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    “Das Wunder von Nürnberg”

    By Roman | März 31, 2010

    Gastbeitrag: Leser Marc. Wir haben heute eine Zuschrift von Marc, einem unserer Leser erhalten. Wir haben sein Schreiben nicht als Zuschrift, sondern vielmehr als vollständig ausgearbeiteten Artikel in Bezug auf die Situation um die deutsche Arbeitsmarktstatistik wahrgenommen. Wir fanden diesen Artikel inhaltlich sehr gut, so dass wir uns mit Marc in Verbindung setzten, um ihn um Erlaubnis für eine Veröffentlichung zu bitten. Diese hat er uns erteilt. Wir freuen uns über sein Engagement und möchten alle anderen Leser darauf hinweisen, dass sie selbst gerne jederzeit in die Tasten hauen können, wenn ihnen manche Vorgänge berichtenswert erscheinen.

    Zu den aktuellen Nürnberger Zahlen der Bundesagentur für Arbeit werden
    Sie und andere heute ausführlich berichten. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf ein interessantes Phänomen hinweisen. Ich nenne es “Das Wunder von Nürnberg” oder auch der “wundersam linear verlaufene Anstieg der offenen Stellen” vor der NRW-Wahl.

    Seit genau Mitte März 2010 findet bei der BA nämlich ein erstaunlicher
    Aufschwung statt. Jede Nacht wächst die Zahl der als offen gemeldeten
    Stellen um wundersame 2-3 Tsd., vergangene Nacht sogar um über 4.000
    Stellen an. In den vergangenen 14 Tagen sind knapp 31.000 “neue” Stellen
    dazu gekommen.

    Die politischen Zielvorgaben liegen meines Erachtens VOR der [NRW-]Wahl bei Endstand ca. 490-500 Tsd. “offenen Stellen”. Anfang Mai soll das stolze
    Vorzeigeergebnis nach dem Motto lauten “Schaut her, seit wir mit der
    schwarz-gelben Koalition gestartet sind, wurden ca. 70.000 neue Jobs
    geschaffen. WIR sind also gut für die Wirtschaft”. Nach der NRW-Wahl
    folgt anschließend die große Reinemachaktion und dann ist’s vorbei mit
    den blühenden Landschaften.

    Hier der detaillierte Verlauf seit Mitte März (Offene Stellen der BA laut Online-Angebot):

    März 2010

    Am 13.03. – 430.000
    Am 16.03. – 426.500
    Am 17.03. – 427.500
    Am 18.03. – 431.324
    Am 19.03.  – 433.676
    Am 20.03. – 436.074
    Am 21.03. – 440.372
    Am 22.03.  – 437.369
    Am 23.03.  – 439.547
    Am 24.03.  – 442.190
    Am 25.03.  – 444.634
    Am 26.03.  – 447.343
    Am 27.03.  – 451.174
    Am 28.03.  – 451.373
    Am 29.03.  – 450.043
    Am 30.03.  – 453.280
    Am 31.03.  – 457.054

    Schon lustig: der permanente Aufwärtstrend wird nur von Sonntag auf
    Montag kurzweilig unterbrochen bzw. durch Abzüge umgekehrt, während es
    von Samstag auf Sonntag einen Anstieg der offenen Stellen gibt.
    Wahrscheinlich melden Sonntags besonders viele Unternehmen den Abschluß neuer Arbeitsverträge an die BA…;-)

    Technisch gesehen funktioniert das meiner Ansicht nach auf folgende Weise: entweder wird die Datenbank mit Doubletten (also der Verdopplung bestehender Datensätze) “aufgefrischt” (was über den vorherigen Stand zumindest teilweise ja schon länger bekannt ist) oder zwischen dem öffentlich sichtbaren Zähler und der eigentlichen Datenbank besteht kein fester Zusammenhang. Klugerweise zählt man den Zähler Nacht für Nacht hoch, ein Hinzubuchen von 70.000 neuen Stellen auf einen Schlag ist jedoch zu auffällig, weil völlig unglaubwürdig.

    Bitte hinterfragen Sie diese Zahlen bei den offizell zuständigen Stellen
    kritisch und berichten Sie darüber. Meiner Ansicht nach hat die deutsche
    Öffentlichkeit ein Recht auf (Er)klärung.

    Mit freundlicher Empfehlung

    Marc

    Anm.: Danke, Marc für Ihren Beitrag. Dieses Anrecht hat die Bevölkerung ganz sicher. Seien wir doch einmal ehrlich: ein wie großer Teil der Bevölkerung bekommt diese Daten per Fernsehen all abendlich verordnet? So heißt es in der Tagesschau, so muss es dann eben auch sein. Dass die Regierung die Arbeitslosenstatistiken schön rechnet, davon wissen seit geraumer Zeit auch die Main Stream Medien zu berichten. Man muss sich die Frage stellen, warum diese von Bürokraten all monatlich betriebene Zahlenakrobatik notwendig ist, wenn doch alles so toll sein soll. Unserer Meinung ist dies nichts anderes als die Angst vor einem eigenen Machtverlust, der schwerer wiegt als alles andere. Jedes Mittel ist recht, um die Situation besser darzustellen als sie letztendlich ist. Eine Ohrfeige für alle, die in Transfergesellschaften ausgelagert, in ABM-Maßnahmen ausharren oder als 1-Euro-Jobber unterwegs sind. Einige Beispiele für Main Stream Medien Berichte in der Vergangenheit zu diesem Thema folgen hier:

    Auch Joachim Jahnke hat dazu heute auf seiner Seite einen lesenswerten Artikel gebracht:


    Ein älteres Video dazu aus ZDF Frontal21:

    Die Wahrheit vom Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitslosigkeit in „Unterbeschäftigung” versteckt

    Topics: Deutschland | 14 Comments »

    14 Responses to ““Das Wunder von Nürnberg””

    1. Torsten Says:
      März 31st, 2010 at 17:52

      Hier kommt die Kritik an der Kritik: Die Stellendatenbank der BA speist sich aus zwei Quellen: eine ist der Vermittlungsbereich der BA, der die Stellen eingibt, und zwar dezentral in jedem Amt. Da gibt es keine Absprachen etwa zwischen München und Hamburg, ob oder wie man die Datenbank künstlich aufbläst. Die andere Quelle sind externe Arbeitgeber, die ohne den Umweg über das Arbeitsamt ihre Sellen selber eingeben können. Extremen Gebrauch von dieser Möglichkeit machen Zeitarbeitsfirmen und private Vermittler, die oft genug vorher die von Arbeitsamtsvermittlern eingegeben Stellen für ihr Geschäft akquirieren, um nicht zu sagen klauen und die somit ein und dieselbe Stelle noch mal eingeben – auch an Feiertagen.. Das ist des Rätsels Lösung und daher ist die Stellenstatistik mit Vorsicht zu genießen.

    2. Torsten Says:
      März 31st, 2010 at 17:53

      Hier kommt die Kritik an der Kritik: Die Stellendatenbank der BA speist sich aus zwei Quellen: eine ist der Vermittlungsbereich der BA, der die Stellen eingibt, und zwar dezentral in jedem Amt. Da gibt es keine Absprachen etwa zwischen München und Hamburg, ob oder wie man die Datenbank künstlich aufbläst. Die andere Quelle sind externe Arbeitgeber, die ohne den Umweg über das Arbeitsamt ihre Sellen selber eingeben können. Extremen Gebrauch von dieser Möglichkeit machen Zeitarbeitsfirmen und private Vermittler, die oft genug vorher die von Arbeitsamtsvermittlern eingegeben Stellen für ihr Geschäft akquirieren, um nicht zu sagen klauen und die somit ein und dieselbe Stelle noch mal eingeben – auch an Feiertagen.. Das ist des Rätsels Lösung und daher ist die Stellenstatistik mit Vorsicht zu genieÃ�en.

    3. BenniF Says:
      März 31st, 2010 at 18:10

      Ja genau. Diese privaten “Arbeitsvermittler” wurden in obigem Bericht noch vergessen.
      Die sprießen nämlich auf Kosten von uns allen Steuerzahlern wie die Pilze aus dem Boden, damit
      die BA einen ganzen Teil Arbeitsloser zeitlich auslagern kann und nicht mehr in Statistik führen muss.
      Beschiss ist kein Ausdruck für sowas. Schon alles wie zu DDR-Zeiten. Wen wollen die eigentlich noch belügen?

    4. Kaczmarek Says:
      März 31st, 2010 at 18:27

      Ach wer regt sich über so was auf? Vor der letzten B-Wahl in 2009 hat die Regierung mitgeteilt das sie die Statistiken aufmoppeln wird. Stand damals sogar in der FTD. Was die damit gewinnen wollen? Ruhe vor dem Volk. Und klappt doch bis jetzt auch ganz gut…wenn man ehrlich ist.

    5. Marc Says:
      März 31st, 2010 at 20:34

      @ Torsten
      Warum gab es diese extreme Aufblähung nicht vor Mitte März 2010? Die DB der BA ist seit Herbst 2009 relativ stabil, heisst: der durchschnittliche Stand war monatelang mit 430 Tsd. verzeichnet.

      Warum sollten Zeitarbeitsfirmen und private Vermittler das gerade jetzt in so beachtlichen Intervallen ändern (z.B. über 4000 Stellen vom Samstag, den 20.03. auf Sonntag den 21.03.? Warum sollte bei denen seit dem 16 März Aufschwung angesagt sein?

    6. Buttle Says:
      März 31st, 2010 at 21:16

      Kommentar 1 und 2 ist für mich eine Doublette, kann aber auch mir selber passieren.
      Nochmal zur Stellenausschreibung:
      Die Stellen kommen überwiegend von Zeitarbeitsfirmen oder selbst von anderen Privaten Arbeitsvermittlungen.(eher selten von privat)
      Oder mit Recherche auf verschiedenen Plattformen, wie die der ARGE und anderen.
      Sprich: Die Stelle kommt als Fax oder E-Mail, im Briefkopf konnte ich selber die anderen PAV’s lesen an denen das Schreiben auch ging, sowas wie ein Rundbrief.(ja man teilt sich den VGS untereinander,wenn Vertrauen vorhanden)

      Wer die Stelle als erster verklickert, wenn er Glück hat und wenn er teilt, macht man den Reibach auf Kosten der zu Vermittelten.
      Vermittle mal eine Restaurantfachfrau zu einer Bäckereifachverkäuferin, wenn Sie nicht spurt, kann ich wenn ich möchte, ich also ein Dreckschwein bin, diese bei der ARGE verpfeifen.
      Auch wenn Sie sich bei mir freiwillig beworben hatte.
      Ja, mit solchen Kollegen habe ich mein Arbeitsplatz geteilt.
      Nun schon lange nicht mehr, sowas macht krank.

    7. Ano Nym Says:
      März 31st, 2010 at 21:45

      Kinders! Bitte macht die harten Zeilenschaltungen aus dem Artikeltext raus. Bei mir kommt das alles mit Kammformatierung an.

    8. krisenfrei Says:
      März 31st, 2010 at 21:45

      Hallo Marc u.a.,

      und das Schlimme daran ist, dass die meisten Leute und Medien diese Lügen auch noch glauben.
      Einfach hier mal reinschauen:

      http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/12700cFrame-SetAlmanach.html

      Demnach wurden seit der neuen “Schuldenregierung” insgesamt 271.868 Stellen abgebaut.
      Pro Tag 1.618 Stellen.

      Und wer sich für den Artikel zur Arbeitslosen-Lüge interessiert …

      http://www.krisenfrei.de/Sordon_DieArbeitslosenLuege.pdf

      Abschlie�end noch ein treffendes Zitat:
      “Dem Staat ist es nie an der Wahrheit gelegen, sondern immer nur an der ihm nützlichen Wahrheit, noch genauer gesagt, überhaupt an allem ihm Nützlichen, sei dies nun Wahrheit, Halbwahrheit oder Irrtum.” (Friedrich Nietzsche)

    9. Anonymous Says:
      April 1st, 2010 at 07:38

      [...] [...]

    10. Niebel bzw. die Zukunft der Bundeswehr / der Bundesagentur für Arbeit « Piraten im Berchtesgadener Land Says:
      April 1st, 2010 at 10:19

      [...] sich die BA demnächst selbst erübrigt,  soll parallel nun BA-Chef Weise in die Bundeswehr rückintegriert werden. Der 58-jährige Weise [...]

    11. Max Says:
      April 1st, 2010 at 17:33

      Unter normalen Umständen informiere ich mich über das Tagesgeschehen meist in sogenannten alternativen Medien im Internet. Aufgrund einer hohen Belastung am Arbeitsplatz hatte ich in der letzten Zeit nicht mehr ausreichend die Gelegenheit, mich ausführlich damit zu beschäftigen.

      Meine einzigen Nachrichtenquellen waren daher ab und zu mal etwas im Fernseher. Da ich mich eigentlich als etwas aufgeklärter betrachte, finde ich es sehr spannend wie die Nachricht der Arbeitslosenzahlen bis jetzt auf mich gewirkt hat; soll hei�en, ich habe den Anstieg der offenen Stellen einfach nur zur Kenntnis genommen und mich nicht näher damit auseinandergesetzt.

      Das werden sicherlich viele Millionen auch so tun, die vermutlich sowieso noch nie die Nachrichten hinterfragt haben. Und schon ist im Hinterkopf eine neue Erfolgsmeldung kreiert. Traurig.

    12. Regelmä�ige, schnurrende, gleichmä�ige Konjunktur Says:
      April 3rd, 2010 at 22:58

      Ist aber wirklich schon erstaunlich, wenn ab Mitte bis Ende März ganz plötzlich und ganz regelmä�ig die Zahl der offenen Stellen ganz regelmä�ig von Tag zu Tag um ganz regelmä�ig 4.000-5.000 wächst.
      Jeden Tag.(fast).
      Seit Mitte März.
      Nicht früher, nicht langsam angelaufen.
      Nicht später, keine Verzögerungen.
      Immerhin schon seit fast 3 Wochen.
      Jedes Mal 4.000-5.000 freie Stellen mehr.
      Nie weniger.
      Nie mehr.

      Kann das denn wirklich sein, dass die Konjunktur so regelmä�ig, gleichmä�ig, ohne stärkere Schübe und deutliche Täler, anzieht?
      Seit Mitte März?

      Und das sollen alles nur die privaten Arbeitsvermittler gewesen sein?
      Die T�GLICH 4.000-5.000 Stellen eingeben.
      Nie weniger?
      Nie mehr?
      Jeden Tag?
      Seit Mitte März?

      Nimmt die Anzahl der Arbeitslosen eigentlich proportional mit der zunehmenden Stellenanzahl ab?
      (Oder nimmt sie zu ;-) ?)

      Würde mich ja irgendwie wundern, denn bei den ganzen Arbeitslosen, die wir haben, müssten die ja langsam weniger werden, weil die ja eben in diese offenen Stellen vermittelt werden (müssten). Wenn es diese bisher insgesamt 30.000 offenen Stellen denn gibt.

    13. subjektiv objektiv » Manchmal glaubt man es ja nicht… Says:
      April 9th, 2010 at 18:33

      [...] Manchmal glaubt man es ja nicht… 9. April 2010 unkreativ Einen Kommentar schreiben Kommentare Stellt Euch vor, Ihr lest einen Blogbeitrag, in dem die Behauptung aufgestellt und an Hand von Zahlen belegt wird, dass die Zahlen offener Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit sich kurz vor der Landtagswahl in …. [...]

    14. Gibts doch gar nicht Says:
      April 21st, 2010 at 21:25

      Ist ja unglaublich was ich hier lesen muss. Die BA manipuliert die Arbeitslosenzahlen damit CDU/FDP gut da stehen.
      Ich dachte immer die FDP wolle die BA abschaffen?!

      Beziehe mich auf den ursprünglichen Artikel (Start des Threads): �Schaut her, seit wir mit der
      schwarz-gelben Koalition gestartet sind, wurden ca. 70.000 neue Jobs
      geschaffen. WIR sind also gut für die Wirtschaft�.

      Sollte das echt so sein???

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