nähere Infos dazu finden Sie hier, oder in dem ausführlichen Artikel mit dem Titel Die Zukunft des Goldes. Ansonsten finden Sie mittels Suchmaschinen noch eine reichliche Anzahl weiterer Infos zum Thema „Blessing Brief“.
Und was heißt das jetzt für Deutschland? Nun ja, da auf deutschem Boden kaum deutsche Goldreserven lagern, ist Deutschland wohl nicht in der Lage, jemals einen Goldstandard einzuführen. Ohne Gold kein Goldstandard!
Könnte es demzufolge in Deutschland zu einem möglichen Goldverbot kommen? Dieser Schuldenregierung ist alles zuzutrauen, um an Geld in Form von Gold zu kommen, zumal die Bundesbank kaum etwas der angeblichen 3.400 Tonnen in ihren Tresoren lagert.
Ist das, was Sie auf diesem Bild sehen, der gesamte Goldbestand, der in den Tresoren der Deutschen Bundesbank lagert? Viel mehr dürfte es sicherlich nicht sein. Und wo ist der Rest?
Wie könnte ein neues Weltwährungssystem aussehen?
Benötigen wir überhaupt eine Weltwährung? Wenn ein ehemaliger Chef der FED so etwas fordert, ist Misstrauen mehr als berechtigt. Dürfen wir Herrn Gesell Glauben schenken, sei die Voraussetzung für eine Weltwährung allerdings etwas anderes:
„…die gleiche Ausrüstung aller für den Wettstreit, die gilt es zu schaffen.“
Dazu sei das Gold jedoch denkbar ungeeignet:
„Ist doch das Gold der Vater des Kapitalismus“… „Das Gold … will Herren und Knecht; geplagte, überarbeitete Menschen einerseits und Schmarotzer andererseits… Goldgeld und ein freiheitliches Volksleben sind unvereinbar.”
Das Problem sei nicht, dass Geld aus Papier keinen so genannten „inneren Wert“ habe, im Gegenteil:
„Das Kennzeichen des Geldes ist eben, daß dem Inhaber der Geldstoff gleichgültig ist.“
Starker Tobak für alle Gold- und Silberbugs! Das Problem sei eher, dass der Staat keine Kontrolle über das Geld habe, sondern Bankiers, also Privatpersonen.
„Das Geld soll volkswirtschaftlich, nicht privatwirtschaftlich verwaltet werden.“
Ein weiteres Problem sei, dass bei den Menschen das Geld besser angesehen sei als die Waren, so dass Geld immer den Waren vorgezogen werde und deshalb zurückgehalten, gehortet und gespart werde und damit dem Wirtschaftskreislauf als Tauschmittel fehle…
„Und es ist doch klar, daß ein Geld nicht zugleich Tausch- und Sparmittel, Peitsche und Bremse sein kann … Deshalb fordere ich … eine vollkommene, sachliche Trennung des Tauschmittels vom Sparmittel. Den Sparern stehen alle Güter der Welt zur Verfügung, warum sollen sie also ihre Ersparnisse gerade in Geld anlegen? Das Geld wurde doch nicht gemacht, damit es gespart werden könnte!“
…was dazu führe, dass die Geldbesitzer für ihr Geld, obwohl sie durch das Sperren des Geldes der Wirtschaft schadeten, Zinsen einfordern könnten, für die sie selbst nichts tun bräuchten, sondern die andere für sie erwirtschaften müssten:
„Ein Recht auf Zins widerspricht dem Gedanken des Geldes, denn dieses Recht käme einer Besteuerung gleich, einer privaten Besteuerung des Warenaustausches… Das Recht auf Zins käme dem Rechte gleich, den Warenaustausch durch Festhalten des Geldes zu unterbrechen, um die Warenbesitzer, die auf dieses Geld warten, in Verlegenheit zu setzen, und um diese Verlegenheiten für die Zinserpressung auszubeuten.“
Genau das sei die eigentliche Ursache für innere Unruhen und sogar für Kriege.
„Und die Macht, den Krieg zu entfesseln, hat man in der Presse, die man zu diesem Zwecke kauft oder gründet.“
-> Ach, das war damals also auch schon so…
„Die Renten und Zinsen, das sogenannte Recht auf den fremden Arbeitsertrag, müssen, sofern wir uns des Bürgerfriedens, und durch ihn des Völkerfriedens erfreuen wollen, restund spurlos geopfert werden.“
Ob das die Aggressivität wirklich beseitigen würde…
„Die aber, die die auf den Ertrag eigener Arbeit für ihr täglich Brot angewiesen sind, sind friedfertig. Den Beweis ihrer Friedfertigkeit haben wir schon in der Engelsgeduld, mit der sie das Schmarotzertum ertragen.“
Das wär’s ja, ein Geld, das Frieden bringt!
„Friede ist nichts anderes als Freiheit… Armut ist eine Kette, und Reichtum ist eine Kette, und der Anblick von Ketten muss jedem Freien ein Greuel sein.“
Doch wie könnten wir die Ketten sprengen, Herr Gesell?
„Wir müssen … das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen.“
Das ist alles?
„Je verachteter das Geld, um so geschätzter die Ware und ihr Verfertiger, um so leichter der Handel.“…
Wie wollen Sie das denn schaffen, dass wir unser geliebtes Geld verachten?
„Darum erhebt der Staat für die Benützung des Geldes eine Gebühr von 5% im Jahre. So ist nun der Staat sicher, daß das Geld nicht zum Glücksspiel, zur Ausbeutung, als Sparmittel mißbraucht wird.“
Was, 5% im Jahr einfach weg?? Das wäre ja Freiheit vom Geld im wahrsten Sinne des Wortes!
„Der Käufer mag sich wohl anfänglich darüber beklagt haben, dass man ihn jetzt sozusagen zwingt, sich seines Geldes zu entledigen; er nannte diesen Zwang eine Beschränkung seiner Freiheit, einen Anschlag auf das Eigentum. Es kommt eben darauf an, für was man das Geld hält.“
Ach so, ich vergaß – das Geld wäre ja nur noch Tauschmittel, nicht mehr Sparmittel…
„Wer in den Besitz von Freigeld gelangt, muß es wieder in Umlauf setzen, einerlei, was dabei herauskommt, ob Gewinn oder Verlust. Das Freigeld befiehlt, es duldet kein Gefängnis, es zerbricht die Ketten. Den Spekulanten, den Bankmann, der das Geld zum Zwecke des Angriffs oder auch nur zur eigenen Verteidigung am Umlauf hindern will, schlägt es nieder. Mit der Kraft des Sprengstoffes zertrümmert es die Geldkasten, die Gewölbe der Banken, …um die Freiheit zu erlangen und sich auf den Markt zu stürzen. Daher der Name ‚Freigeld‘.“
Sie werden mir immer symphatischer, Herr Gesell. Sie schlagen also ein anderes Geld vor, das der Staat unter Kontrolle hat, nicht mehr die private Zentralbank?
„Der Staat … übt die Oberaufsicht über dieses Verkehrsmittel nicht, damit es zu anderen, dem Warenaustausch völlig fremden Zwecken mißbraucht werde…
Wie könnte man sich das vorstellen?
„Mit Einführung des Freigeldes wird der …Bank das Recht der Notenausgabe entzogen, und an die Stelle der …Bank tritt das …Währungsamt.“
Also doch wieder so etwas wie eine Bank?
„Das …Währungsamt betreibt keinerlei Bankgeschäfte. Es hat keine Schalter, nicht einmal einen Geldschrank. Das Geld wird in der …Druckerei gedruckt; Ausgabe und Umtausch geschehen durch die Staatskassen; die Preisermittlung findet im Statistischen Amt statt.“
Ich fürchte, die Beamten eines neuen Währungsamtes wären damit schon überfordert…
„Viel Ware – viel Geld, wenig Ware – wenig Geld. Das ist die Richtlinie des …Währungsamtes. Eine ganz erstaunlich einfache Sache.“
Wäre das nicht sogar etwas zu einfach?
„Eine Presse und ein Ofen… Das ist die ganze Einrichtung.“
Naja, heutzutage wären das wohl eher die Enter- und Delete-Taste…
„So ist das Währungsamt Beherrscher der Marktlage, und das bedeutet … nichts weniger, als dass wir nun auch die Wirtschaftskrisen, die Arbeitslosigkeit überwunden haben.“ „Das Geld selbst sucht jetzt die Ware auf, und Ware ist Arbeit.“
Diesem Währungsamt müssten wir aber gut und ständig auf die Finger gucken! Dann vielleicht doch lieber Geldschöpfung in öffentliche Hand…
Es bedeutet aber auch, daß niemand mehr Geldvorräte anzulegen braucht, weil die Regelmäßigkeit, mit der das Geld jetzt umläuft, solche überflüssig macht.“
Und als Sparmittel nehme ich ja etwas anderes! Schon jetzt kann man sich auf das Geld als Sparmittel ja nicht mehr verlassen. Als Tauschmittel taugt es auch nur gerade noch so…
„Der Zins macht das Sparen für die große Mehrzahl unmöglich… Wir werden niemals von Renten leben können, wohl aber von unseren Ersparnissen, und zwar mit Behaglichkeit bis an unser Lebensende.“
Klingt sehr verlockend, aber wie wird nun genau der Zins als das „Recht auf fremden Arbeitsertrag“ verringert?
„Das herkömmlich Geld zieht seinen Zins … aus dem Warenumlauf. Es hat seinen Saugrüssel unmittelbar in die Blutbahn des Volkes gesenkt. Mit dem Freigeld wird dem Tauschmittel dieses Schröpfwerkzeug genommen. Und darum ist das Freigeld an und für sich kein Kapital mehr. Es kann den Zins nicht mehr
unter allen Umständen erpressen.“
„Der Zins war … ein Zoll, ein Brückengeld, das die Warenverfertiger für die Benutzung des Tauschmittels an die Besitzer des Geldes zuzahlen hatten. Kein Zins = kein Geld, so hieß es. Kein Geld = kein Gütertausch; kein Tausch = Arbeitslosigkeit; Arbeitslosigkeit = Hunger. Ehe wir aber verhungern, zahlen wir lieber den Zins.“
Dann müsste diese „Zollfreiheit“ ja zur Folge haben, dass wir weniger arbeiten müssten und mehr Zeit hätten…
„Den Mangel an Häusern, Schiffen, Fabriken kann buntes Geldpapier selbstverständlich nicht beseitigen, entgegen dem von jeher gehegten Wahn der Papiergeld- und Geldpapiergläubigen. Das Freigeld wird den Bau von Häusern, Fabriken, Schiffen in unbegrenzter Menge gestatten; … Selbst aber wird es keinen Stein zu den fehlenden Städten liefern. Die Druckpressen, auf denen das Freigeld hergestellt wird, werden an und für sich nicht einen einzigen Tropfen zu dem Mehre von Sachgütern (Realkapitalien) liefern, das zu Ersäufung des Kapitalzinses unentbehrlich ist und erst durch jahrelange, unverdrossene und ungedrosselte Arbeit geschaffen werden muss, bevor von Zinsfreiheit die Rede sein kann. Die Freiheit muss immer erkämpft werden, wenn sie von Bestand sein soll, und so muß auch die Zinsfreiheit erkämpft, erarbeitet werden. Schweißtriefend soll das Volk das zinsfreie Haus, die zinsfreie Fabrik betreten, den zinsfreien Zukunftsstaat erobern.“
Ich fasse zusammen: die Arbeit bleibt zwar, aber wir arbeiten nur noch für uns – dann sollten wir aber eher fertig werden…
„Hat jemand für sich keinen Warenbedarf, so hört er auf zuarbeiten.“
Plausibel – und doch so schwer vorstellbar. Einen Versuch wäre es allemal wert. Aber das wird der Bank nicht gefallen – vielleicht hört man deshalb kaum etwas von Ihren Ideen – immerhin ist fast ein Jahrhundert vergangen.
„Jeder gab sich mit dem Vorrecht des Geldes zufrieden – wahrscheinlich weil man glaubte, daß dieses Vorrecht mit dem Geldwesen untrennbar verbunden sei.“
„Die Sicherung des Geldes kann nur allein dadurch erzielt werden, daß gesunde währungspolitische Anschauungen Gemeingut des Volkes und der Machthaber werden.“
„Nur der Staat selbst … kann das Geld vor Pfuschern, Schwindlern, Dieben sichern und schützen – vorausgesetzt, dass der Machthaber überhaupt seine Macht zielbewußt zu gebrauchen weiß, was leider bisher noch nie und nirgends der Fall gewesen ist.“
Auch daran hat sich bis heute leider nichts geändert…
Nicht nur Herr Gesell, sondern auch die Banken sind gegen Gold und Silber als Währung – allerdings aus anderen Gründen, nämlich weil sie damit weniger Gewinne einfahren können. Daher ist das liebste Kind aller Banken das Giralgeld, dass in unendlicher Menge geschaffen werden kann.
Kann Silber wieder Geld werden? Silber war lange Zahlungsmittel – bis der Staat im Auftrage der Banken das Silber „entmonetarisierte“. So schnell kann es also gehen: Nicht ein „innerer Wert“ macht den Stoff zu Geld, sondern das Gesetz! Trotzdem sind die 10 Euro-Silbermünzprägungen, die von der VfS herausgegeben werden, noch offizielles Zahlungsmittel – und vielleicht kein schlechtes Sparmittel.
Trotzdem, Gold und Silber können zumindest dafür herhalten, den kontinuierlichen Wertverlust der gegenwärtigen Währungen aufgrund der riesigen Staatsverschuldungen in allen Ländern der Welt aufzuzeigen.
Gold und Silber sind deshalb „Verräter“ für die Banken, und daher versuchen mächtige und einflussreiche Banken schon seit eh und je, die Gold- und Silberpreise nach unten zu manipulieren.
In diesem Kontext spricht man auch von Leerverkäufen. Das heißt, es wird Gold und Silber verkauft, welches noch in der Erde liegt. Irgendwann aber müssen diese virtuellen Bestände auch physisch geliefert werden – falls der Besitzer nicht ewig mit einem Stück Papier zufrieden ist.
Ein Papiergeldsystem, das auf Verschuldung basiert – wie derzeit fast überall auf der Welt – kann keine tragfähige Weltwährung werden.
Um eine glaubhafte Weltwährung einzuführen, müssten zuerst den Zentralbanken, die für das unendliche Gelddrucken verantwortlich sind, das Recht auf Geldschöpfung entzogen werden. Die mächtigste Zentralbank ist Das FED-Kartell, dessen Papiergeldsystem die ganze Welt wie eine Krake im Griff hält.
Neben Ron Paul gibt es inzwischen viele, die die Abschaffung der FED befürworten. Schon seit einiger Zeit wird die Offenlegung der FED-Bücher gefordert. Diese Forderung wird die FED mit allen Mitteln verhindern, wie ja bereits mehrfach beobachtet werden konnte.
Wäre es nicht ein Segen für die gesamte Menschheit, wenn die FED aufgelöst würde, und mit ihr gleich alle bestehenden Zentralbanken mit?
Denn sie beherrscht den Dollar, und wie sagte schon Herr Rothschild:
„Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht“. (Mayer Amschel Rothschild)
Die derzeitigen enormen Staatsverschuldungen müssen so oder so durch eine Währungs“reform“ beseitigt werden. Mit der Abschaffung der FED und aller anderen Zentralbanken könnte dann ein anderes Geldsystem eingeführt werden – welches, das hängt von uns ab, und wir sollten nie wieder ein Schuldgeldsystem akzeptieren.
Das Gelddrucken für Kriege könnte dann endlich ein Ende haben. Die Menschheit wünscht sich nichts mehr als Frieden auf der Welt.
Aber vielleicht ist ja gerade DAS nicht gewollt!
Fazit
Was uns unser Schuldgeldsystem noch bringen wird, ist absehbar. Die Staaten werden in ihren Schulden ersaufen und nicht mehr in der Lage sein, ihre Gläubiger zu bedienen. Es bedarf nur noch einer Berührung des ersten Dominosteins. Und schon bald könnte mit Griechenland der erste Dominostein fallen. Die ganzen Hilfsmaßnahmen, die jetzt unternommen werden, dienen nur dazu, die unausweichlichen Staatsbankrotte hinauszuzögern. Es werden nur noch politische Beruhigungspillen verteilt.
Doch nach Staatsbankrott und Währungsreform ist die entscheidende Frage für uns nicht, woraus das neue Geld besteht, sondern wer es kontrolliert!
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Alle nicht gekennzeichneten Zitate:
Silvio Gesell: „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld”, Gesammelte Werke, Band 11; 4. letztmalig vom Autor überarbeitete Auflage von 1920; Gauke-GmbH 1988 – 2009, Verlag für Sozialökonomie
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© Autor: Dieter Sordon (www.krisenfrei.de) – Mail: info@krisenfrei.de
Co-Autor: Matthias Engel (www.bank-einbruch.de) – Mail: silber-engel@bank-einbruch.de )
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April 29th, 2010 at 09:45
Nun, mit Gold und Silber gäbe es nicht so viele Kriege! Das ist ein Argument für Edelmetalle.
Ein Krieg wäre nach einer Woche zu Ende.
Mit Gold können die Menschen, die Masse nicht betrogen, nicht einfach enteignet werden.
Mit Gold, kann sich ein Staat nicht so verschulden, wie es derzeit der Fall ist. Jeder Kredit eines Staates bedeutet eine Versklavung der Bevölkerung und ist damit dem Hochverrat gleichzusetzen. Ob ich nun mein Volk in die Sklaverei nach �gypten führe oder ob ich Zinsen an einen Gläubiger bezahle, beides ist gleichwertig und Verrat am Volk, am Souverän des Staates, und ist damit Hochverrat.
Was spricht für Papiergeld, in seiner derzeitigen Form? Nichts.
April 29th, 2010 at 09:54
Gestern habe ich ein schlagendes Argument gegen eine Weltwährung gelesen: Leistung würde damit weltweit vergleichbar. Die ganzen Währungseffekte, die maßgeblich zur Globalisierung beitragen, würden damit verschwinden.
Europa hat in kleinerem Maßstab gezeigt, was geschieht, wenn eine einheitliche Währung unterschiedlichen Wirtschaftsräumen übergestülpt wird: Ruhe kann nur mit einer gigantischen Umverteilungsmaschine erreicht werden (so jahrelang mit den Strukturfonds geschehen). In Europa hatte D daran ein politisches Interesse. Aber weltweit? Das kann ich mir nicht vorstellen!
Regionalisierung heißt die Lösung. Dörfer, Städte und Kreise müssen ihre Geschicke wieder in die eigene Hand nehmen. Lass die Großen dann doch ihr Spiel spielen! Ihr braucht sie nicht mehr!
April 29th, 2010 at 10:13
@hmmm: Korrekt, nur so wird man die Bande los.
Vorher muss man aber die Masse über die Zusammenhänge aufklären. Sonst wird das nichts.
Sie leben davon, dass sie eine Armee haben und den dienenden Soldaten sagen, sie, die Bande, sei durch das Volk legitimiert worden, durch eine Wahl (Stichwort: Demokratie). Dann kommen sie in deine Kommune und heben euch aus.
Man stelle sich vor, es gibt eine Bundestags- oder Landtagswahl und keiner geht hin. Was würde das bedeuten? Was wäre das für ein Symbol? Wäre ich Merkel und Co, würde ich den Hubschrauber besteigen und das Weite suchen.
Deshalb, der Nichtwähler, ist auch ein Wähler. Er setzt ein Zeichen! Er sagt, meine Stimme bekommt ihr nicht. Der Wähler, welcher seine Stimme ungültig macht, gleich einem regulären Wähler.
April 29th, 2010 at 12:06
Hier eine Buchempfehlung:
Meinungsmache, Albrecht Müller, Droemer-Verlag
April 29th, 2010 at 12:51
Bis die Masse diese Zusammenhänge richtig versteht, geht sie mit in den Untergang. Gestern übrigens bei Hart aber Fair ein bebrillter “Finanzexperte”, der den Fernsehzuschauern empfahl mindestens
10%-20% der Vermögen in Gold zu halten. Hört, hört. Wäre sowas vor 2 Jahren überhaupt denkbar gewesen???
April 29th, 2010 at 13:20
Wir bräuchten dringend ein Quorum für alle Wahlen. Sofern nicht mndestens die Hälfte aller Wahlberechtigten zur Wahl geht, ist sie ungültig. Nur so bekommt die Bevölkerung gegenüber einer Parteienoligarchie ein Gegenmittel. Soweit mir bekannt gibt es diese Regelung in Serbien und sie wirkt demokratisch legitimierend.