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US-Arbeitsmarkt vor zweiter Entlassungswelle?
By Roman | März 4, 2010
Der Schnee im Februar wird nicht das letzte stürmische Wetter am US-Arbeitsmarkt gewesen sein. Der nur schwache Aufschwung im Dienstleistungssektor wird die Schaffung von Arbeitsstellen in nächster Zeit nahezu verhindern. Hartnäckig hohe Budgetdefizite in vielen Bundesstaaten werden zu noch mehr Reduzierungen von Arbeitsplätzen führen, nun, da sich die Konjunkturpakete der Bundesregierung in Washington im kommenden Jahr signifikant vermindern werden.
Situation am US-Arbeitsmarkt könnte sich abermals verschlechtern, da Gelder aus Konjunkturpaketen austrocknen
Der jüngste Gesetzesentwurf des Kongresses, um die staatliche Arbeitslosenhilfe und die Leistungen zur Krankenversicherung für mehrere hunderttausend Menschen zu verlängern, unterstreicht zusätzlich die Notwendigkeit, die Situation stabilisieren zu müssen, so cnbc.com. „Das Sicherheitsnetz sieht äußerst wackelig aus”, sagt Ökonom Richard Hastings von Global Hunter Securities, der sich unter denjenigen befindet, die eine weitere große Welle von Entlassungen im öffentlichen und privaten Bereich kommen sehen, sobald die Regierungshilfen austrocknen. „Das Problem nährt sich selbst.” In den letzten drei Jahrzehnten wurde die US-Wirtschaft in erster Linie durch die Schaffung von Jobs im Dienstleistungs- und Regierungssektor angekurbelt. Die Anzahl der Stellen im Dienstleistungssektor stieg beispielsweise um 250% zwischen 1980 und heute und erreichte ihr Hoch bei 18 Millionen im Januar 2008.
Die Beschäftigten im Regierungssektor stiegen von 16,2 Millionen im Jahr 1980 auf 22,6 Millionen im Zuge ihres Anfang 2009 erreichten Hochs. Der Großteil dieses Wachstums wurde auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene generiert. Im selben Zeitraum sanken die Beschäftigungszahlen im produzierenden Gewerbe von ehemals 19,3 Millionen auf aktuell 11,5 Millionen. Ökonomen sagen, man solle sich bereit machen für eine Umkehr dieses Trends, jedoch ist nur ein bescheidenes Wachstum im produzierenden Gewerbe zu erwarten. „Die Jobs liegen im Dienstleistungssektor”, sagt Robert Brusca von Fact & Opinion Economics. „Und die meisten dieser Jobs werden von kleinen und mittelgroßen Unternehmen geschaffen.” Brusca und andere Ökonomen verweisen auf die aktuellen wirtschaftlichen Daten, die auf Schwäche sowohl bei den Verkäufen als auch im Dienstleistungssektor hinweisen. „Ein investierter Dollar im Dienstleistungssektor wird wahrscheinlich eher in den USA Jobs kreieren als alles andere”, erklärt Brusca. „Es gibt viele kleine Unternehmen, deren Nachfragesituation nicht besonders rosig aussieht. Sie brauchen keine Steuererleichterungen, sondern sie brauchen Kunden.“ Viele dieser Unternehmen tendieren dazu, sich von der Immobilienindustrie und dem Outsourcing von Großbetrieben abhängig zu machen. Immobilienindustrie wie auch Großunternehmen wurden in der Rezession allerdings schwer getroffen und die erfolgten Stellenverluste spiegeln diese Situation wider.

Ein Bild, das Bände spricht: Regierungsjobs haben Jobs im produzierenden Gewerbe überholt. Wie lange noch, wenn man sich die finanzielle Lage der meisten Bundesstaaten anschaut? – Quelle Chart: clusterstock.com
Die Beschäftigungszahlen im Bereich der professionellen Dienstleistungen sanken bislang um 1,5 Millionen, allgemeine Dienstleistungen büßten rund 1 Millionen Jobs ein, während das Baugewerbe 1,9 Millionen Arbeitsplätze abbaute. Die Dynamik ist in Bundesstaaten wie North Carolina mehr als offensichtlich – eine schnell wachsende Population, eine oftmals diversifizierte lokale Wirtschaft, ein erfolgter Bauboom, unternehmensfreundlich und mit einer Arbeitslosenrate, die den nationalen Durchschnitt weit übersteigt. Der Bundesstaat profitierte ebenfalls von einem 10 Jahre langen Boom in der Finanzdienstleistungsbranche. Im Januar lag North Carolinas Arbeitslosenrate bei 11,2% im Vergleich zum nationalen Durchschnitt von 9,7%. Von den insgesamt 248.000 eingebüßten Jobs zwischen Dezember 2007 und Dezember 2009, befanden sich beinahe 40.000 im professionellen und unternehmensnahen Dienstleistungsbereich, 69.000 gingen im lokalen Baugewerbe verloren. „Die kleinen Unternehmen werden überaus hart getroffen”, sagt Nicholas Colas, Chefmarktstratege bei ConvergEx. „Wenn es einen Bauboom gibt, findet dieser meistens in Regionen mit einer hohen Konzentration an kleinen Unternehmen statt.” Colas erklärt, dass Bundesstaaten wie North Carolina, Georgia, Tennessee und Illinois sich unter denjenigen befinden, die in den Indizes für die Messung der Arbeitsmarktdaten, welche für die nationale Wirtschaft enorm wichtig sind, die obersten Plätze belegen und allesamt Arbeitslosenquoten aufweisen, die weit über dem nationalen Durchschnitt liegen. „Dies weist darauf hin, dass wir in der ersten Hälfte des Jahres sehr schleppende Beschäftigungsquoten haben werden und sich keine anhaltende Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte des Jahres abzeichnet”, sagt Colas. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Situation für die staatlichen und lokalen Regierungen noch einmal sehr viel düsterer werden.
Die Beschäftigungsquote im Regierungssektor fällt üblicherweise erst ein Jahr nach dem Beginn einer Rezession, da die Staatsbudgets bereits vorher festgelegt und aus diesem Grunde relativ unflexibel sind. Daher waren die Beschäftigungszahlen im Jahr 2008 und während eines Großteils des Jahres 2009 stabil, auch dank der Konjunkturpakete. „Viele Bundesstaaten legten auf Basis der erwarteten Transferzahlungen aus den Konjunkturpaketen die Entlassungen erst einmal auf Eis”, sagt Christian Weller, der an der Universität von Massachusetts und dem Center for American Progress auf Wirtschaftspolitik spezialisiert ist. „Die Stellen sind zwar da, um Dienstleistungen anzubieten. Das Problem ist nur, dass viele Dienstleistungen landesweit an sich reduziert werden. Was letztendlich zu einer Schrumpfung des Sektors führt, der keine Arbeitskräfte aufnehmen, sondern weiterhin abbauen wird.“
Anm.: Bald sind alle Löcher gestopft, Rohre verlegt, Wände neu gestrichen und Brücken saniert. Und nun? Die Entlassungen kommen jetzt eben mit zeitlicher Verzögerung. Vor allem zeichnet sich bereits eine zweite Welle im Bereich der öffentlichen Arbeitgeber auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene ab. Ein Jahr Zeit wurde erkauft auf Basis eines explodierenden Staatsbudgets auf Kosten aller. Schulden über Schulden, Versprechen über Versprechen. Und nichts hat sich verändert. Beginnen die Zinsen zu steigen, kippt die Wirtschaft erst richtig. Noch ist es nicht so weit, aber wehe wenn!
Topics: USA | 5 Comments »



März 4th, 2010 at 11:33
Anmerkung zur Anmerkung:
keineswegs sind alle Löcher gestopft und alle Brücken saniert.
Die USA schieben trotz Konjunkturpaket einen riesigen Investitionsstau bei der oft maroden und immer maroder werdenden öffentlichen Infrastruktur vor sich her. Dessen Umfang soll sich nach meinen Informationen auf unfassbare 1,6 Billionen Dollar belaufen, auch so eine Art verdeckte Staatsverschuldung, die in keiner Statistik auftaucht. Da im jetzigen Konjunkturpaket nur etwa 160 Milliarden für Infrastrukturprojekte vorgesehen war, wäre also noch Platz für 10 weitere Konjunkturpakete. Nur kann die niemand finanzieren.
Aber wenn man bis über beide Ohren verschuldet ist, kann man sich noch nicht einmal Sinnvolles und dringend Notwendiges leisten.
Und das, was Washington durch das Konjunkturprogramm in die Infrastruktur investiert hat, wurde durch die Bundesstaaten und Kommunen an Investitionen reduziert.
Alleine Kalifornien hat mehr als 2000 Infrastrukturprojekte gecancelt, teilweise sogar solche, die schon begonnen waren. Auch der Bildungsbereich inklusive die Zuschüsse für die Universitäten wurde stark durch das Rotstiftmassaker gebeutelt.
Merke: zerbröselnde Infrastruktur wird zu einem zukünftigen Markenzeichen der USA werden. Wer seine Zukunft mit überbordendem Konsum verfrühstückt, kann sich eine intakte Basis der Wertschöpfung – sprich eine intakte Infrastruktur – eben nicht mehr leisten.
März 4th, 2010 at 13:02
@ M.E. ganz genau stimme dir zu
bei der oft maroden und immer maroder werdenden öffentlichen Infrastruktur , dessen Umfang soll sich nach meinen Informationen auf unfassbare 1,6 Billionen Dollar belaufen
Man meldet immer mehr Berichte , das jede 3 Brücke einsturzt gefährdet ist und das die meisten Ubahn Tunnel, Wasser versorgung die Rohre schon über 100Jahre alt sind, in New York fliegen öfter Gas Leitungen hoch in Minnesota ist doch mal eine Brücke eingestürzt
SOllte eine 2 Welle in USA beginngen , dann Gnade den Gott die haben doch jetzt schon keine Jobs,Essen,Wochung
März 4th, 2010 at 15:40
@ M.E.
Dieser Sprcuh bezieht sich allein auf das keynesianische Konjunkturpaket. Habe diese Ansicht seit der Auflage des Obama-Pakets vertreten und tue dies auch weiter. Dieses Paket hat die Probleme an den Arbeitsmärkten nur in die Zukunft verschoben, in der Hoffnung, dass die private Nachfrage in der Zwischenzeit wieder anspringt. Wie viele Berichte zeigen, tut sie das jedoch nicht. Oder nicht in ausreichendem Ausmaß, um für echtes Jobwachstum zu sorgen. Daher bitte nicht allzu wörtlich nehmen,-)
Gruß.
März 4th, 2010 at 15:56
Alles klar, Roman.
Wobei ja die Infrastrukturausgaben noch als sinnvollster Bestandteil des Konjunkturpaketes angesehen werden können, genau wie in Deutschland die Sanierung maroder Schulen und Ähnliches. Denn wenn die Infrastruktur weiter erodiert, dann werden die Kosten von Folgeschäden noch höher ausfallen, als die Kosten rechtzeitiger Investitionen. Ein sehr anschauliches Beispiel ist New Orleans, wo unterlassene Investitionen in den Hochwasserschutz in Höhe von etwa 100 Mio Dollar zu Folgeschäden von etwa 80 Milliarden Dollar führten, also fast des Tausendfachen.
Aber abgesehen vom Strohfeuereffekt, dass selbst ein auf Infrastrukturaufgaben fokussiertes Konjunkturprogramm hat – ein Großteil ging ja wieder in Ankurbelung des Konsums und speziell in den USA in die Stopfung von Haushaltslöchern der Bundesstaaten.
Mit diesen Mitteln wurde noch nicht einmal ein Strohfeuereffekt erreicht.
März 27th, 2010 at 16:24
[...] http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=2639 [...]