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    “König Dollar” nicht totzukriegen

    November 18, 2012

    Der US-Dollar macht einfach nicht, was er soll: nämlich gegenüber anderen wichtigen Papierwährungen fallen. Und dabei hat doch die Fed erst vor Kurzem ihr Programm zum Ankauf von Anleihen expandiert. Warum ist der Greenback also nicht schon längst tot und unter der Erde, wie es in den letzten vier Jahren vielerorts so oft angekündigt wurde? Einer der Gründe basiert sicher auf der Tatsache, dass man – wie in allen anderen Bereichen des Lebens – niemals schwarz oder weiß malen beziehungsweise polemisieren sollte.

    Bald dürfte sich zeigen, was die Programme der Notenbanken wirklich wert sind

    Was ist das an den globalen Finanzmärkten für eine verkehrte Welt? Seit langer Zeit auf QE3 der Fed wettende Investoren verbrennen sich die Finger an ihren Dollar-Shortpositionen und seit Ausbruch der Finanzkrise als klassische Fluchtburgen fungierende Währungen geben seit Wochen gegenüber dem Greenback nach. Endlich scheint man sich an den Finanzmärkten die Frage zu stellen, ob diese geldpolitischen Programme der Zentralbanken tatsächlich dazu angetan sind, die Weltwirtschaft langfristig vor einem noch schlimmeren Szenario als in 2008 zu bewahren.

    Auffällig ist, dass der südafrikanische Rand seit Ankündigung der Fed zu QE3 um fast 8% gefallen ist. Der kanadische Dollar büßte mehr als 3% ein, während der australische Dollar um rund 2% abgab. Und wie sieht es mit den klassischen europäischen Fluchtwährungen aus? Nicht viel anders, denn der polnische Zloty verlor 3,5%, während die tschechische Krone noch stärker um mehr als 6% einbrach. Dies sind Bewegungen an den Devisenmärkten, die so gar nicht ins Bild der vergangenen Jahre passen wollen. Selbst das vielerorts als sicherer Hafen gepriesene Gold gab seit Mitte September um fast 3% nach.


    Schulter-Kopf-Schulter im US-Dollar-Index oder der Beginn einer fulminanten Rally? / Chart: stockcharts.com

    Was sich deutlich abzeichnet, ist, dass sich Investoren rund um die Welt auf einen Absturz der Weltwirtschaft vorbereiten. Schon im Jahr 2013 könnte der globalen Wirtschaft eine neue Weltrezession drohen. Darauf deutet nicht nur der Hagel an Gewinn- und Umsatzwarnungen aus dem Unternehmenssektor hin, sondern auch die aus allen Teilen der Welt publizierten Konjunkturdaten. Während sich die Eurozone seit dem dritten Quartal offiziell wieder in der Rezession befindet, wirkt sich die einbrechende Nachfrage aus Europa äußerst negativ auf die ökonomische Entwicklung in den USA und China aus.

    Ein weltweiter Synchronabschwung nach Art des Jahres 2008 scheint momentan also mehr als wahrscheinlich. Gründe dafür gibt es viele. Allen voran sind die im Jahr 2008 weltweit hastig aufgelegten Konjunkturprogramme ausgelaufen, womit der nach dem Bankencrash künstlich angefachte Miniboom beendet ist. Insbesondere in Europa haben viele Regierungen nichts mehr nachzulegen, nachdem die komplette Südschiene der Eurozone samt Irland und Frankreich in den Fokus der Bondmärkte geraten ist. Eine Fortsetzung der Sparprogramme ist wahrscheinlich, so dass Konsum und Nachfrage in Europa über die Klippe gehen könnten.

    Dass diese Entwicklung nicht ohne Folgen für die Auftragsfertiger in China und Restasien bleibt, ist selbstredend. Und in den USA? Dort sorgen die Diskussionen um die Fiskalklippe für Schweißperlen auf der Stirn von Zentralbankern, Politikern, Investoren und Unternehmen. Eine äußerst wackelige Angelegenheit, wenn man die Fundamente der Weltwirtschaft einmal etwas eingehender analysiert. Und natürlich ist der US-Dollar wieder einmal König in einem solchen Umfeld – Fed Easing hin oder her. Immerhin konnte der US-Dollar-Index seit Mitte September um mehr als 2% zulegen.


    Zinsentwicklung der 10-jährigen US-Staatsanleihe: den bisherigen Rekordtiefs entgegen / Chart: stockcharts.com

    Warum sanken die Zinsen auf 10-jährige US-Treasuries in der vergangenen Handelswoche ansonsten auf unter 1,6% (!) und streben somit abermals ihren Rekordtiefs entgegen? Als die Federal Reserve ihr QE3 Mitte September ankündigte, notierten die Zinsen der 10-jährigen noch bei knapp 1,9%. Wird durch diese Vorgänge nicht die wachsende Furcht der Investoren vor einem neuen Deflationscrash signalisiert, der neben den Aktien- auch die Junkbondmärkte in die Tiefe reißen könnte?! Wir werden es bald wissen. Dann wird sich auch zeigen, was die Programme der Zentralbanken wirklich wert sind.

    Topics: Märkte, Regierung und Banken, USA, Weltpolitik | No Comments »

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