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    Portugal: 1.000 neue Steuerbeamte und Denunziation sollen Staatskassen füllen

    November 19, 2012

    Während die Troika der portugiesischen Allgemeinheit in den letzten zwei Jahren Sparpaket um Sparpaket bescherte, die sinkende Löhne und Gehälter zur Folge hatten, wird die Regierung von Premier Coelho nun dazu gedrängt, wenigstens in einem Bereich für die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu sorgen. Und so hat Portugals Finanzbehörde mehr als 1.000 neue Steuereintreiber rekrutiert, die die leeren Kassen des Staates im Jahr 2013 auffüllen sollen.

    Schöne neue Welt: Arbeitnehmer sollen ihre Firmen und Chefs ab Januar bei den Behörden anschwärzen können, wenn es zu Ungereimtheiten bei der Abführung von Sozialabgaben und Steuern kommt

    In den Ländern der Eurozone fühlt man sich fast schon an König John und seinen Berater Sir Hiss erinnert, wenn der dicke Sheriff von Nottingham ausgeschickt wird, um auch noch den letzten Penny aus den Steuerbürgern herauszupressen. Im Disney Trickfilm finden sich solche Notgroschen meist in einer Blumenvase oder einem alten Teekessel. In Griechenland funktionierten diese Anstrengungen nur leidlich, da clevere Bewohner des Hellas-Staates ihre Ersparnisse und Anlagen schon vorher aus dem Land in Richtung Schweiz oder anderen Ländern geschafft hatten.

    Ob das in Portugal besser funktioniert, wird sich im kommenden Jahr zeigen. Denn die Troika hat der Lissabonner Regierung grünes Licht zur Rekrutierung von mehr als 1.000 neuen Steuerinspektoren gegeben, die die staatliche Finanzbehörde im nächsten Jahr bei der Eintreibung von offenen oder bislang nicht gezahlten Steuern unterstützen sollen. Um für Motivation zu sorgen, soll deren Entlohnung auf einem Grundgehalt plus Erfolgsprämie basieren. Schon zu Beginn dieses Jahres wurden 350 neue Steuerinspektoren eingestellt, deren Erfolgsquote jedoch recht dürftig war.

    Von der ab dem kommenden Jahr bereitgestellten Verstärkung verspricht sich die Regierung eine beschleunigte Überprüfung heimischer Bankkonten sowie eine Aufstockung der Kapazitäten bei der Untersuchung von Hinweisen zur möglichen Steuerhinterziehung. Laut der Zeitung Diario Economico führen die Rekrutierungen der Regierung zu der höchsten Anzahl an Steuerinspektoren, die das Land in seiner Geschichte jemals gesehen hat. In diesem Zuge sollen die Steuerinspektion zukünftig auch viel intensiver mit der paramilitärischen Polizeitruppe Brigada Fiscal zusammenarbeiten.

    Laut Finanzministerium soll diese Kooperation dazu führen, Unternehmer aufzuspüren, die sich ihrer Verpflichtung zur Zahlung von Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter entziehen. Ein Delikt, das im Angesicht der über Portugal hinwegfegenden Insolvenzwelle recht verbreitet zu sein scheint. Aus diesem Grunde werden Unternehmer ab Januar dazu verpflichtet sein, die Sozialbeiträge monatlich an die Finanzbehörden abzuführen, anstatt das Geld über einen längeren Zeitraum auf eigenen Konten zu horten.

    Um die Steuerehrlichkeit und die Bereitschaft zur Abführung der Sozialbeiträge ihrer Firmen zu erhöhen, werden die Arbeitnehmer ab Januar zudem die Möglichkeit haben, ihre Arbeitgeber und Chefs online bei den Behörden anzuschwärzen. Dazu wird es zur Einrichtung einer neuen Plattform kommen, über die Arbeitnehmer ihre Firmen anonym anschwärzen und sich somit als Whistleblower betätigen können. Arme Chefs, die ab jetzt immer ganz lieb und brav zu ihren Angestellten sein müssen, wenn sie sich nicht wegen jeder Lappalie mit Finanzbeamten herumschlagen wollen.

    Topics: Deutschland, Europa, Märkte, Regierung und Banken, Weltpolitik | No Comments »

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