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    Lineare Prognosen: IEA nach neuestem Energieausblick im Kreuzfeuer der Kritik

    November 16, 2012

    Spekulationen über eine Energierevolution sorgen zurzeit für Furore an den globalen Finanzmärkten, nach denen sich die Vereinigten Staaten durch eine stark wachsende Förderung von eigenen Rohöl- und Gasressourcen zukünftig unabhängig von den Weltmärkten machen könnten. Doch diese Schätzungen der Internationalen Energieagentur seien laut verschiedener Experten nichts weiter als Wunschdenken. Den Daten lägen inkorrekte Berechnungsmethoden zugrunde, während die aktuelle Entwicklung linear bis ins Jahr 2035 fortgeschrieben worden sei.

    Energieexperten dämpfen die Euphorie an den Finanzmärkten über die neueste Studie der IEA

    Seit kurzem sorgen neue Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) für Furore an den Finanzmärkten. Demnach sollen die Vereinigten Staaten in der Zukunft dazu in der Lage sein, sich durch eine wachsende Förderung eigener Gasressourcen unabhängig von der Versorgung an den Weltenergiemärkten zu machen. Auch bislang nicht angezapfte und vor sich hin schlummernde Ölfelder in Bundesstaaten wie Kalifornien sollen dazu in der Lage sein, zu dieser Energierevolution beizutragen.

    Laut IEA besäßen die USA gute Chancen, bis zum Jahr 2020 zu einem Nettoexporteur von Gas aufzusteigen. Dasselbe gelte für den Ölsektor, in dem es bis zum Jahr 2035 so weit sein könnte. Auf Basis dieser Schätzungen soll die Ölproduktion in den Vereinigten Staaten bis 2020 auf 11,1 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag steigen, bevor die Förderung bis 2035 auf rund 9,2 Millionen Barrel pro Tag fallen werde. Eine Entwicklung dieser Art würde sich natürlich signifikant auf die Lage an den Weltölmärkten auswirken.

    Laut IEA sei damit zu rechnen, dass sich ein großer Teil der Weltnachfrage nach Rohöl durch den potenziellen Ausfall der USA bis zum Jahr 2035 nach Asien verschieben werde. Sollte den USA eine Energierevolution eines solchen Ausmaßes bevorstehen, dürften sich die globalen Kräfteverhältnisse sicherlich wieder zugunsten der einzig verbliebenen Supermacht verschieben. Wer von globalen Energielieferungen unabhängig ist, hätte im politischen Great Game um die weltweite Vorherrschaft natürlich die besten Karten.

    Doch laut verschiedener Energieexperten und Ölanalysten sind die Schätzungen der IEA nichts weiter als Wunschdenken. Ölanalyst Manuj Nikhanj von der Firma ITG teilte gegenüber Businessinsider mit, dass es den Vereinigten Staaten nicht einmal gelingen werde, die aktuell bei rund 19 Millionen Barrel pro Tag liegende Ölproduktion bis zur Deckung des eigenen Bedarfs zu steigern. Ähnlich äußerte sich David McColl von Morningstar, dass die heimische Versorgungslücke selbst unter Einberechnung der kanadischen Ressourcen nicht zu schließen sei.

    Wie man bei der IEA derart voreilig Prognosen publik machen könne, denen inkorrekte Berechnungen zugrunde lägen, erschließe sich McColl nicht. Fehler habe die Agentur vor allem bei den Kalkulationen zur Wachstumsrate der zukünftigen Ölsand- und Gasförderung gemacht. Diese Berechnungen basierten auf aktuellen Daten, die lediglich linear in die Zukunft vorgeschrieben worden seien. Doch so einfach sei das nicht, da unbedingt neue Ressourcen erschlossen werden müssten, um die durch die IEA genannten Zahlen zu rechtfertigen.

    Laut McColl müssten diese Ressourcen höchst wahrscheinlich Offshore erschlossen werden, was sehr teuer sei. Auch bei The Atlantic zweifelt man an den Prognosen der IEA. Denn die USA würden nicht dazu in der Lage sein, sich durch eine signifikant wachsende Förderung einen Weg zum Energieexporteur zu bahnen. Die aktuellen Berechnungen setzen ebenfalls voraus, dass die globale Ölnachfrage stetig steigen werde. Kaum jemand hat jedoch eine sinkende Nachfrage aufgrund einer einbrechenden Weltwirtschaft auf der Rechnung. Lineare Berechnungen sind deshalb oft nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden.

    Topics: Afrika, Asien, Australien, Europa, Märkte, Regierung und Banken, Südamerika, USA, Weltpolitik | No Comments »

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