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    Problemlösung á la USA: Obdachlose kriminalisieren

    Oktober 13, 2012

    Die wachsende Anzahl von Obdachlosen wird nach der Krise an den US-Häusermärkten zu einem immer größeren Problem für viele finanziell schwache Kommunen. Insbesondere in Kalifornien explodierten in den letzten Jahren die so genannten Zeltcamps, wo viele Obdachlose landeten. Da es keine Strategien gibt, wie man diesen Gestrandeten wieder zur Integration in die Gesellschaft zu verhelfen gedenkt, werden die Betroffenen nicht selten durch neu und hastig erlassene Gesetze kriminalisiert. Das Leben und die Perspektivlosigkeit unter dieser ignorierten Gesellschaftsgruppe verkomplizieren sich, was noch ernsthafte Folgen haben dürfte.

    Die Opfer werden durch Städte und Kommunen kriminalisiert, um sich den Folgekosten aus der Krise zu entziehen


    Ordentlich und sauber in Reihen aufgestellte Zelte beherbergen in Pinella´s Hope im Bundesstaat Florida unzählige Amerikaner, die nicht selten einmal zur Mittelklasse des Landes gehörten

    Egal ob einst der Mittelklasse zugehörig oder ehemals dem amerikanischen Militär angehörig: immer mehr Menschen in den USA landen ob der wirtschaftlichen Misere auf der Straße. Auch eine wachsende Anzahl von Rentnern sieht sich mit ernsthaften Problemen konfrontiert, wenn es um die Finanzierung des eigenen Lebensabends geht. Letzte Anlaufstelle für die meisten der finanziell Gestrandeten sind die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden sprießenden Zeltstädte.

    Doch Amerikas Städte und Kommunen haben keine Konzepte oder Strategien, wie eine erfolgreiche Wiedereingliederung der Betroffenen in die Gesellschaft gelingen und umgesetzt werden könnte. Nicht selten fehlt es auch schlichtweg an finanziellen Mitteln. Gerade in Kalifornien hatte zuletzt eine Welle von Kommunalbankrotten eingesetzt, die sich laut Experten in den nächsten Jahren noch verschlimmern soll. Resultat ist, dass die Investoren an den Märkten für US-Kommunalanleihen (Munibonds) vorsichtiger geworden sind.

    Immer mehr Kommunen scheinen sich der Obdachlosen auf ihren Straßen auf eine einfache Art und Weise entledigen zu wollen. Nämlich durch eine Verschärfung der Gesetze, die das Leben im öffentlichen Raum regeln. Viele städtische Einwohner bekommen davon noch nicht einmal etwas mit, dass Rauchen in der Öffentlichkeit und in Parkanlagen oder das Abstellen von Fahrrädern an Bäumen nun Strafzahlungen nach sich ziehen. Der Erfindungsreichtum der Gesetzgeber scheint grenzenlos, wenn es darum geht, die ohnehin unter finanziellem Druck stehenden Amerikaner noch stärker wie eine Zitrone auszupressen.

    Besonders nachteilig wirkt sich diese Gangart natürlich auf die Bürger des Landes aus, die bereits aus der Gesellschaft herausgefallen sind und auf der Straße leben. Nicht selten explodiert ein erteilter Straferlass in Höhe von $20 für das Einnicken auf einer Parkbank am Ende zu einer Rechnung von bis zu $500, da die Betroffenen sich eine Begleichung der Strafe schlichtweg nicht leisten können. Hinzukommende Mahn- und Gerichtskosten führen dann letztendlich zu astronomischen Beträgen, die sich sowieso keiner von ihnen leisten kann.

    Allein der einstmals sehr wohlhabende kalifornische Bezirk Orange County beherbergt heute mehr als 30.000 obdachlose Amerikaner. Nun können sich derart viele Menschen natürlich nicht einfach in Luft auflösen. Anwälte sind davon überzeugt, dass die verschärfte Gesetzgebung in finanzschwachen Kommunen zum Ziel hat, Obdachlose zu kriminalisieren, um sie letztendlich freiwillig zu einem Übersiedeln in eine Nachbargemeinde zu bewegen.

    Auf diese Weise dürfte den Obdachlosen schon bald nichts mehr anderes übrig bleiben, als zwischen mehreren Städten hin und her zu pendeln, wenn sie am Ende nicht im Gefängnis landen wollen. So könnte aus Amerikas unzähligen Opfern der Wirtschaftskrise schon bald eine Klasse von Vogelfreien werden, die sich nicht mehr auf ihre bürgerlichen Rechte berufen kann. Traurig für ein Land, das sich selbst den höchsten Lebensstandard in der Welt auf die Fahnen geschrieben hat, und das hilflos bei seinem voranschreitenden Niedergang zusieht.

    Topics: Märkte, Regierung und Banken, USA, Weltpolitik | No Comments »

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