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    Da man Insider-Handel nicht stoppen kann, soll man ihn eben legalisieren

    Dezember 2, 2012

    Es sind abenteuerliche Auffassungen, die im Angesicht von machtlosen Aufsichtsbehörden an den Finanzmärkten und in der Presse die Runde machen. So ist man mancherorts der Ansicht, dass man Insider-Handel legalisieren sollte, weil man ihm ja doch keinen Einhalt gebieten könne. Genauso gut könnte man sagen, lasst uns alle Gesetze abschaffen, weil sich eh keiner daran hält. Oder wirf als Glaser eine Scheibe ein, und Du verdienst Geld. In der Gesellschaft hätten wir dann, was an den Finanzmärkten gilt: das Gesetz des Stärkeren und die Rückkehr des mittelalterlichen Schwungs mit der Keule. Wollen wir das denn?

    Hier kommt die Lösung: kriminelle Handlungen legalisieren, weil man sie ohnehin nicht stoppen kann

    Die Öffentlichkeit hat sich spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise an Fernsehbilder nach Art eines dickbäuchigen Inders Rajaratnam gewöhnt, der durch Cops in Handschellen zu den vor der Firmenzentrale parkenden Einsatzwagen geleitet wird. Große Kaliber waren auch die Pyramidenbauer Bernie Madoff und Allen Stanford, deren finanzielle Luftbauten im Zuge des Crashs an den Finanzmärkten kollabierten, und die den Ermittlern schlussendlich ins Netz gingen.

    Zwar halten sich hartnäckige Gerüchte, dass die Aufsichtsbehörden von deren Aktivitäten seit langer Zeit wussten, jedoch einfach wegschauten, weil sie korrumpiert wurden. Auch der Begriff der so genannten „Chinese Walls“ gereicht heutzutage mehr als Lachnummer, denn als echter Schutzwall zwischen einzelnen Abteilungen im Bankensektor. Dass Aktien- und Anleihehändler kursrelevante Informationen nutzen, um Kasse zu machen, ist längst bekannt.

    Dazu kommt es zum Beispiel nicht selten, wenn die M&A Abteilung einer großen Bank an einer Übernahme arbeitet. Genau in solchen Fällen sollen gesetzlich verpflichtende Chinese Walls dafür sorgen, dass die Aktienhändler desselben Instituts von diesen Vorgängen keinen Wind bekommen. Doch in der Realität sieht das dann alles ganz anders aus. Oftmals sieht man das daran, dass die Aktienkurse der an der Fusion oder Übernahme beteiligten Firmen schon weit vor der Hochzeitsankündigung zu steigen beginnen.

    Irgendwer muss also schon vorab Informationen zugesteckt bekommen haben, um daraus persönliches Kapital zu schlagen – ob im Sinne der eigenen Investmentbank oder rein für sich selbst, sei einmal dahingestellt. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind solche gesetzlich strikt verbotenen Aktionen und Handlungsweisen als Insider-Handel bekannt. Protagonisten wie Rajaratnam, der unter anderem mit Mitarbeitern des Blue-Chip-Riesen IBM im Bunde stand, haben solche Aktivitäten mehrere Jahre Gefängnis eingebracht.

    CNBC-Autorin Carol Roth ist der Meinung, dass im Leben immer irgendjemand einen Vorteil gegenüber einem anderen habe – weshalb der Insider-Handel schlichtweg legalisiert werden sollte. Klar, im Endeffekt wäre ein solches Armutszeugnis ein weiterer Schritt des politischen Ansehens- und Machtverlusts gegenüber dem Großkapital, Banken und den Finanzmärkten und deren asozialen Interessen. Auf welche Weise Unternehmen, Kleininvestoren, Märkte und Gesellschaft geschädigt würden, scheint der Autorin schlichtweg egal oder wenig beachtenswert.

    Wie sollten Übernahmen und Fusionen eigentlich noch über die Bühne gehen können, wenn die Informationen zu den Details und dem veranschlagten Fusions- oder Kaufpreis ohne gesetzliche Ahndung nach außen dringen sollten? Gleich am Montagmorgen würden die Profiteure die Kurse der Unternehmen in die Höhe treiben, worauf Trittbrettfahrer auf den fahrenden Zug aufspringen würden, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Nicht mehr der Mehrwert durch eine Firmenfusion oder –übernahme stünde im Mittelpunkt des Interesses, sondern nur noch das kurzfristige Kasse machen.

    Wer wie Carol Roth als Autorin die Plattform von CNBC oder anderen Main Stream Medien in den USA nutzt, um sich für solch einen Blödsinn beziehungsweise einer derart gefährlichen Entwicklung ausspricht, sollte sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung gewahr sein. Wie sich zeigt, steht das kommerzielle Eigeninteresse jedoch wohl nicht nur mehr unter Banken, sondern auch unter manchen Presse-Autoren im Vordergrund. Wer dafür plädiert, kriminelle Handlungen zu legalisieren, die ohnehin auf keiner echten Arbeit oder Tätigkeit basieren, sondern auf reinen Spekulationen, von deren Grundlagen die Protagonisten zufällig Wind bekommen haben, sollte sich gut überlegen, in was für einer Welt er oder sie morgen leben möchte.

    Topics: Märkte, Regierung und Banken, USA, Weltpolitik | No Comments »

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