Wirtschaftsfacts
  • Charts1

  • Charts 2

  • Kategorien

  • Archiv

  • Meta

  • « | Home | »

    IWF ist plötzlich Befürworter von Kapitalkontrollen

    Dezember 4, 2012

    Dass sich ausgerechnet der Internationale Währungsfonds auf die Seite derjenigen schlägt, die im Bedarfsfall seit langer Zeit eine Einführung von Kapitalkontrollen befürworten, ist mehr als ungewöhnlich. Denn schließlich stand der IWF aufgrund seiner neoliberalen Grundausrichtung und dem Ansinnen, dass täglich $2,5 Billionen ohne jede Beschränkung an den Devisenmärkten zirkulieren sollten, seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik.

    Die Schwellenländer üben anscheinend immer mehr Druck auf den IWF aus

    In bestimmten Fällen sollte es Ländern erlaubt sein, temporär Kapitalkontrollen einzuführen, wie der Internationale Währungsfonds nun mitteilte. Wie lässt sich der plötzliche Umschwung bei dem in Washington ansässigen Fonds erklären, der für einen reibungslosen Ablauf aller globalen Finanztransaktionen und für die Funktionsfähigkeit des Weltfinanzsystems  verantwortlich zeichnet?

    Bislang sprach sich der IWF nämlich immer für einen uneingeschränkten Kapitalfluss über Ländergrenzen aus. In der Zukunft soll es Staaten jedoch erlaubt sein, für einen bestimmten Zeitraum Kapitalkontrollen einzuführen. Nämlich dann, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Dies könnte genauso für Länder gelten, die keinen Spielraum mehr bei ihrer Zinspolitik haben, wie auch für Staaten, die über zu hohe Kapitalzuflüsse aus dem Ausland leiden.

    Anscheinend hat man beim IWF endlich erkannt, dass derartige Kapitalzuflüsse ganze Länder und Regionen destabilisieren können. Bestes Beispiel hierfür ist wohl die in den 1990iger Jahren wütende Asienkrise, der vor allem die so genannten Tigerländer anheim fielen. Wie es in einem neuen Bericht des Washingtoner Fonds heißt, können zu hohe Kapitalzuflüsse, die von ihrem Umfang her gesehen weitaus größer sind als die Wirtschaften der Zielländer, die Volatilität im globalen Finanzsystem erhöhen.

    Aber genau dies sind seit Jahren die Argumente der Kritiker, die in dem globalen Monster namens Devisenmarkt die größte Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft sehen. Täglich zirkulieren etwa $2,5 Billionen um den Globus, oftmals nur kurzfristig im Einsatz, um über Spekulationsgeschäfte überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. Wenn man schon über dieses Thema spricht, dann muss man auch die Wurzel dieser Missstände nennen. Denn die Liquiditätsflutung der Märkte durch die Notenbanken spielt hier die gewichtigste Rolle.

    In den Schwellenländern diskutiert man seit Ausbruch der Finanzkrise und der daraus resultierenden Nullzinspolitik der westlichen Notenbanken über Abwehrmaßnahmen. Bestes Beispiel hierfür ist Brasilien, dessen Regierung den USA schon seit geraumer Zeit vorwirft, die Finanzströme in Richtung der Schwellenländer durch die Nullzinspolitik der Federal Reserve zu befördern [wir berichteten]. Resultat ist, dass der Außenwert des brasilianischen Real in Relation zu anderen Papierwährungen viel zu hoch ist. Darunter leiden wiederum die Exporte des Landes.

    Auf diese Weise entstehen nicht nur neue Vermögensblasen in Brasilien, sondern auch in vielen Ländern Asiens – allen voran Festland-China und Hongkong und deren Häusermärkte. Brasilien hatte seine Kapitalertragssteuer (Stichwort Bondinvestitionen) aus diesem Grunde schon zweimal in den letzten Jahren erhöht. Den USA drohte Finanzminister Mantega bereits des Öfteren mit der Einführung von zusätzlichen Kapitalkontrollen. Anscheinend ist dem IWF klar geworden, dass man die Belange der Schwellenländer nicht mehr länger ignorieren kann.

    Topics: Afrika, Asien, Australien, Europa, Märkte, Neuseeland, Regierung und Banken, Südamerika, USA, Weltpolitik | No Comments »

    Comments

    You must be logged in to post a comment.