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San Francisco: 15.000 städtische Bedienstete vor Entlassung
By Roman | März 4, 2010
Bis zu 15.000 gewerkschaftlich organisierte städtische Bedienstete erwarten am Freitag ihren Entlassungsbrief, teilweise basierend auf einem Plan zur Reduzierung der wöchentlichen Arbeitsstunden. Die meisten der Betroffenen sollen zu neuen Vertragskonditionen in Form einer 37,5 Stunden Woche wieder eingestellt werden. Die Gewerkschaften sind entsetzt und kündigen teils heftigen Widerstand an.
Bis zu 15.000 städtische Bedienstete bereiten sich auf ihr Kündigungsschreiben am Freitag vor
„Wir haben uns in der vergangenen Woche mit dem Bürgermeister getroffen und die Stadt teilte uns im Grunde mit, dass sie vor erheblichen Budgetprobleme stünde, was Entlassungen von 10.000 bis 14.000 städtischen Arbeiternehmern nach sich zöge”, erklärte Gus Vallejo, Präsident der Gewerkschaft IT der lokalen Ingenieure Local 21, so SFWeekly.com. „Die Mitteilungen sollen an diesem Freitag verschickt werden.” Als ob sich die Stadt auf diese breite Entlassungswelle vorbereiten würden, veröffentlichte die Personalabteilung ein Memo, um den Prozess zu beschleunigen, mit einem Hinweis auf die Webseite der Stadt von San Francisco (www.sfgov.org/layoff) versehen, um wahrscheinlich einen Testballon aufsteigen zu lassen, welche die Reaktionen auf sie warten. Auf die meisten Bediensteten wird eine Neuregelung der Arbeitsstunden und Aufgaben zukommen. Die 3.000 Mitglieder zählende Gewerkschaft Local 21 behauptet unterdessen, dass eine auf diese Weise erzwungene Reduzierung der Arbeitswoche eine Vertragsverletzung darstellen würde, was die anwaltliche Vertretung der Stadt verneint. Vallejo versprach: „Wir stellen mehr Rechtsanwälte ein”, wenn Mitglieder der Gewerkschaft basierend auf den Planungen zu einer 37,5 Stunden Woche entlassen werden.
Local 21’s Argumente beruhen auf der Tatsache, dass sich die Gewerkschaft innerhalb des Spektrums eines “abgeschlossenen Vertrags” befindet – die Bedingungen wurden bis zum Jahr 2011 festgelegt. Andere Gewerkschaften wie die SEIU haben eine Klausel für Neuverhandlungen in ihren Verträgen, falls das Defizit der Stadt auf mehr als $100 Millionen anwachsen sollte (was bereits geschehen ist), während andere Gewerkschaften in ihren Verträgen Klauseln zu eingebauten automatischen Gehaltserhöhungen aufweisen, deren Umsetzung für die Stadt problematisch werden könnten. Die versendeten Kündigungsschreiben müssen in San Francisco der eigentlichen Entlassung mindestens 60 Tage vorausgehen – so würden die Entlassungsschreiben, die diese Woche verschickt werden, erst im Mai in Kraft treten. Die stellvertretende Rechnungsprüferin der Stadt, Monique Zmuda, erklärte gegenüber SF Weekly im letzten Monat, dass die Stadt kleine, mittlere und große Reduzierungspläne in Bezug auf die Arbeitswochen vorbereite; die Zahl von Einsparungen in Höhe von $50 Millionen, die in der kalifornischen Presse durchsickerte, stellte nur eine durchschnittliche Planungskennziffer dar. Die Verantwortlichen der Gewerkschaften treffen sich währenddessen morgen mit den Offiziellen der Stadt, um die Details zu den anstehenden Kündigungen zu analysieren. SF Weekly’s Anrufe an das Büro des Rechnungsprüfers wurden an das Büro des Bürgermeisters und dasjenige des Pressebüros weitergeleitet und bisher nicht beantwortet.
Anm.: Man wird sehen, wie viele städtische Bedienstete zur schlechteren Konditionen wieder angestellt werden. Die Gewerkschaften werden sicherlich versuchen, keinen Millimeter an Boden preis zu geben, so dass die Stadt letztendlich zu größeren Entlassungswellen gezwungen sein könnte. Man kennt diese Prozedere ja nun zu Genüge aus anderen Bundesstaaten wie Illinois, Massachusetts, New Jersey, New York und Florida. Sie rollt – die Entlassungswelle auf kommunaler Ebene. Auch vor San Francisco wird sie nicht Halt machen.
Topics: USA | 5 Comments »


März 4th, 2010 at 13:25
Zitat: “Local 21’s Argumente beruhen auf der Tatsache, dass sich die Gewerkschaft innerhalb des Spektrums eines “abgeschlossenen Vertrags” befindet – die Bedingungen wurden bis zum Jahr 2011 festgelegt.”
Kennen wir das nicht auch aus Deutschland? Es werden langfristige Verträge zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband ausgehandelt. Wenn im Vertragszeitraum sich die Bedingungs für die Arbeitgeber verschlechtern, dann kündigen diese den Vertrag einfach auf. Wenn sich die Bedingungen für die Arbeitgeber verbessern, dann haben die Arbeitnehmer das Nachsehen.
Mein Motto lautet: “Gewerkschaft, nein danke!”
Letztendlich dienen die Gewerkschaften nur dem sozialen Frieden. Sie sollen dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer gefügig bleibt. Wie sollte es auch anders sein, das System ist so ausgelegt. In jedem Aufsichtsrat muss die Gewerkschaft vertreten sein. Damit ist die Gewerkschaft indirekt unter dem Einfluss der Firma bzw. der Konzerne. Eine “Entschädigung” für einen Aufsichtsratsposten ist ja nicht zu verachten. Wenn man sich bei Gehaltsforderungen für die zu vertretende Masse zurück hält, dann wir der Konzern einem schon irgendwie danken.
März 4th, 2010 at 14:29
@uri,
deine Ansicht zu Gewerkschaften kann ich nicht teilen. Frage Dich mal bitte, wie die Arbeitnehmer behandelt worden wären, ohne Gewerkschaften?
Gruß
Terra
März 4th, 2010 at 14:36
Was wir aus Deutschland kennen, sind die hervorrragenden Verdienstmöglichkeiten im Bereich Gebäudereinigung und bei den Friseuren (nicht betriebsrat- und gewerkschaftsverseucht) und die super schlechten Verdienste im Druck, Metall und Chemiesektor, wo Betriebsräte und Gewerkschafter aktiv sind. Weiter so, am besten kein Arbeitnehmervertreter, dann werden die Arbeitgeber von alleine vernünftig und zahlen noch viel mehr. Und übrigens: Die Erde ist eine Scheibe.
März 4th, 2010 at 15:46
@Terra: Nun, die Arbeitnehmer wären sicherlich schlecht behandelt worden. Doch die Arbeitgeber hätten ihren Preis dafür zu bezahlen. Doch wieviele wilde Streiks hätte es gegeben? Nichts ist schlimmer als ein wilder Streik, weil dieser außer Kontrolle geraten kann, so dass dann die Firma (bzw. einige Firmen) platt sind.
Siehe dir mal die Abstimmungen zu den Streiks an. Für einen Streik müssen 2/3 der Mitglieder stimmen. Um einen Streik zu beenden reichen 1/3 der Stimmen. Die Prozedur läuft wie folgt ab. Ein Großteil der G-Mitglieder will streiken. In der Abstimmung entscheiden sich 2/3 der Leute für einen Streik. Also wird gestreikt.
Die Arbeitgeber blockieren. Die Arbeitnehmer stehen unter psychologischen Druck. Was passiert? Nach ein paar Tagen kippen enige G-Mitglieder um, weil es sie beim Geld trifft. Also sind nun weniger als 2/3 der Mitglieder für den Streik. Es kommt zu einer Abstimmung über ein Angebot der Arbeitgeber. Da lediglich 1/3 der Stimmen für die Annahme ausreichen, ist der Streik beendet. Wie das Angebot letzendlich aussieht ist dabei gleichgültig. Dann wundern sich die Arbeitnehmer, warum sie wieder mal über Ohr gehauen wurden. Sie wundern sich später, vorher sind sie froh wieder arbeiten gehen zu dürfen.
@Fat_Bob_Ger: Der Dienstleistungsbereich wird generell schlecht bezahlt. Das ist allgemein bekannt, und hat nichts mir Gewerkschaft zu tun.
Beispiel: Sobald die Zeiten schlechter werden, sparen die Leute beim Friseur. Was nützt es da, wenn eine Gewerkschaft 20 Euro/Stunde als Mindestlohn durchsetzen würde? Nichts. Dann lassen sich die meisten Leute die Haare von einem Amateur schneiden. Ist doch Logisch. Wenn der Friseur 20Euro/Stunde kassiert, dann würde ein billiger Männerhaarschnitt 50 Euro kosten. Wenn jemand eine 4-köpfige Familie hat, der müsste dann alle 6-8 Wochen 200 Euro bzw. 100 Euro/Monat investieren. Würde also heißen, dass der Friseur, selbst einen ganzen Tag arbeiten müsste um diese Dienstleistung bei einem Kollegen abzurufen (Einkommenssteuer, Mwehrwertsteuer etc.).
Die Industrieberufe werden deshalb besser bezahlt, weil dort die Produktivität durch Automatisierung höher ist. Dafür ist das Risiko schneller entlassen zu werden höher. Kommt eine Maschine, werden entsprechen Leute eingespart. Der Auswurf bleibt.
März 5th, 2010 at 12:09
Gewerkschaften gehören zum System und ermöglichen das Funktionieren des Systems. Arbeitsloehne sind Kosten und schmaelern den Unternehmergewinn – kurz sie muessen und werden wegrationalisiert.
Fabriken mit tausenden von Arbeitern verschwinden, damit schwindet die Macht der Gewerkschaften.
Schaut Euch mal den Osten der Republik an, wieviele Grossbetriebe es dort noch gibt, wie gross der Organisationsgrad in den Gewerkschaften noch ist, wieviele Unternehmen noch im Unternehmerverband Mitglied sind und damit “tarifgebunden”.
20 -30 % wenn überhaupt.
Das ist die Zukunft auch im Westen Deutschlands!
Schlecht nur das Autos keine Autos kaufen, ohne vernuenftiges Einkommen kein Konsum, ohne Konsum kein Markt für die Produkte usw. usw.
Spekulieren wir dann eben bissel an der Boerse um 25% Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften.