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Zulieferer Getrag: Auf der Kippe
By Roman | März 15, 2010
Mit dem Automobilzulieferer Getrag aus Untergruppenbach bei Heilbronn gerät leider ein weiteres Unternehmen aus einer der deutschen Schlüsselindustrien mehr und mehr in Schieflage und in den Sog der anhaltenden globalen Wirtschaftskrise. Hatte das Management im vergangenen Jahr noch die Hoffnung, dass sich nach eingeleiteter Sanierung, einer Kreditbürgschaft des Landes sowie einer Erholung der weltweiten Nachfrage die Situation stabilisieren würde, so wurde in der letzten Woche verkündet, nunmehr einen bislang wichtigen Standort zu schließen und 700 Mitarbeiter zu entlassen.
Laut Informationen auf der Webseite des Unternehmens wurde die Firma im Jahr 1935 gegründet. Im Jahr 2001 erfolgte eine Umwandlung des Unternehmens in Getrag Ford Transmissions, das ab diesem Zeitpunkt als Joint Venture zwischen Getrag und dem amerikanischen Automobilkonzern Ford betrieben wird und sich unter Bezugnahme auf die Produktion von mehr als 3 Millionen Getrieben sowie 1 Million Achsgetrieben pro Jahr als größter unabhängiger und global agierender Getriebehersteller bezeichnet. Produziert wird heute an 22 Standorten in Europa, den USA und Asien.
Mitarbeiter in Deutschland:
- Oberstenfeld: 403 Mitarbeiter
- Heilbronn: 70 Mitarbeiter
- Bad Windsheim: 405 Mitarbeiter
- Ludwigsburg: 470 Mitarbeiter
- Neuenstein: 1.129 Mitarbeiter
- Rosenberg: 454 Mitarbeiter
- St. Georgen: 33 Mitarbeiter
Seit einiger Zeit befindet sich jedoch anscheinend immer mehr Sand im Getriebe des Herstellers. Besonders in Deutschland spitzt sich die Situation zu, nachdem in Folge von teils hitzigen Debatten mit dem Betriebsrat weitere 115 Arbeitnehmer am 01. Januar in eine Kurzarbeit-Null-Regelung wechseln mussten. Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres mussten auf Basis einer rückläufigen Umsatz- und Geschäftsentwicklung 345 Mitarbeiter per Kündigung auf die Straße gesetzt werden. Schon gegen Ende 2009 zeichnete sich ab, dass die einst laut Sanierungsplan veranschlagten Umsatzziele auf Basis einer rückläufigen Nachfrage sowie einer daraus resultierenden Kapazitätsverringerung nicht erreicht werden konnten. Im November 2009 lag das Unternehmen bereits 10% unter seinen eigenen Umsatzzielen. Im Jahr 2010 sollen die prognostizierten Umsätze zwar anziehen, jedoch weiterhin um 80 Millionen Euro unter Plan liegen. Ein neues Management wurde ebenfalls im vergangenen Jahr installiert frei nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“. Vertriebschef Eckl beharrte dagegen auf dem Aspekt, dass derart hohe Umsatzverluste nicht vorherzusehen gewesen wären.

Umsatzentwicklung / Quelle: Webseite Getrag
Wie aus verschiedenen Presseberichten des vergangenen Jahrs bereits zu entnehmen gewesen ist, schiebt die Unternehmensführung die Schuld für die anhaltende Schwäche hauptsächlich auf die anhaltende Streichung von Entwicklungskosten bei den großen Automobilproduzenten. Es heißt, dass die Ausgabenkürzungen der Hersteller zu einer sich verschärfenden Situation in der Zukunft führen dürften, da weniger auf die Entwicklung und Marktreife neuer Antriebsprozesse gesetzt, sondern vielmehr darauf geachtet werde, ein einigermaßen ausreichendes Liquiditätspolster aufzubauen, das zu Absicherungszwecken diene. Davon sei kaum ein großer Hersteller ausgenommen. Entsprechend leiden darunter wiederum die Zulieferer, die zu eigenen Kürzungen gezwungen werden, um sich an die Situation anzupassen.

Entwicklung Volumenabsatz / Quelle: Webseite Getrag
So wundert es sicher nicht, dass die Geschäftsleitung von Getrag Ende des vergangenen Jahres ankündigte, weitere Mitarbeiter kündigen zu müssen oder in Transfergesellschaften auszulagern, falls sich die Märkte nicht nachhaltig erholen sollten. Einen zusätzlichen Personalabbau schloss man damals jedoch aus, womit wir uns der aktuellen Situation zuwenden, denn diese Aussagen scheinen heute keinerlei Bestand mehr zu haben, nachdem sich die Lage zu Beginn des Jahres bereits abermals verschärfte. Im Januar gab das Unternehmen bekannt, einen Standort in Deutschland komplett schließen zu müssen, womit der Verlust von hunderten von qualifizierten Arbeitsplätzen verbunden sein wird. Treffen wird es den Standort Ludwigsburg, die Gewerkschaften waren bereits seit geraumer Zeit alarmiert. Mit der Schließung ist der Verlust von 380 Arbeitsplätzen verbunden. Selbst wenn eine Schließung vermieden werden könne, so würden 100 verbleibende Arbeitsplätze am Ludwigsburger Standort in den kommenden zwei Jahren ausreichen, um sich an die Nachfragesituation anzupassen.

Entwicklung Mitarbeiter / Quelle: Webseite Getrag
Die Gewerkschaften zeigten sich damals bereits mehr als empört, da ihrer Ansicht nach die Schließungs- und Entlassungspläne klar gegen den laufenden Tarifvertrag, der erst im Jahr 2011 ausläuft, verstießen. Die Gewerkschaft IG Metall verkündete, dass das Management den Fortbestand des gesamten Unternehmens gefährde. Nach dem Wegfall eines Großauftrags durch den US-Autobauer Chrysler im vergangenen Jahr, ist die Produktion von Getrieben um 700.000 Einheiten zurück gefahren worden. Der Umsatz soll sich dadurch um nochmals 25 Prozent verringern. Das Management setzte die regionale Gewerkschaftsführung durch die Drohung von weiteren Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland weiter unter Druck, um sich bei dem geplanten Stellenabbau mehr Spielraum zu verschaffen.
Am 12. März platzte dann schließlich die Bombe, als die Getrag-Geschäftsleitung bekannt gab, in Deutschland weitere 700 Stellen abzubauen in den kommenden zwei Jahren – nun ist es raus: Ludwigsburg wird geschlossen und allein 600 Mitarbeiter in der ohnehin stark gebeutelten Region Baden-Württemberg werden demnächst ihre Entlassungsschreiben erhalten. Damit setzt sich eine Entwicklung in der stark durch den Automobil- und Maschinenbau geprägten Region fort, der unter den Verantwortlichen der Landesregierung mittlerweile Angst und Schrecken hervorrufen sollte, da immer mehr – insbesondere mittelständisch geprägte – Betriebe aufgeben müssen oder horrend Kosten einsparen. Auch in den Steuereinnahmen des Bundeslands schlägt sich diese Entwicklung mit aller Härte nieder. Nicht nur, dass Getrag vor etwas über einem Jahr eine Kreditbürgschaft seitens der Stuttgarter Landesregierung erhalten hatte – mit 20 Millionen Euro die höchste, die Baden-Württemberg jemals zusicherte in der Geschichte. Das Management gab bekannt, dass die Schließung des Werks unmittelbar mit der sich kaum erholenden Nachfrage in Verbindung stehe. Die Gewerkschaft kündigte harten Widerstand an gegen die Schließungs- und Entlassungspläne. Dabei muss sie jedoch vorsichtig vorgehen, denn wenn sie in ihren Forderungen zu weit geht, könnte es durchaus sein, dass ebenfalls die anderen deutschen Standorte in den Fokus eines Stellenabbaus geraten, zu denen insbesondere Untergruppenbach bei Heilbronn, Bad Windsheim und Neuenstein gehören. Wie war das mit dem deutschen Aufschwung? Ein Emporsteigen aus der Rezession wie Phoenix aus der Asche stellen sich die meisten Beobachter sicherlich vollkommen anders vor.
Topics: Deutschland | 1 Comment »



März 15th, 2010 at 16:11
Ach, ist doch alles kein Problem… die Börsen explodieren… 6000 bald geknackt, die “geleerten” sagen immer, dass die Börsen 6 Monate Vorlauf haben… d.H. in 6 Monaten haben wir Vollbeschäftigung, die Gewinnen der Unternehmen explodieren, demzufolge die Steuereinnahmen… die liebe “Mutti” kann dann à la DDR alles grosszügig unter den ärmsten verteilen, der liebe Guido kriegt endlich seine Steuersenkung, der liebe Wolfi kann dann endlich alle PIICS retten… also alles in bester Ordnung!
“Ist natürlich ein Witz”! Solche Nachrichten werden nun bald täglich folgen! Armes Deutschland!