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    Island: Weitere Ex-Bankmanager wandern in den Knast

    Juni 12, 2012

    So ist es richtig: anstatt die Zerstörer von Weltwirtschaft und Gesellschaften mit Samdhandschuhen anzufassen und ihnen die Milliarden hinterher zu werfen, geht man in Island einen komplett anderen Weg. Dort hat man Großbanken wie Glitnir und Landsbanki auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise zusammenbrechen lassen und urteilt deren Manager für deren fehl geschlagene Spekulationen vor Gericht ab. Auch Jon Jonsson, früherer Präsident der Byr Savings Bank, wird nun für viereinhalb Jahre wegen Betrugs in den Knast geschickt.

    Jon Jonsson und Ragnar Gudjonsson zu viereinhalb Jahren Haft wegen Betrugs verurteilt

    Auch Ragnar Gudjonsson, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Byr Savings Bank, wird Jonsson im Gefängnis Gesellschaft leisten. Für Gudjonsson gelte dasselbe Strafmaß, wie die Richter am Obersten Gerichtshof Islands in ihrem Urteil befanden. Beide Angeklagte sind damit des Betrugs im so genannten Exeter-Fall für schuldig befunden worden. Auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 missbrauchten Jonsson und Gudjonsson ihre exponierte Stellung bei der Byr Savings Bank, um kurz vor dem Kollaps der isländischen Banken einen 800 Millionen Kronen schweren Kredit an die Firma Exeter Holding zu veranlassen.

    Doch dieser Kredit wurde nicht für Investitionen oder sonstige Geschäftsaktivitäten bei Exeter genutzt, sondern um die durch Jonsson und Gudjonsson gehaltenen Aktien an Byr zu erwerben. Im Gegenzug wurden eben jene Aktien als Sicherheit für den erhaltenen Kredit hinterlegt. Die Richter des Obersten Gerichtshofs Islands befanden, dass dieses Gebaren einem schwerwiegenden Betrug gleichkomme, weshalb das Strafmaß mit viereinhalb Jahren ohne Bewährung für beide Angeklagten recht hoch ausfiel.

    Die Entscheidung gegen eine Rettung des isländischen Bankensystems scheint im Rückspiegel der Ereignisse betrachtet richtig gewesen zu sein. Nachdem das BIP im dritten Quartal 2011 um 4,4% und im vierten Quartal 2011 um 1,9% expandierte, konnte auch im ersten Quartal 2012 ein Zuwachs von 2,4% verbucht werden. Wie das Beispiel Island zeigt, geht die Welt nicht unter, wenn man Banken und deren Anleihehalter kollabieren lässt.


    BIP-Wachstum in Island auf Quartalsbasis / Quelle: Statistikamt Island

    Ganz im Gegenteil sind die faulen Schulden aus dem System gespült worden, was die einzige Möglichkeit ist, um der Wirtschaft wieder Spielraum für Wachstum zu eröffnen. Dass die aktuelle Lage in Island jedoch auch eine Kehrseite hat zeigen die seit Ende 2010 um 40% nach oben geschossenen Immobilienpreise. Auf dem Höhepunkt der Krise eingeführte Kapitalverkehrskontrollen erlaubten es ausländischen Investoren ? darunter viele Hedgefonds ? nicht, ihre Gelder aus Island abzuziehen. Diese Maßnahme soll noch bis mindestens Ende 2015 in Kraft bleiben.  Ausländische Anleger investieren das in Island festsitzende Kapital jedoch in die heimischen Immobilienmärkte, so dass sich vier Jahre nach dem Bankencrash wieder eine neue Blase gebildet hat.

    Topics: Europa, Märkte, Regierung und Banken, Weltpolitik | No Comments »

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