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    Detroit: Automobilkrise versenkt Stadt

    By Roman | März 4, 2010

    Ein Drittel aller privaten Immobilien in Detroit steht bereits leer. Nicht selten zieren abgebrannte, zugenagelte oder voll gemüllte Anwesen sowohl die linke als auch die rechte Straßenseite. Der Niedergang der einstigen Vorzeigeikone im Norden der USA und Aushängeschild der weltweiten Automobilindustrie ist nahezu unbeschreiblich. Längst ist die Stadt nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sogar Häuser für $1 lassen sich nicht leicht an den Mann bringen, denn selbst geschenkt scheint noch zu teuer…

    Häuser verkaufen sich in Detroit inmitten der Hypotheken- und Automobilindustriekrise für einen läppischen Dollar

    In der Folge einmal mehr ein Ausschnitt aus dem Guardian über die aktuelle Lage an den Immobilienmärkten von Detroit. Wer die Story komplett lesen möchte klickt unten auf „weiterlesen“.

    Einige sagen, Jon Brumit habe zuviel bezahlt, als er $100 für ein ganzes Haus auf den Tisch legte. Fahren Sie doch heute einmal durch die Stadtteile von Detroit, die einst mit Autos verstopft waren, und die die Stadt zu einem Neidfaktor in Amerika avancieren ließen. Jetzt bekommen sie ganze Häuser für einen lächerlichen Dollar. Diese Häuser finden sich unter zugenagelten, abgebrannten und verrotteten Gebäuden, die rechts und links der verlassenen Straßen stehen, Orte, an denen die Population so schnell schrumpft, dass ganze Blocks eingestampft werden müssen, um Platz für ländliche Farmen zu machen. „Ich lebte in Chicago und ein Freund erzählte mir, dass man in Detroit Häuser für nur einen Dollar kaufen könnte”, erzählte Brumit, ein finanziell schlecht gestellter Künstler, der immer dachte, dass er nur wenige Aussichten auf ein eigenes Anwesen habe. „Ich sagte, wenn du von etwas hörst, das ein bisschen billiger ist, lass es mich bitte wissen. Innerhalb einer Woche sendete er mir per e-mail ein Foto eines Hauses für einen Verkaufspreis von $100. Ich dachte, das ist ja verrückt. Warum nicht? Es ist ein Weg, die Kosten zu reduzieren, und eine Menge Zeit für kreative Projekte zu haben, weil wir nicht mehr arbeiten müssen, um die Miete zu bezahlen. Immobilien, die für lediglich eine Hand voll Dollars zum Verkauf stehen, sind in den USA so etwas wie eine moderne Legende im Angesicht der Hypothekenkrise, die Millionen von Menschen aus ihren Häusern trieb. Aber in Detroit ist sie kein Mythos. Eines von fünf Häusern steht mittlerweile in der Stadt leer, die das Zeitalter der Autos einläutete, die Mittelklasse Amerikas formte und die der Welt den Segen von Motown übermittelte.

    Detroit befindet sich schon seit Jahrzehnten auf dem absteigenden Ast; seine schrumpfende Population liegt jetzt unter einer Millionen Menschen – weniger als die Hälfte ihres erreichten Bevölkerungshochs in den 1950iger Jahren. Aber die aktuelle Hypothekenkrise und der Absturz der großen Autobauer in den Bankrott hat die Stadt in einen Bereich gestoßen, der unter den großen Städten in Amerika einmalig ist. Ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos. Die Grundstückspreise sind in großen Teilen von Detroit in den letzten drei Jahren um 80% oder mehr gefallen. Der durchschnittliche Hauspreis für ein verkauftes Haus in der Stadt wurde letztes Jahr auf $7.500 festgelegt. Der aktuelle Finanzcrash zwang vielen Leuten eine Zwangsversteigerung auf, die nicht in der Lage dazu waren zu zahlen oder die ihr Haus, das plötzlich nur noch einen Bruchteil des Kreditwerts aufwies, den sie darauf aufgenommen hatten, verließen. Die Banken verkaufen Grundstücke in den schlimmsten Gegenden, die üblicherweise von leeren oder kaputten Häusern umgeben sind, für ein paar Dollar. Aber auch Häuser besserer Substanz sind für einen Bruchteil ihres ursprünglichen Werts zu haben. Im Prinzip bezahlte Brumit $95 für das Grundstück und $5 für das Haus in der Lawley Street – was etwas ist, das Makler beschönigend eine Gelegenheit nennen. Brumit sagte: „Es hatte ein großes Loch im Dach, herrührend von den Versuchen der Feuerwehr, den letzten von zwei Brandanschlägen zu löschen. Beide der vorherigen Besitzer hatten versucht es anzuzünden, um aus ihren Hypothekenzahlungen zu entkommen. Also gibt es ein großes Loch, ungefähr 7 Meter lang, und die Rohrleitungen wurden fast komplett herausgerissen. Wie auch das meiste der Elektrik. Es war im Grunde eine von Rauch geschädigte, strukturell intakte Hülle mit Schneeverwehungen auf dem Dachboden.“

    Ein Haus anzuzünden, um die Versicherung einzustreichen und die Hypothek loszuwerden ist in Detroit nicht unüblich; ein geschwärztes hölzernes Skelett eines Hauses steht am Ende von Brumit´s Straße. Noch üblicher ist es für Hausbesitzer jedoch, in Bezug auf ihre Häuser und Hypotheken einfach den „Walk away“ zu wählen. Gegenüber der Lawley Street räumen Jim Feltner und seine Arbeiter ein Haus aus, das von der Bank wieder in Besitz genommen wurde. „Ich war einmal ein Bauunternehmer. Ich kaufte Häuser auf und päppelte sie hoch. Jetzt räume ich sie für die Zwangsversteigerung aus. Ich mache ein oder zwei Stück am Tag davon, in der ganzen Stadt”, sagte er. „Ich bin seit 40 Jahren in Detroit und ich habe Hochpreise von $100.000 für ein Haus gesehen, das jetzt nicht mehr wert ist als $20.000. Ich besitze eine Menge Grundstücke. Ich habe zehn Mietshäuser und bekomme nichts dafür, dabei sind es wunderschöne Häuser.“ Feltners Arbeiter schleppen Kleider, Stiefel und Möbel aus dem Haus und werfen sie, bis der Abfuhrwagen kommt, in den Vorgarten. Auf einer Seite liegt eine Schachtel mit den Motownaufzeichnungen. Ein Teddybär liegt mit ausgestreckten Gliedern auf dem Boden. „Man könnte für dieses Haus fünf Riesen bekommen”, sagte Feltner. „Hübsches Haus, sobald es einmal ausgeräumt ist. Alle Rohrleitungen und die Elektrik sind noch da. Das Dach ist intakt.“ Brumit sagte, ein Mann namens Jesse habe dort einmal gelebt. „Jesse hatte erwähnt, dass er wahrscheinlich ausziehen werde, weil er ein Haus für so viel weniger kaufen könnte, als er bislang schuldete. Das ist traurig. Man möchte nicht, dass die Leute gehen”, sagte er. Das Nachbarhaus ist verlassen. In der nächsten Straße sind ein Drittel aller Häuser zugenagelt. Es ist eine Geschichte, die sich in ganz Detroit wiederholt.

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    Topics: USA | 11 Comments »

    11 Responses to “Detroit: Automobilkrise versenkt Stadt”

    1. Anonym Says:
      März 4th, 2010 at 21:52

      Ja so siehts aus. Krise überall, Obdachlose überall, aber nicht weil es zu wenig Wohnungen gibt! Nein, die stehen nur leer! An Mangel von Gütern liegt der Grund für die Krise nicht! Vielmehr liegt ihr Grund ausschließlich auf der Eben der Finanzierung! Nirgendwo wird deutlicher, wie sich der vermeintliche Geldschleier, der angeblich keine Auswirkungen hat,eben doch Auswirkungen hat, und zwar ganz schön absurde. Schön an dieser Stelle, wie absurd die “Marktwirtschaft” funktionert und eben nicht Angebot und Nachfrgae in Einklang bringt!

    2. wagner Says:
      März 4th, 2010 at 22:47

      Von wegen Marktwirtschaft funktioniert nicht :-)
      Detroit wird seit dem 2. Weltkrieg ausschließlich von linken regiert und steht für Umverteilung, Sozialprogramme und mächtige Gewerkschaften.
      Schön ist dazu folgendes Video:

      http://www.youtube.com/watch?v=1hhJ_49leBw

      Hier in Bremen, ebenfalls stramm links geht es auch den Bach herunter…

    3. M.E. Says:
      März 5th, 2010 at 15:02

      Hallo anonym,
      wie kommst Du jetzt auf Marktwirtschaft?
      Marktwirtschaft heisst doch, dass freier Wettbewerb und das freie Spiel von Angebot und Nachfrage existiert. Und dass sich alle Kosten im Preis eines Produktes wiederfinden müssen, ohne politische und sonstige Verzerrungen.

      Wo bleibt der Wettbewerb im Zeitalter der Marktmacht gro�er Konzerne, die kleinere Anbieter alleine auf Grund ihrer Marktmacht niederkonkurrieren können?
      Wo bleibt der Wettberwerb auf internationaler Ebene, wenn zum Beispiel afrikanische Landwirte infolge westlicher Multimilliardensubventionen keine Chance auf dem Markt haben, weil sich ihre Regierung diese Subventionen nicht leisten kann?
      Wo bleibt das freie Spiel von Angebot und Nachfrage, wenn zum Beispiel der Staat jedes Jahr Aufrüstung im Bereich hunderter Milliarden Dollar betreibt, für die es ohne staatlich verzerrende Aktivitäten garkeinen Markt gäbe?
      Konjunkturprogramme in Billionenhöhe weltweit schaffen eine Nachfrage, die es ohne politische Einflussnahme garnicht gäbe.
      Und Kostenwahrheit in den Produktpreisen gibt es überhaupt nicht.
      Wenn die astronomischen Kosten für die Endlagerung und andere Folgekosten der Atomenergie in den Strompreis eingerechnet würden, sowie eine Versicherungspolice für gravierende Störfälle, dann gäbe es kein einziges Kernkraftwerk auf der Welt infolge zu hoher Gesamtkosten des Atomstroms.
      Wenn alle Zukunftskosten, ökologischen Kosten und sozialen Kosten in die Produkte eingerechnet würden, dann müssten wir wesentlich bescheidener leben, weil die Preise unerschwinglich wären.
      �berall sind Marktverzerrungen durch Marktmacht, Subventionitis, politische Enflussnahme (egal welcher Couleur) und Kostenintransparenz zu beobachten.
      Wo gibt es auf der Erde Marktwirtschaft? Ich kann keine entdecken.

    4. Peter Maurer Says:
      März 5th, 2010 at 17:53

      Nicht nur in Detroit gibt es viele Häuser für so wenig Papier (Geld). Auch in anderen Staaten siehe unter trulia.com dort werden etwa 3 Millionen Häuser / Wohnungen zum Kauf angeboten, siehe auch m. Site unter Rubrik; Januar 2010/Immobilien.

    5. Tourist Says:
      März 5th, 2010 at 21:50

      Trotz stramm rechten :) weltweitem freiem Kapitalverkehr, bspw. verewigt im Vertrag von Maastrich seit 1990, ist er global im Ar… hat die freien Warenstöme in den Abgrund gezogen und der verbleibende Rest kann sich nur durch Staatsstütze halten!
      Steht bei anonym nicht die Marktwirtschaft in Anführungsstrichen!?!

      Sag M.E. bist du der M.E. vom Querschuss? Ist da jetzt die Zensur ausgebrochen??

    6. Tommy Says:
      März 5th, 2010 at 23:11

      @Tourist, M.E.

      Festan hat im Gelben Forum was dazu geschrieben…. Link

      Ich hoffe er ändert seine Meinung wieder!

      Gruß

    7. Tourist Says:
      März 6th, 2010 at 11:32

      Hallo,

      das ist ja echt furchtbar mit der Kommentarfunktion! Also ich bin dafür, dass Querschuss einen Haftungsausschluss formuliert, so dass signalisiert wird, dass er nicht für die Kommentare verantwortlich zu machen ist, sondern ausschließlich die Meinungen der Kommentatoren darbietet! Oder noch eine Idee, wie wäre es, wenn Steffen einen externen Forum verlinkt?

    8. Gee Says:
      März 6th, 2010 at 15:27

      @Anonym: Es gibt in der westlichen Welt keine Martwirtschaft. Marktwirtschaft heißt, dass der Markt sich selbst regelt. Sobald der Staat eine zweckgebundene Steuer erhebt, manipuliert er den Markt. Wir haben uns eine solche kleine Manipulation bereits gewöhnt, so dass wir nur die groben Dinge sehen. Nehmen wir mal die Mineralölsteuer auf Diesel und Benzin. Beide werden unterschiedlich besteuert. Warum? Weil man in Europa den Automobilkonzernen den Absatz von Diesel-PKW erleichtern wollte.
      Nehmen wir Mineralwasser/Wasser und Saft. Für Wasser bezahlst du 19% MwSt für Saft nur 7%. Warum?
      Desweiteren würde in der Marktwirtschaft kein einziger Konzern länger als 10 Jahre überleben. Der Mittelstand würde von einer Marktwirtschaft profitieren.
      Wir sind soweit von Marktwirtschaft wie München am Nordpol liegt.
      Vielleicht noch etwas. Soziale Marktwirtschaft hat nichts mit sozial gegenüber den Arbeitnehmern zu tun, wie häufig in den Medien verkündet wird. Soziale Marktwirtschaft hat man vor kurzem in Aktion gesehen, als Kanzlerin Merkel die Abwrackprämie verkündet hat. Sozial bedeutet nur, dass die Arbeitnehmer – Steuerzahler – das Risiko eines Abschwungs tragen. Man schenkt ihnen quasi etwas, das sie dann später mit Zinsen bezahlen müssen. Oder in einem Satz: Das unternehmerische Risiko trägt die soziale Gemeinschaft.

    9. Tourist Says:
      März 6th, 2010 at 21:21

      @ Gee “Es gibt in der westlichen Welt keine Martwirtschaft. Marktwirtschaft heißt, dass der Markt sich selbst regelt.”

      1. Frage: Woher weist du das denn, wenn es den Markt garnicht gibt? wieso weisst du denn, dass er funktioniert oder sich selbst reguliert, wenn niemand ihn bis jetzt “empirisch” erlebt hat in seiner vollen Pracht? Die Erfarungen hat doch noch keiner gemacht mit dem Markt und seiner vollen Pracht! Und wieso weiss man, dass diese Pracht funktionieren würde? Lass mich raten! wegen Marktheorie!
      2. Frage: Warum betreiben denn viele sooo gerne eine sogenannte angebotsorientierte Wirtschaftspoltitik?
      Die betreiben ja alle nur Unsinn, da es ja keinen Markt gibt, geschweige denn sie betreiben eine Politik für etwas, dass sie noch nie erfahren haben!

      daraus folgt: normative Marktheorie ist Nonsense^^, da sie alle wollen , obwohl allenur theoretisch glauben zu wissen, dass sie funktioniert. Davon abgesehen ist die Unternehmenstheorie und Haushaltstheorie jeweils insich und auch in ihrer Zusammenführung mathemtisch falsch: frag mal nen Mathematiker!!!

    10. gee Says:
      März 7th, 2010 at 19:52

      @Tourist: Zu Frage 1: Warum gibt es keine empirischen Daten von der Marktwirtschaft?? Marktwirtschaft hat es gegeben. Bevor der Staat sich zum sog. Sozialstaat entwickelt hat, gab es Marktwirtschaft. Nehmen wir zu Zeiten von Jesus Christus, also um das Jahr 0 herum. Gab es da keine Marktwirtschaft? Nun, wahrscheinlich war dort kein Wirtschaftswissenschaftler, der das akademisch untersucht hat, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass damals Marktwirtschaft existierte.

      Zu Frage 2: Eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, was soll das sein?
      Es wird nur das angeboten, was durch den Konsumenten akzeptiert wird. Wenn der Staat mit Geld eingreift und das Angebot in irgendeiner Weise manipuliert, dann funktiniert es natürlich nicht.

    11. Tourist Says:
      März 7th, 2010 at 20:44

      Wie funktioniert der Markt denn! Also eins steht ja fest der Staat sollte nicht eingreifen bzw. der Sozialstaat. Richtig? was muss den noch erfüllt sein, damit es sich um Marktwirtschaft handelt?

      dDusagst: “Bevor der Staat sich zum sog. Sozialstaat entwickelt hat, gab es Marktwirtschaft. Nehmen wir zu Zeiten von Jesus Christus, also um das Jahr 0 herum. Gab es da keine Marktwirtschaft?”

      Wieso fragst du mich, du kennst doch die Antwort?

      Aber bitte zeige mir mal ein Historiker, der meint es hätte dort eine Marktwirtschaft gegeben und vor allem wo denn?.
      Fernhandel ist mir Sicherheit keine Marktwirtschaft ebenso wenig wie umfassende Geldsysteme der heutigen Art!

      was ist denn Marktwirtschaft für dich?

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