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    Bernanke: “USA vor Staatsschuldenkrise”

    By Roman | Februar 28, 2010

    Tja, manchmal passieren Dinge von denen man denkt, die kann´s eigentlich nicht geben. Nicht so im Falle Ben Bernankes, denn einmal mehr verblüffte der Fed-Chef in der letzten Woche im Rahmen einer Anhörung vor dem Kongress mit zwei Aussagen, die aufhören lassen sollten. Zum einen stünden die USA wohl bald vor einer Staatsschuldenkrise, zum anderen wolle er für die Jungs in der Politik kein Geld mehr drucken, um ihre Ausgabenprogramme zu finanzieren. Es sieht so aus, als würde Ben den Heli abschnallen.

    Mit uncharakteristischer Unverblümtheit warnte Ben S. Bernanke, Vorsitzender der Federal Reserve, am vergangenen Mittwoch den Kongress, dass die Vereinigten Staaten bald einer Staatsschuldenkrise ausgesetzt sein könnten ähnlich derjenigen in Griechenland, und machte deutlich, dass die Zentralbank die Gesetzgeber nicht unterstützen werde durch das Drucken von Geld, um das ausufernde staatliche Budgetdefizit zu finanzieren, so washingtontimes.com. Jüngste Geschehnisse in Europa, wo Griechenland und andere Nationen mit großen, nicht nachhaltigen Budgetdefiziten gleichsam den Vereinigten Staaten zu kämpfen haben, blicken ernsthaften Problemen entgegen, ihre Anleiheemissionen bei internationalen Investoren unterzubringen. Dies würde darauf hindeuten, dass die USA anfällig und verwundbar seien für eine plötzliche Wende des Schicksals, was für die Steuerzahler bedeuten würde, zukünftig höhere Zinsen auf die ausstehenden Schulden zu bezahlen, erklärte Mr. Bernanke. „Es ist nichts was noch 10 Jahre entfernt ist. Die Märkte treiben diese Bedenken jetzt bereits um“, wie er vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses ausführte. „Es ist möglich, dass die Bondmärkte in Furcht geraten werden im Hinblick auf die Nachhaltigkeit [von jährlichen Budgetdefiziten von über $1 Billion], und es könnte durchaus sein, dass wir bereits heute höheren Zinsen entgegen blicken.“ Die Rede des Fed-Vorsitzenden war rhetorisch eine der krassesten überhaupt im Laufe seiner Amtszeit in Bezug auf die nationalen Fiskal- und Budgetprobleme.

    Anm.: So, die Zeichen mehren sich, dass die Reflationsrallye ein für allemal vorbei ist. Nicht nur steigt die Fed aus nahezu all ihren Liquiditätsprogrammen aus, sondern selbst Bernanke scheint auf die Seite der Falken zu wechseln, so dass Zinsanhebungen trotz allem Gerede vom Gegenteil schneller anstehen dürften als manchem lieb sein mag. Ich möchte es einmal so sagen: Warum auch nicht? Die Reflationsrallye war die letzte Chance für jedermann – insbesondere die Bankrottheimer bei den Banken – sich unverdient nochmals die Tasche voll zu machen und ihre horrenden Verluste auszugleichen, für die man die Steuerzahler an den Garderobenhaken gehängt hat. Das persönliche Portemonnaie dieser Damen und Herren ist heute im Gegensatz zu allen anderen wieder reloaded, obwohl nicht nur einige tausend Banken und Unternehmen, sondern auch viele bis dahin reiche Privatpersonen vor dem totalen Bankrott standen im September 2008. Warum also die Märkte jetzt nicht bald crashen lassen? Für die Verantwortlichen in Politik und Banken und vor allem ihren Strippen ziehenden Hintermännern hätte das sicherlich viele Vorteile: Es wird in diesem Falle nämlich zu einem erneuten deflationären Preiskollaps kommen, sobald die Zinsen steigen und die Liquidität vermehrt abgezogen wird, wodurch insbesondere die Immobilienmärkte weltweit – ob USA, China, UK – vollends einbrechen werden, so dass diejenigen, die vormals für die Krise hauptsächlich verantwortlich zeichneten nur noch gemächlich warten müssen, bis die Preise ins bodenlose sinken, um dann irgendwann wieder zuzuschlagen auf Spottpreisniveaus, um die Welt von Neuem zu besitzen und darüber hinaus ein ganzes Stück mehr von ihr als das, was sie vorher vom Kuchen besessen haben. Zeit also, die Schafe absaufen zu lassen. Für den Rest der Couchpotatoes heißt das leider, dass sie in diesem Zuge immer ärmer werden. Bustende Immobilien, bustende Versicherungen, weiter bustende Kredite, bustende Pensionen und Renten. Na und? Ist man den ganzen Müll mit einem Schlag endlich los. Aus Sicht des Establishments kann es wohl kaum etwas Besseres geben. Auch die Gewerkschaften hat man mit dem Rücken zur Wand. Es gab das schöne Poster im September 2008 vor Wall Street, auf dem stand: „JUMP you Fuckers!“ Tja, leider haben sie uns diesmal den Gefallen nicht getan. Die haben aus den 1930iger Jahren nämlich tatsächlich sehr viel gelernt, zumindest gelernt, wie sie es vermeiden können, selbst aus den Hochhäusern springen zu müssen. Wie allerdings ganze Bevölkerungen einem derartig riesigen Vermögenstransfer und wahrscheinlich größtem Raub der Geschichte vor den Augen von Presse und Weltöffentlichkeit seelenruhig zuschauen konnten, um wahrscheinlich sehr bald die einzigen zu sein, die den ganzen Schlamassel letztendlich ausbaden dürfen, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Es ist eben die Mentalität á la: „Na, lass die mal machen, die wissen schon, was für uns alle gut ist.“ Bei solchen Sprüchen fallen mir dann meistens immer zwei Dinge direkt ein: Erstens. Wer sich so bereitwillig sehenden Auges abschlachten lässt, hat es am Ende auch nicht anders verdient. Zweitens. Wer im Angesicht solcher Sprüche davon ausgeht, dass wir es mit einer Mehrzahl von „mündigen Bürgern“ zu tun haben, der scheint zu vergessen oder schlicht nicht zu wissen, dass „mündige Bürger“ ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, ohne sich von einem Bürokratiemonster namens Staat immer mehr Vorschriften machen zu lassen und dessen unaufrichtige Beruhigungspillen zu schlucken. Couch Generation eben. Wie lange noch? Und wie viel bisschen Fell wird ihnen am Ende überhaupt noch auf dem Pelz bleiben? Auch die Jungs im Kongress werden sich sehr bald noch umgucken. Bernanke wird sicherlich nicht vergessen haben, welchen (gerechtfertigten) Anfeindungen er sich vor seiner Wiederwahl ausgesetzt sah. Eins, zwei, drei: Chance vorbei. Vielleicht wird sich demnächst mancher wünschen, Bernanke tatsächlich vom Thron gestoßen zu haben, denn wer weiß, man sieht sich immer zweimal im Leben. Zeit, um die Scharte auszuwetzen und mit klingender Münze zurück zu zahlen, um sich zu revanchieren? Warten wir es einfach ab.

    Topics: USA | 18 Comments »

    18 Responses to “Bernanke: “USA vor Staatsschuldenkrise””

    1. Jasper Says:
      Februar 28th, 2010 at 05:12

      Geiler Comment!
      Man, Roman genauso ist es.
      Die Schafe werden richtig absaufen, nur wissen tun sie´s noch nicht. Einfach geiler Comment.

    2. MaSh Says:
      Februar 28th, 2010 at 07:00

      Guten Tag Roman,
      schuldenkrise!!! Für den Heli Ben ist doch gar kein Problem. Schaut Euch mal bitte das an.

      Let’s ask Henry Waxman (July 2009)

      Henry Waxman: In a 13 month period from May 2003 to June 2004, the Federal Reserve sent nearly $12 billion in cash, mainly in $100 bills from the United States to Iraq. To do that, the Federal Reserve Bank in New York had to pack 281 million individual bills … onto wooden pallets to be shipped to Iraq. The cash weighed more than 363 tons and was loaded onto C-130 cargo planes to be flown into Baghdad…

      http://www.dailypaul.com/node/127060

      ——–
      Na, die FED Bosse werden bald in die LKW`s einsteigen und jede Menge Dollarscheine verteilen. Es gibt ja sowieso Angiesicht der Rezession genug parkende LKW´s.

    3. samy Says:
      Februar 28th, 2010 at 13:33

      Ja nun,

      Bernanke sieht das die Pferde die Liquidität nicht saufen wollen, sprich die Haushalte konsumieren (verschulden)nicht mehr und die Unternehmen investieren auch nicht groß, worin auch, wenn eh alle verschuldet sind?

      Was machen die Hedgefonds mit dem vielen billigen Geld?
      Sie spekulieren gegen den € und den Pfund!
      (siehe den Artikel in der faz, “Spekulationen gegen Euro und Pfund”, vom 26.02.2010)

      Schlimmer gehts nimmer, denn das wär es dann gewesen mit dem “sich heraus inflationieren” der US Wirtschaft. Zudem dürften wieder Jobs in den USA abgebaut werden, falls die Waren in Dollar auf dem globalen Absatzmarkt teurer werden.
      Das führt dann wieder zu mehr Sparsamkeit, Konsumverweigerung usw.

      Ben Bernanke fühlt sich halt leicht mißverstanden.
      Armer Ben!

      Ach ja, und welche Auswirkungen die Wetten auf Währungen dann auf Staatspleiten haben könnten,
      das interessiert Sorros und Co. nicht.
      Soviel zur Selbstregulierung der Finanzmärkte a la Milton Friedman.
      Der kleine Mann auf der Strasse wird das dann als erster spüren, hoffentlich irre ich mich.

    4. M.E. Says:
      Februar 28th, 2010 at 15:29

      Das “sich heraus inflationieren” hätte sowieso nichts gebracht.
      Denn bereits am Beginn der Inflation, wenn die Inflationrate zwischen 5 und 10% gelegen hätte, wäre die Zinsbombe hochgegangen.
      Die Hypothekenzinsen wären dann nämlich auf 10 bis 15% hochgeschnellt (denn negative Realzinsen kann es im Hypothekenbereich nicht geben). Die Zinslast der überschuldeten Mittelklasse hätte sich also mit einem Mal verdoppelt bis verdreifacht, was das Aus für zusätzliche Millionen Haushalte bedeutet hätte. Denn die Zinsen sind bei den meisten Schuldnern in den USA varialbel und reagieren schnell auf inflationäre Entwicklungen.

      Und auch die Anleihenblase sowohl des Staates als auch der Wirtschaft wäre durch die inflationsbedingt ansteigenden Zinsen geplatzt.

      Merke: Inflationieren funktioniert nicht mehr. Die können mittlerweile nur noch Niedrigstzinsen bezahlen bei einem Gesamt-Verschuldungsniveau des fast Vierfachen des BIP.

    5. Jupp Says:
      Februar 28th, 2010 at 17:05

      Deutschland zahlt scho!!!!
      Schließlich sind wir das Weltsozialamt. Hilfe und Bailouts für alles und jeden. Das Kriegssyndorom ist zu tief verankert. Das Zauberwort “2. Weltkrieg” öffnet den Geldbeutel sofort und veranlasst die Staatsführung, egal welche, zu einem tiefen Bückling.

    6. Kuckuck Says:
      Februar 28th, 2010 at 18:09

      Es gibt nur eins:
      Amerikaner, werft die Mafia aus den politischen Ämtern!Ihr müsst ganz oben, bei Obamba anfangen…

    7. Kuckuck Says:
      Februar 28th, 2010 at 18:11

      Deutsche, macht genau das Gleiche. Fangt beim Hosenanzug an, ein Tritt in den Arsch, damit er über den Atlantik fliegt, vor Obambas Füße, wo er hingehört!

    8. MiBiTri Says:
      Februar 28th, 2010 at 18:16

      Das Argument WK II hat die Menschheit bislang vor WK III bewahrt, an dem Tag, wo die Zahlungsunfähigkeit BRD GmbH feststeht, solltet ihr den kürzesten Weg zum Bunker wissen, oder in Südchile wohnen, dann wird die Welt äusserst unsicher…

    9. MiBiTri Says:
      Februar 28th, 2010 at 18:58

      Zur Erinnerung, auch hier wurde mind. 1 Milliarde mal eben von Politikkern versenkt, inzwischen erreichen wir ja speilend die 1000ste. oder mehr!

      http://lupocattivoblog.wordpress.com/2010/02/25/%E2%80%9Eerst-privatisiert-dann-ausgesaugt-und-schliesslich-wieder-verstaatlicht%E2%80%9C/

    10. Suzanne Says:
      Februar 28th, 2010 at 20:14

      Dank @ wirtschaftsfacts! Für Eure Trüffelnase und das Ausgraben von solchen News. Bitte macht immer weiter so….

    11. Percy Says:
      Februar 28th, 2010 at 21:43

      Besser hätte man die Situation nicht beschreiben können. 1929ff läßt grüßen. Die Kriese scheint ja nach dem selben Muster abzulaufen.
      Möglich, dass es din nicht hinterfragenden & bequemen Systemtreuen sowie Realitätsfremden es verdient haben ihr Vermögen zu verlieren.
      Aber was kommt dann? 5% der Bevölkerung die rechtzeitig in G&S getauscht haben, sind dann vermögend, evtl. auch sehr vermögend und müssen sich dann vor den “nichtshabenden” 95% verstecken?
      Das wird dann sicherlich nicht einfach, so zu tun als ob man zu den 95% gehört!!!

    12. uri Says:
      März 1st, 2010 at 16:01

      @Percy: Das wird das kleinste aller Probleme sein. Lösung für dein Problem: Du kannst ja dein G&S verschenken. Ich nehme dir dein kleines Problem gerne ab. Ist da noch jemand in der Welt, der das gleiche Problem hat? Dem kann auch geholfen werden.

    13. Till Says:
      März 1st, 2010 at 16:02

      Solange die Leute vor dem Fernseher bleiben (die größte Droge aller Zeiten) und nicht massenhaft in Partein und Gewerkschaften ect. eintreten, kann diese Schicht von Geldgeiern tun und lassen was sie will.

      Mit Masseneintritten ließen sich die verstaubten Gewerkschaften + Parteien auch wieder ordentlich erneuern – zur Zeit können diese mangels motivierten Mitgliedern die Funktionäre ja tun was sie wollen, was den schlechten Ruf dieser Institutionen begründet.

      Ohne Kontrolle geht halt nichts – und das Volk muß sich mehr in die Kontrolle einmischen, als alle 4 Jahre (vielleicht) ein Kreuzchen zu machen.

    14. uri Says:
      März 1st, 2010 at 16:29

      @Till: Gewerkschaften? Parteien? Warum? Dann könnten diese Organisationen mit einem Zulauf rechnen. Was haben die die SPD-Miglieder ca. 800.000 an der Zahl gegen die Politik ihres damaligen Vorsitzenden und Arbeitnehmerverräters G. Schröder gemacht? Nichts. Warum nicht? Weil es bereits diesen Vereinigungen keine Demokratie und Kontrolle gibt. Die 800.000 SPD Mitglieder sind wohl nicht die Leute, die du als “vor dem Fernseher sitzend” bezeichnest, oder?

    15. Till Says:
      März 1st, 2010 at 20:34

      @Uri

      8 Millionen Mitglieder, und das wird was.

      Viele der jetztigen Mitglieder sind “Altgenossen”, mein Vater mit fast 70 und langjähriger Mitgliedschaft gehört schon fast zu den Jusos.

      Trotzdem gärt dort gerade eine Menge in der Partei, es könnte aber viel mehr sein.

    16. Edgar Says:
      März 1st, 2010 at 22:50

      @Till: Ich warte bis ein richtiger Vertreter Deutschlands auf der Bühne erscheint, der meine Meinung bzw. meine Interessen vertritt. Solange die Parteien durch Fremdmittel/Lobby finanziert wird, solange können sie mich nicht wirklich vertreten. Wie heißt es so schön? “Wessen Brot ich es’, dessen Lied ich sing’.”

    17. Heli-Ben warnt US-Regierung vor Schuldenkrise | Gegenfrage.com – Wirtschaft, Finanzen, Politik und Gesellschaft aus der Bürgerperspektive Says:
      Mai 3rd, 2010 at 08:11

      [...] Bernanke: “USA vor Staatsschuldenkrise” | Wirtschaftsfacts. [...]

    18. Griechenland ist nicht gerettet! | Says:
      Mai 4th, 2010 at 03:39

      [...] Bernanke: “USA vor Staatsschuldenkrise” – Tja, manchmal passieren Dinge von denen man denkt, die kann´s eigentlich nicht geben. Nicht so im Falle Ben Bernankes, denn einmal mehr verblüffte der Fed-Chef in der letzten Woche im Rahmen einer Anhörung vor dem Kongress mit zwei Aussagen, die aufhören lassen sollten. Zum einen stünden die USA wohl bald vor einer Staatsschuldenkrise, zum anderen wolle er für die Jungs in der Politik kein Geld mehr drucken, um ihre Ausgabenprogramme zu finanzieren. Es sieht so aus, als würde Ben den Heli abschnallen. (wirtschaftsfacts.de) [...]

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