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    Kaliforniens Studenten zertrümmern Teile von Berkeley

    By Roman | März 8, 2010

    Gewalt brach aus, nachdem Studenten an der kalifornischen Flaggschiff-Universität von Berkeley protestierten gegen die Anhebung der Ausbildungsgebühren. Die Studenten der Universität nahmen am Freitagabend die Straßen, demolierten Teile von Universitätsgebäuden, verbrannten Müllkanister und stießen zusammen mit der Polizei in der jüngsten Episode des Ausdrucks ihrer Frustration über Kürzungen des Ausbildungsbudgets in Kalifornien.

    Bereits im vergangenen Jahr hatten wir über die sich aufbauenden Spannungen an den kalifornischen Universitäten berichtet, nachdem Schwarzenegger seine Kürzungspläne für den Bildungsetat angekündigt hatte. Der Frsut macht sich nun mehr und mehr Luft. Am Freitagabend kam es einmal mehr zu Zusammenstößen mit der Polizei.

    Im November vergangenen Jahres stimmte das Verwaltungsgremium der Universität von Kalifornien den Plänen der Regierung zu, die Studiengebühren um 32% anzuheben, so rt.com. Zur gleichen Zeit wurden Professoren dazu aufgefordert, Gehaltskürzungen hinzunehmen oder Zwangsbeurlaubungen zuzustimmen, Klassen wurden gestrichen oder die Klassengrößen angehoben. Teils gewalttätige Proteste brachen daraufhin an der Universität von Kalifornien aus, insbesondere auf dem Campus der UC Davis und der UCLA. Eine erste Anhebung der Ausbildungsgebühren fand im Januar statt und seitdem sind die Spannungen gestiegen. „Niemand hatte den Ausbruch von Gewalt geplant, allerdings machte sich der Ärger schnell Luft, da er sich über einen langen Zeitraum aufgebaut hatte”, sagte Callie Maidhof, studentischer Aktivist an der UC Berkeley. „Die Regierenden verteuern das Studium an den Universitäten und machen ihn darüber hinaus finanziell weniger zugänglich für diejenigen, die bereits hier sind. Für dasselbe Geld bekommen sie immer weniger Bildung.“

    Das System der University von Kalifornien, bestehend aus 10 Campussen mit fast 160.000 Studenten, war lange Zeit Gegenstand der Bewunderung anderer Bundesstaaten. Für viele Jahre stellte die UC eine preiswerte hochqualitative Erziehung zur Verfügung und sowohl die Gelehrten als auch die Politiker haben die tragende Rolle der UC-Universitäten in Bezug auf den Aufbau der kalifornischen Mittelklasse anerkannt. In den letzten Jahren wurde das System jedoch durch die laufende Budgetkrise des Bundesstaates stark in Mitleidenschaft gezogen. Kalifornien, die sechstgrößte Ökonomie der Welt, wurde von der Wirtschaftskrise äußerst schwer getroffen. Die steigende Arbeitslosigkeit hat einen rapiden Rückgang der Einnahmen durch die Einkommenssteuern des Bundesstaates verursacht. Die Gesetzgeber wollten die Steuern anheben, wurden jedoch durch ein in der Verfassung verankertes Gesetz zu einem Referendum der Bevölkerung gehindert, und ließen dem Bundesstaat somit nur wenig Alternativen, anstatt schließlich drastische Budgetkürzungen vorzunehmen. Schulen und Universitäten im ganzen Bundesstaat planten für den 4. März Massenproteste, um gegen die Kürzungen in Höhe von insgesamt $17 Milliarden im Bildungsbudget zu protestieren, die für die nächsten zwei Jahre erwartet werden.

    Ich habe einmal nach den aktuellen Kreditvergabekriterien geschaut, wie sie auf der Homepage von US Bank momentan beworben werden. Dort heißt es:

    Private Studentenkredite
    Gültig Montag, 08. März 2010

    U.S. Bank Kredit ohne Gebührenerhebung

    Ein Kredit für Studenten, die eingeschrieben sind und zufrieden stellende akademische Fortschritte im Zuge ihres Bachelor-Studiengangs oder eines Post-Baccalaureate Programms an einer etablierten Universität vorweisen können.

    Merkmale und Leistungen von Krediten:

    Zusätzliche Kreditinformationen:

    Anm.: Wohl denen, die heute, im kommenden Jahr oder auch erst in ein paar Jahren ihren Abschluss machen. Sie werden auf einen Arbeitsmarkt treffen, der kaum aufnahmefähig ist, auf dem die Löhne und Gehälter in den meisten Sektoren am Sinken sind und der sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht großartig erholen wird. Eine Kreditrückzahlung dürfte ohne Job oder auch mit „McJob“ immer schwieriger werden. In einem weiteren Bericht auf azcentral.com heißt es: “Kreditausfälle im Sektor der Studentenkredite weiter am Wachsen”

    Jedes Jahr stellen zehntausende von Studenten und Hochschulabsolventen die Zahlungen auf ihre Studentenkredite ein. Für mehr als zehn Jahre ging die Zahlungsausfallrate zurück, weil die Regierung die Strafen für Universitäten mit einem hohen Anteil an zahlungsausfälligen Krediten verschärfte. Jetzt erhöht sich diese Rate erneut und nicht nur auf Basis der katastrophalen Wirtschaftsentwicklung. Das Problem ist besonders akut in Arizona, das die höchste Gesamtrate an zahlungsausfälligen durch die Regierung garantierte Studentenkredite aufweist: 9,8% waren es im Fiskaljahr 2007, die aktuellsten verfügbaren Zahlen.  Aber mehr noch als die Zahlungsausfallrate ist es das hohe Niveau der Schulden, das Alarm unter den Verbraucheranwälten auslöst. Dies hat die Untersuchungen an profitorientierten Universitäten in den letzten Monaten erhöht. Die Unterrichtsgebühren an den profitorientierten Universitäten können $10.000 pro Jahr leicht übersteigen. Die durchschnittlichen Studentenkredite für einen Studenten, der einen Bachelorabschluss erwarb, betrug in den Studienjahren 2007-2008 insgesamt $32.650, verglichen mit $17.700 an öffentlichen Universitäten. Bei Gemeindeuniversitäten lag der Durchschnitt für einen zweijährigen Abschluss bei $7.125. In Arizona erleben die profitorientierten Universitäten momentan einen Boom. Sie haben die Anzahl ihrer Studenten in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, und es gibt an profitorientierten mehr Studenten als an allen öffentlichen Universitäten im gesamten Bundesstaat zusammen genommen.

    Im letzten Schuljahr meldeten sich beinahe 468.000 Studenten an profitorientierten Universitäten an, wie das Arizona State Board for Private Postsecondary Education berichtete, eine staatliche Agentur, welche die meisten profitorientierten Universitäten lizensiert und reguliert. Ungefähr 55% aller Studenten lebten auch in Arizona, der Rest lebte anderswo und besuchte die Universität Online. Auf nationaler Ebene litten die staatlichen Universitäten unter den höchsten Zahlungsausfällen im Jahr 2007: der Anteil belief sich bereits auf 11 Prozent. Diese Rate lag unter Gemeindeuniversitäten bei fast 10 Prozent. Die Rate unter privaten, nicht Profit orientierten Universitäten war mit 3,7% am niedrigsten, wie das US-Bildungsministerium mitteilte.

    Anm.: Absolventen staatlicher Universitäten haben es schwerer einen Job zu finden, da sie mit der Reputation der privaten Einrichtungen in den meisten Fällen nicht mithalten können. Es stellt sich die Frage, ob sich auf Basis der schlimmen Entwicklung an den Arbeitsmärkten überhaupt noch ein Studium lohnt, oder es sich nicht anböte, Jobs anzustreben, die im handwerklichen oder agrarischen Bereich liegen, da diese Sektoren gegenüber den Banken- und Rechtsanwaltsjobs wahrscheinlich eine bessere Zukunftsperspektive bieten. Auch muss man sich nicht erst mit zehntausenden von Dollars verschulden, um überhaupt sein Studium absolvieren zu können. Der Druck zu Beginn des Arbeitslebens ist dadurch noch ungleich höher, zumal die Absolventen auch noch durch die Firmen erpressbar sind.

    Topics: USA | 9 Comments »

    9 Responses to “Kaliforniens Studenten zertrümmern Teile von Berkeley”

    1. Raus aus Deutschland Says:
      März 8th, 2010 at 15:19

      Handwerker sind gefragt in den USA.
      Ein Freund von mir arbeitet als selbständiger Hausmeister, repariert alles im Haus und arbeitet in Florida.

      Dort gibt es viele ältere Menschen. Er kann über Arbeit nicht klagen. Sein Verdienst ist 50US$ pro Stunde brutto-netto.

      Akademiker sind immer oft als Taxifahrer oder Mc-Donald Jobs beschäftigt.

    2. Student in D Says:
      März 8th, 2010 at 15:44

      Wie krank muss man sein überhaupt zuzulassen, dass Menschen wie Produkte behandelt werden. Es ist abartig, das es so etwas wie Studienkredite überhaupt existieren. Ich hoffe das alle Verbrecher, die das zulassen bald bestraft werden.

    3. M.E. Says:
      März 8th, 2010 at 15:48

      Bravo, Roman,
      eine sehr realistische Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Arbeitswelt.
      In Folge des Peak Exportoil und der fortschreitenden Wertschöpfungserosion wird sich die Arbeitswelt wohl sehr tiefgreifend ändern.
      Ich vermute, dass in 20 bis 30 Jahren wieder ca. 30% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten werden.
      Die hippen Berufe des gegenwärtigen Wertschöpfungsmaximums werden stark an Bedeutung verlieren.

    4. Maher Says:
      März 8th, 2010 at 16:19

      US-Bürger erklären sich als unabhängig, um sich von Steuern zu befreien :)

      http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32205/1.html

    5. Gee Says:
      März 8th, 2010 at 17:09

      @M.E.: Zitat: “Ich vermute, dass in 20 bis 30 Jahren wieder ca. 30% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten werden.” Das tun die heute schon. In der dritten Welt. Deshalb heißt die dritte Welt dritte Welt, weil die Produktivität die Landwirtschaft nicht erreicht hat und damit die Lebensmittel nicht für alle erschwinglich sind. Wir können ja alle Maschinen abschaffen und dann Bäume mit Handsäge und Axt fällen, Häuser ohen Kräne etc. aufbauen. Doch was bringt das? Wohl kaum eine Lösung für das Problem. Wir können auch die Schulpflicht abschaffen, dann, wenn nur wenige Lesen können, dann ist derjenige, welcher heute eine Grundschule besucht hat, vergleichbar mit einem Akademiker heute.
      Ein entsprechend angepasstes Wirtschaftssystem, welches bereits die durch Maschinen gesteigerte Produktivität berücksichtigt, ist die einzige Alternative. Wer sagt, dass ein Mensch mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten muss, damit er seinen Lebensunterhalt verdient? Heute würde man in der westlichen Welt wahrscheinlich mit 20 Stunden/Woche auskommen. Warum sieht das unser System nicht vor? Weil die Politik, die Elite dann stark gefährdet wäre. Man stelle sich vor, ein Akademiker hätte 20 Stunden/Woche Zeit zum Nachdenken. Dann könnte er die Dummheiten/Pläne der Politik durchschauen und dann auch noch durchkreuzen. Wollen die Politiker das? Wohl kaum. Also muss ein Teil der Leute den ganzen Tag arbeiten, der andere muss den ganzen Tag Buße tun, damit er seine Zeit nicht zum Nachdenken nutzt, sondern für irrsinnige Bewerbungsschreiberei.

    6. MichaD. Says:
      März 8th, 2010 at 20:30

      In kalifornien wachsen die Bäume nicht mehr in
      den Himmel. Wenn Studenten die Lage am Arbeitsmarkt berücksichtigen, müssen sie sich umstellen, ganz einfach. Wie Roman sagt: warum Geld zum fenster rauswerfen, wenn es andere Tätigkeiten gibt, die Geld einbringen? Natürlich kommt hier wieder die Prestige Frage ins Spiel. Leider hat man keine Visitenkarte vorzuzeigen mit Dipl. Manager Prof Dr. sonstwas. Da reiht man sich nach jahrelangem Studium dann lieber in die Akademikerschlange auf dem Arbeitsaamt ein und läßt sich von einem total überforderten “Jobberater” erklären, daß man überqualifiziert ist. Was soll das alles noch? Anscheinend bauen noch viel zu viele auf einen Titel, der nichts wert ist. Anstatt endlich Dinge zu tun, mit denen man noch gutes Geld verdienen kann. So viel Grips ist aber wohl doch nicht vorhanden. Ein Dipl. Dr. sonstwas kommt eben nicht auf die einfachsten Dinge, auf die es im Leben ankommt….

    7. gee Says:
      März 8th, 2010 at 21:38

      @MichaD: Nun, wenn die jungen Leute nicht auf den Titel bauen würden, dann würden sie mindestens 2 Jahre früher arbeitslos sein. Zum anderen würden dann auch einige Professoren etc. auch arbeitslos sein. Rußland bzw. die ehemaligen Sowjetrepubliken haben das schon vor gut 20 Jahren erfahren. Ein Akademiker war einfach arbeitslos. Deshalb sind viele von ihnen in die BRD gekommen. Hat das etwas dem Land gebracht? Nein. Wenn du vorher einen Akademiker hattest und einen Handwerker, dann bringst es dir am Ende nichts wenn du zwei Handwerker hast, wenn du schon nicht für den einen ausreichend Arbeits hattest. Insofern sollte man froh sein, wenn die Akademiker nicht in die nicht akademischen Berufe strömen.

    8. Razor Says:
      März 8th, 2010 at 21:51

      @ gee

      Mach Dir da mal keine Sorgen.
      Die meisten der Studierten können nicht einmal
      einen Nagel gerade in die Wand hauen. Als Handwerksmeister eigene Erfahrungen gemacht mit diesen Studienhelfern in Semesterferien. Was man
      da teilweis erlebt, spottet jeder Beschreibung..

    9. Gee Says:
      März 9th, 2010 at 09:39

      @Razor: Ich gehe davon aus, wo ein Wille da ein Weg. Jeder, der will, kann auch das lernen. Es ist nur die Frage der Wiederholrate.

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