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Staatliche US-Garantien: Neuer Problemverursacher?
By Roman | Februar 17, 2010
Die Leute sprechen über ein systemisches Risiko, besitzen jedoch keinerlei Metrik, um es zu messen, sagt Professor Edward Kane vom Boston College. Kane schlug vor, dass die Gesetzgeber eine unabhängige Einheit schaffen sollten, um Daten von allen gestützten Unternehmen zu sammeln, damit auf möglicherweise zusätzlich entstehende Bailoutkosten ein realistisches Preisschild geklebt werden kann. Denn weiterhin bezieht die US-Regierung die aus Garantievergaben potenziell entstehenden Kosten in keiner Weise mit ein in ihr Regierungsbudget. Und dies aus gutem Grunde!
Wie hoch sind die zukünftigen Bailout-Kosten???
Die stillschweigend vergebenen Garantien für die vielen Bankrottfirmen in den USA dürften sich nach Ansicht von Experten zu neuen Problemen entwickeln. Denn niemand weiß oder führt darüber Buch, wie hoch diese bislang eingegangenen finanziellen Verpflichtungen eigentlich tatsächlich sind, mit denen die US-Regierung gegenüber Investoren mittels ihres (noch bestehenden) AAA-Ratings generös einsteht. Kenner der Materie werfen der Politik vor, diese Kosten zu kennen, sie jedoch für sich zu behalten, um den Steuerzahlern nicht die Wahrheit über die Größe und den Umfang dieser Kapitalsummen einschenken zu müssen. Komme es zu einem Zusammenbruch eines derart über Garantien gestützten Firmenriesen, könne dies über Nacht erneut zu einem plötzlichen Auslöser für einen neuen Zusammenbruch an den Finanzmärkten avancieren, wie nytimes.com nachfolgend berichtet. Dass diese Bedenken Berechtigung haben, zeigt allein die folgende Tabelle über bis zum 24. Februar 2009 eingegangenen US-Regierungsgarantien:
--- Amounts (Billions)---
Limit Current
===========================================================
Total $11,623.63 $3,800.18
-----------------------------------------------------------
Federal Reserve Total $7,565.63 $1,478.88
Primary Credit Discount $110.74 $65.14
Secondary Credit $0.19 $0.00
Primary dealer and others $147.00 $25.27
ABCP Liquidity $152.11 $12.72
AIG Credit $60.00 $37.36
Net Portfolio CP Funding $1,800.00 $248.67
Maiden Lane (Bear Stearns) $29.50 $28.82
Maiden Lane II (AIG) $22.50 $18.82
Maiden Lane III (AIG) $30.00 $24.34
Term Securities Lending $250.00 $115.28
Term Auction Facility $900.00 $447.56
Securities lending overnight $10.00 $5.59
Public-Private Investment Fund $1,000.00 $0.00
Term Asset-Backed Loan Facility $1,000.00 $0.00
Currency Swaps/Other Assets $606.00 $417.86
MMIFF $540.00 $0.00
GSE Debt Purchases $600.00 $33.58
Citigroup Bailout Fed Portion $220.40 $0.00
Bank of America Bailout $87.20 $0.00
-----------------------------------------------------------
FDIC Total $1,551.50 $400.30
FDIC Liquidity Guarantees $1,400.00 $261.30
GE $139.00 $139.00
Citigroup Bailout FDIC $10.00 $0.00
Bank of America Bailout FDIC $2.50 $0.00
-----------------------------------------------------------
Treasury Total $2,206.50 $1,621.00
TARP $700.00 $387.00
Tax Break for Banks $29.00 $29.00
Stimulus Package $168.00 $168.00
Stimulus II $787.00 $787.00
Treasury Exchange Stabilization $50.00 $50.00
Student Loan Purchases $60.00 $0.00
Citigroup Bailout $5.00 $0.00
Bank of America Bailout $7.50 $0.00
Support for Fannie/Freddie $400.00 $200.00
-----------------------------------------------------------
HUD Total $300.00 $300.00
Hope for Homeowners FHA $300.00 $300.00
Gesamtsumme am 24.02.2009: 11,623 Billionen US-Dollar!!! Heute liegen diese Garantien bei geschätzt 23 Billionen US-Dollar.
Nun, da Washington das Rädchen an potenziellen Finanzreformen dreht, wird man sich schmerzhaft darüber bewusst, dass das Problem bezüglich derjenigen Finanzinstitute, die zu stark miteinander vernetzt oder “politisch zu mächtig, um Pleite zu gehen” sind, nur äußerst schwer für die Politik zu bewältigen sein wird. Diese Situation ist mehr als unglücklich in Anbetracht der Tatsache, wie sehr diese Gang des “zu einflussreich, um zu versagen” in den letzten Jahren gewachsen ist. Eine einst überschaubare Gruppe an Unternehmen, zu denen in erster Linie die beiden Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac gehörten, wie auch die gelegentlich in Not geratenen Autoproduzenten, umfassen der „Future Bailouts of America Club“ nun auch eine lange Liste, die zum größten Teil von Finanzinstituten bevölkert wird. Wir können uns niemals darüber sicher sein, wer alles zu diesen spezifischen Mitgliedern dieses Clubs zählt – unsere Aufsichtsbehörden lassen lediglich verlautbaren, dass sie kennen würden, wenn sie sie sehen. Eines steht jedoch unumstößlich fest. Dass sie in letzter Zeit einige von ihnen gesehen haben. Als Steuerzahler können wir uns nicht mehr auf unsere Gesetzgeber verlassen, dass sie die uns bevorstehenden Risiken auch erkennen, die von einem immer größer werdenden Sicherheitsnetz für Unternehmen ausgehen, das unter die strauchelnden Giganten geworfen wurde. Aber da wir, die Steuerzahler, die Rechnungen für diese Rettungen zu stemmen haben –und es wieder tun werden, wenn noch mehr Krisen auftauchen –, meinen Sie nicht auch, dass wir entsprechend wissen sollten, was diese stillschweigenden Regierungsgarantien uns alle zukünftig überhaupt kosten werden? Wenn die Regierung die Größe des Sicherheitsnetzes nicht reduziert – und sie hat in dieser Hinsicht bislang noch keinerlei Bestrebungen gezeigt, dies zu tun – sollten wir zumindest über den fällig werdenden Preis informiert werden. Marvin Phaup, Wissenschaftler an der George Washington University, der den Regierungshaushalt in zeitlichen Abständen untersucht, ist jemand, der auf eine derartige Bewertung drängt. Als Experte im Bereich für Garantievergaben der Regierung ist es seiner vernünftigen Meinung nach sehr gefährlich, die Kosten für mögliche weitere Bailouts nicht zu bemessen und im Regierungsbudget obendrauf nicht aufzuführen. „Wenn wir das bereits gesponnene Sicherheitsnetz erweitern und die stillschweigenden Garantien auf ausstehende Schulden von vielen anderen Finanzinstituten ebenfalls ausweiten, die teuer sind, sollten wir endlich damit beginnen, sie zu budgetieren“, erklärte Mr. Phaup im Rahmen eines Interviews. „Wir können die anfallenden Kosten dieser staatlichen Subventionen nur dann reduzieren, wenn wir sie überhaupt kennen.”
Mr. Phaup kann auf diesem Feld auf einen großen Wissensfundus zurückgreifen, so dass er sich die öffentliche Bekanntmachung seiner Ansichten erlauben kann. Im Jahr 1996 war er unter anderem Forscher beim Rechnungsbüro des Kongresses, als er Mitglied des Teams gewesen ist, das die ersten Anstrengungen unternahm, um die stillschweigenden Regierungsgarantien, die immer schon mit den beiden Hypothekengiganten Fannie und Freddie verbunden waren, im Wert zu bemessen. Als er die daraus resultierenden Kapitalsummen damals zu prognostizieren versuchte, befanden sich die Bailouts für die zwei humpelnden Firmenriesen zeitlich noch ein gutes Jahrzehnt entfernt, allerdings definierte sein C.B.O. (Congressional Budget Office)Bericht die Anzahl der Milliarden, welche die Hypothekenfinanzierer jährlich aus den stillschweigenden Kreditlinien der Regierung ernteten. 1995 hieß es in diesem Bericht, dass der finanzielle Wert der Subventionen durch die Regierung, der den Unternehmen zukam, sich auf insgesamt $6,5 Milliarden belaufen habe; dieser Kapitalbetrag reflektierte größtenteils die geringeren Kreditkosten der beiden Unternehmen, resultierend aus der Sichtweise der Investoren von Fannie und Freddie, dass Uncle Sam die beiden Unternehmen decke, auch wenn dies niemals in ihrem Prospekt stand. Der C.B.O. Bericht erzürnte damals die Verantwortlichen bei Fannie und Freddie, weil er ebenfalls darauf hinwies, wie viele dieser finanziellen Unterstützungen – ein ganzes Drittel – die beiden Unternehmen für sich selbst, ihre Manager und ihre Aktionäre einbehielten. Die Analyse von Mr. Phaup zeigte – entgegen der Behauptungen der Unternehmen –, dass weder Fannie noch Freddie die Subventionsgelder an die Hypothekenbesitzer in Form von niedrigeren Hypothekenzinsen weitergereicht hatten. Wer hätte darüber hinaus im Jahr 1996 daran geglaubt, dass die Regierung Fannie und Freddie jemals einen Bailout liefern müsste? Damals hieß das Motto „Schande über dumme Forscher wie Mr. Phaup“, dass er die potenzielle Möglichkeit überhaupt in Erwägung gezogen hatte. Wenn wir das Band bis heute vorspulen, sind die gewährten Regierungsgarantien für Fannie und Freddie erschreckend deutlich geworden. Während es weiterhin unklar ist, wie viel Geld die durchgeführten Rettungsaktionen den Steuerzahler letztendlich kosten werden, entfernte die Regierung letzte Weihnachten den Deckel, der auf den $400 Milliarden an festgesetzten Hilfszahlungen lag, welche die Regierung den Unternehmen im Notfall bis 2012 bezahlen wollte. Die heute gewährten stillschweigenden Garantien gehen jedoch weit über Fannie und Freddie hinaus. Die aufgenommenen Schulden und zukünftigen finanziellen Verpflichtungen, die mit diesen Regierungshilfen verbunden sind, verfechten die Gesetzgeber allerdings vehement und energisch. Wenn man derartige Verpflichtungen jedoch einfach ignoriert, gehen sie auch nicht weg. Einen Deckel auf die möglicherweise entstehenden Kosten zu legen, ist aus mehreren Gründen eine wertvolle Übung. Mr. Phaup erklärte, wenn wir den Wert dieser gewährten Garantien real bestimmten, es leichter für die Regierung sei, sie besser zu berechnen. „Selbst wenn wir das nicht tun, könnten wir durch Bestimmung der Kosten entweder die Steuern anheben, oder noch besser, weniger ausgeben“, um später dafür bezahlen zu können, wenn diese Notwendigkeit an die Tür klopft, sagte Mr. Phaup. „Am Ende ist das der einzige Weg, um sich auf Eventualitäten wie einen totalen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems vorzubereiten.”
Ein weiterer Vorteil in Bezug auf die Bestimmung der Kosten für diese Garantien für Finanzinstitute, die zu einflussreich sind, um umzugehen, ist, dass die ultimativen Verpflichtungen vielleicht reduziert werden können und Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber davon überzeugt werden könnten, diese Institute dazu zu zwingen, ihre eingegangen Risiken zu reduzieren. Es ist nicht so, dass die Kosten, die mit diesen Garantien assoziiert werden, nicht akkurat eingeschätzt werden könnten. So genannte Forderungen für Eventualitäten zu bewerten, Papiere, die nicht avisiert wurden, ist in den letzten Jahrzehnten ein weitaus fortschrittlicherer Prozess geworden, berichtete Mr. Phaup. „Wir wissen, wie man es im Sektor der privaten Unternehmen macht”, fügte er an. „Allerdings wissen nur wenige Leute bei der Regierung, wie man es macht, jedoch lassen sich diese Fähigkeiten übertragen.“ Edward J. Kane, Professor für Finanzwesen am Boston College, stimmte zu, dass die Kosten, die mit einem Sicherheitsnetz für komplexe und mit der Politik verbandelte Unternehmen in Verbindung gebracht werden, unbedingt kalkuliert werden sollten. „Die Leute sprechen über ein systemisches Risiko, besitzen jedoch keinerlei Metrik, um es zu messen”, sagte er. Wenn wir erkennen, dass diese finanziellen Verpflichtungen auf den Steuerzahler abgeladen werden, können sie auch kontrolliert und verwaltet werden. Mr. Kane schlug vor, dass die Gesetzgeber eine unabhängige Einheit schaffen sollten, um Daten von allen gestützten Unternehmen zu sammeln, damit auf möglicherweise zusätzlich entstehende Bailoutkosten ein realistisches Preisschild geklebt werden kann. „Wir würden die Institute zwingen, erste Einschätzungen abzugeben, und sie dann überprüfen“, sagte er. Der kumulierte Betrag für alle Institute würde die gesamte Verantwortung darstellen, die auf dem Rücken und in die Portemonnaies der Steuerzahler abgeladen werden. „Wenn die Regierung offiziell wirklich etwas unternehmen wollte, würde sie etwas in dieser Art tun”, sagte Mr. Kane. Das ist natürlich eine Reibungsstelle. Alle Gesetzgeber, die an einer Wiederwahl interessiert sind, haben nur wenige Anreize, über die potenziell anfallenden Kosten stillschweigender Garantien für mächtige Unternehmen für die Steuerzahler die Wahrheit zu sagen. Besser ist es, es unter den Teppich zu kehren oder zumindest so zu tun, als existierten diese Kosten gar nicht. Wenn sie dann bezahlt werden müssen, können die Politiker so tun, als entständen ein unvorhergesehener Notfall und eine daraus resultierende verhasste Notwendigkeit. Nun, da die Anzahl der Firmen mit stillschweigenden Regierungsgarantien im Zuge der Krise stark angestiegen ist, ist mit ihnen auch die Höhe der zu erwartenden Kosten der finanziellen Verpflichtungen angestiegen, sagte Mr. Phaup. Und trotzdem, unter der derzeitigen Budgetpolitik, werden diese Kosten ignoriert werden, bis der Empfänger dieser Garantie zusammenbricht – der akute Moment, in dem die gewährte Garantie den Steuerzahler das meiste kosten wird. Drei Jahre nach Beginn dieser Krise sind wir nicht ein Stück näher daran, die Unternehmen, die zu mächtig sind um Pleite zu gehen, einzuschränken oder die ihre eingegangenen Risiken zu eliminieren, die sie für den Steuerzahler darstellen. Beide Ziele wären erreichbar, trotzdem tun die Gesetzgeber nicht das, was notwendig wäre, um uns vor zukünftigen Billionen-Dollar-Bailouts zu beschützen. Es ist ein Bärendienst an eine perplexe und von Not heimgesuchte Nation.
Topics: Regierung und Banken | 5 Comments »



Februar 17th, 2010 at 18:59
Im Gegensatz zu den Kärntner sind die Amerikaner ja richtiggehend konservativ!
Die Kärntner Politiker haben es geschafft, bei einem jährlichen Budget in der Höhe von 2 Mrd. Haftungen/Garantien in der Höhe von 18 Mrd. auszugeben.
Eh nur das 9-fache des Budgets!
Da fehlt den Amis noch ein ganzes Stück würde ich sagen!
Februar 17th, 2010 at 19:34
Krasse Tabelle. Ich versteh zwar nicht alles, aber sieht krass aus. Könnt ihr mal in etwa was dazu bringen, wie´s hier in BRD aussieht? Das wäre echt nett! Vielen Dank im voraus.
Februar 18th, 2010 at 03:56
@ Tölpe
Brauchst du nicht zu verstehen:) Ehrlich. Das ist alles Tricksrei und Manipulation der Wall Street Bosse. Es ist nur um die Öffentlichkeit und Kongressabgeordneten zu vertuschen und belogen. Beispiel Bank Of Amerika bekam am Anfang Geld aus Programm X, nachher nimmt Geld unter Programm Y, und ein Monat später vom Programm Z und so weiter. Überleg es Dir was das bedeutet, wenn der Kongress eine spezielle Untersuchungskommission gründete um das Summen zu berechnen, die schon ausgegeben worden und es hat auch Monate gedauert bis man all diese Programme mit Zahlen erfasst hat. Bei Telepolis gab es auch einen Bericht darüber.
Gruß
Februar 18th, 2010 at 08:41
[...] weiter bei Wirtschaftsfacts [...]
Juli 25th, 2010 at 15:50
[...] Quelle: FDIC – zum Vergrößern bitte zweimal anklicken Vielleicht sollte man dazu nochmals “Staatliche US-Garantien: Neuer Problemverursacher?” lesen, um erst richtig mit dem Kopf zu [...]