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    Detroiter Polizei: Betreten der Stadt nur noch auf eigenes Risiko

    Oktober 9, 2012

    Drastische Budgetkürzungen, ein anhaltender Abbau von Polizeikräften in nahezu allen großen Metropolen des Landes und Sicherheitskräfte, die übermüdet und mit ihrer Arbeit nicht selten überfordert sind, führen zu einer Explosion der Kriminalitätsrate in den USA. Doch nirgends scheint die Lage so ernst zu sein, wie in Detroit. Der unvergleichliche Niedergang der in vergangenen Zeiten prosperierenden Autobauerstadt führt dazu, dass nun selbst die Polizei Flyer verteilt, die Besucher vor dem Betreten der Stadt auf eigenes Risiko warnen.

    Der unvergleichliche Niedergang von Detroit zeigt der örtlichen Polizei ihre Grenzen auf


    Verlassene Bruchbuden wie diese sind keine Seltenheit im Stadtbild Detroits

    So weit ist es nun mit Detroit und der gesamten Region also schon gekommen. Nirgendwo sonst in den Vereinigten Staaten gibt es eine solche Konzentration von Ghetto-Siedlungen, in denen sich eine stetig wachsende Zahl von Obdachlosen tümmelt. Die Anzahl der Einwohner ist allein in der letzten Dekade um rund 25% gesunken, weil die wirtschaftlichen Aussichten viele Einwohner zum Verlassen der Region anhalten. Folge ist, dass sich der Verfall fortsetzt.

    Zuzuschreiben ist diese Entwicklung vor allem dem Niedergang von US-Autobauern wie General Motors oder Chrysler. Die Globalisierung und die damit verbundene Auslagerung der Teileproduktion sowie einer Einführung der Plattformstrategie haben unzählige Detroiter den Job gekostet. Gleichzeitig brachen auch die Geschäfte vieler Dienstleister ein, die Tribut an eine stetig sinkende Kaufkraft unter den regionalen Einwohnern leisten mussten.


    Daten aus dem Skillman Report zur letzten Bevölkerungserhebung im Mai 2010

    So wundert es auch nicht, dass die Kriminalitätsrate in Detroit eine der höchsten des Landes ist und weiter steigt. Trotz allem zwingt das immense Haushaltsdefizit den Stadtrat zu immer höheren Ausgabekürzungen und Einsparungen. Während das Licht in vielen Außenbezirken des Nachts abgeschaltet wird, um Kosten zu sparen, machen die Kürzungen auch vor der Polizei nicht Halt.

    Im Laufe der vergangenen Dekade wurden trotz der explodierenden Kriminalität über 1.000 Sicherheitsbeamte abgebaut. Detroit befindet sich im Hinblick auf diese Entwicklung ganz sicher nicht allein. Eine ähnliche Nachrichtenlage herrscht auch unter Bankrottkommunen im Sonnenstaat Kalifornien. Doch die Lage in Detroit ist aufgrund des seit Jahren anhaltenden Niedergangs ungleich schlimmer.

    Jetzt hat die städtische Polizei völlig unverhohlen selbst darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Bürger nicht mehr ausreichend schützen kann. Wie es auf einem am Samstag am Rande eines Protestmarschs verteilten Handzettel der Detroit Police Officer Association hieß, würden Besucher die Stadt auf eigenes Risiko betreten. Kein Kompliment an die städtischen Vertreter der unter Zwangsverwaltung stehenden Kommune.

    Was sich in Detroit abspielt, kann man eigentlich nur noch mit dem Wort traurig bezeichnen. Längst sind Planungen gediehen, nach denen ein Großteil der städtischen Außenbezirke in den nächsten Jahren abgerissen werden soll. Der ehemalige Baugrund soll wegen dem sich fortsetzenden Schrumpfungsprozess der Stadt renaturiert werden. Indem der Stadtkern Detroits verkleinert wird, erhofft sich die Verwaltung eine Rückeroberung der Kontrolle und eine Verbesserung der Sicherheitslage. Bis es soweit ist, dürfte noch viel Wasser die amerikanischen Seen hinunterfließen.

    Topics: Märkte, Regierung und Banken, USA, Weltpolitik | No Comments »

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