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    Baumwollpreise: Seit 1860 so etwas nicht mehr gesehen

    Oktober 28, 2010

    Es wurde in letzter Zeit sehr viel über steigende Rohstoffpreise berichtet, jedoch führen die meisten Agrarrohstoffe trotz ihrer teils starken Kursgewinne in den letzten Monaten immer noch eine Art Schattendasein unter den verschiedenen Anlageklassen in diesem Sektor. Baumwolle ist zum Beispiel ein Rohstoff, der derzeit keine übermäßigen Schlagzeilen produziert wie zum Beispiel Öl oder Gold. Allerdings übt er dennoch einen gewaltigen Einfluss auf sowohl Konsumenten wie auch Investoren aus. In den letzten Monaten machten die Baumwollpreise einen Satz von 80% und erreichten Niveaus, die man seit dem US-Bürgerkrieg nicht mehr gesehen hat.

    Farmer partizipieren kaum von Baumwollrally, da sie ihre Produktion oft vorverkauft haben

    Baumwolle notiert zurzeit auf einem Preisniveau, das seit dem amerikanischen Bürgerkrieg nicht mehr erreicht wurde und ist seit dem Frühsommer um 80 Prozent gestiegen. In Anbetracht der Tatsache, dass fast jeder von uns im Alltagsleben Baumwollprodukte trägt, zeigt die Situation in einer der Hochburgen des Baumwollanbaus im US-Bundesstaat Tennessee, wie angespannt die Lage momentan ist. Die aktuelle Situation sei in der Tat verblüffend, wie lokale Farmer im Städtchen Sommerville erklärten. Dort wird Baumwolle in großen Mengen angebaut und entkörnt. Man habe eine Lage wie die heutige bisher noch niemals erlebt. Ein paar Höhenflüge habe man schließlich schon miterlebt, jedoch ließe sich das mit nichts vergleichen, was man derzeit erleben könne. Es scheine momentan überhaupt keine Restriktionen mehr zu geben.

    Die meisten lokalen Bauern seien auf die Rally an den Baumwollmärkten in keiner Weise vorbereitet gewesen. Pro Pfund hat der Preis nunmehr die Schwelle von US$1,30 genommen. Größtenteils hätten die Farmer ihre Ernten im Jahr 2010 zu einem weitaus früheren Zeitpunkt über Optionsgeschäfte vollumfänglich abgesichert und an den Märkten vorverkauft. Sollten die Preise allerdings hoch und auf den jetzigen Niveaus bleiben, dürfte sich das schnell ändern. Unter Tennessees Farmern rechne man damit, dass die hohen zu erzielenden Preise noch eine Weile anhalten werden. Im Durchschnitt gehe man von Kalkulationen aus, die den Baumwollpreis in nächster Zeit in der Spanne von US$0,92 bis zu US$1,00 pendeln sehen. Der Glaube daran, dass dieses Preisniveau über einen längeren Zeitraum gehalten werden könnte, sei allerdings nur sehr gering.

    Analysten erklärten, dass an dem Erreichen eines historisch hohen Preisniveaus mehrere Faktoren beteiligt seien, denn das makroökonomische Bild im Baumwollsektor wäre weitaus komplexer, als die zuletzt erfolgten Preisschübe nur der schwachen Entwicklung des US-Dollars in die Schuhe zu schieben. Die globale Nachfrage befinde sich am Steigen, das Angebot sei im Vergleich dazu relativ gering und die Wetterbedingungen hätten sich als ein wesentlicher Faktor rund um den Erdball erwiesen. Es mache den Eindruck, als ob alle fundamentalen Aspekte positiv seien, angefangen von den Stürmen in Texas in der letzten Woche bis hin zur Wetterentwicklung in China und Pakistans Importangelegenheiten. In Indien sei es dasselbe, wie Analysten der Firma Spectron Commodity mitteilten. Alle Rahmenbedingungen wiesen auf weiterhin steigende Baumwollpreise hin. Momentan befänden sich diese Märkte auf niemals zuvor beschrittenen Pfaden.


    Entwicklung der Baumwollpreise seit Spätsommer dieses Jahres

    Wann sich diese steigenden Rohstoffpreise in höhere Preise im Einzelhandel übersetzen werden, ist ebenfalls etwas, das man nicht genau vorher sagen kann. Unternehmen wie Hanesbrands sind in den Fokus der Investoren gerückt, da so viele seiner hergestellten Produkte auf der Verarbeitung von Baumwolle basieren. Ab dem späten Frühjahr bis in den Herbst des kommenden Jahres hinein werde man Preiserhöhungen nicht nur durch Unternehmen wie Hanesbrands sehen, sondern diese Entwicklung treffe nahezu für die gesamte Industrie zu, wie Analysten bekannt gaben, die den Bekleidungsbereich beobachten. Es sei eine signifikante zeitliche Verzögerung, jedoch könnte unter Berücksichtigung der Prognosen von zukünftig Inflation voraussagenden Marktbeobachtern, ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Und obwohl es vielleicht nicht unbedingt den Eindruck macht, so wird Baumwolle in vielen verschiedenen Produkten verwendet, die durch jeden einzelnen Erdenbürger tagtäglich genutzt werden?angefangen bei T-Shirts bis hin zu Blue Jeans.

    Es gibt in der Tat einige interessante Daten darüber, was alles aus einem Baumwollballen gefertigt wird, der ungefähr 500 Pfund auf die Waage bringt. Diese Daten stammen von National Cotton Council of America. Aus einem Ballen Baumwolle werden 215 Paar Jeans Hosen gefertigt. Oder zur Produktion von 250 Bettbezügen, 2.104 Paaren an Boxershorts, 1.217 T-Shirts oder 765 Männerhemden heran gezogen. Es könnte also durchaus sein, dass die Preise für Bekleidung im Einzelhandel demnächst steigen werden. Inflationsprognostiker vergessen darüber allerdings oftmals den einen, nämlich springenden Punkt.

    Zwar befindet sich das Angebot derzeit auf relativ niedrigem Niveau, jedoch sind die Preis- und Nachfrageanstiege oftmals induziert durch das viele billige Geld, das an den Märkten zur Verfügung steht (der obige Chart spricht sicherlich Bände). Im Zentrum der Inflationsprognosen sollte deshalb eher der Verbraucher stehen, der die produzierten Güter letztendlich nachfragen und abnehmen muss. Die Zweifel darüber, ob die Nachfrage der Endverbraucher im Zeichen sinkender Löhne, eine drastischen Verschuldung und eines miesen Arbeitsmarktumfelds ebenfalls ansteigt, darf stark bezweifelt werden. Sollen die Preise deshalb ruhig steigen, denn sollte die Nachfrage unter den Endkunden auf dieser Basis noch weiter sinken, wird sich die Industrie Gedanken machen müssen, auf welche Weise sie die Preissteigerungen der durch die Fed und andere Notenbanken induzierten Preisrallys an den Rohstoffmärkten weiter gibt. Am Ende könnten sich diese potenziellen Preissteigerungen nämlich als Bumerang für die gesamte Industrie erweisen.

    Text basiert auf folgenden Quellen: Cotton Magazine, CNBC + eigene eingeflossene Gedanken

    Topics: Märkte | Kommentare deaktiviert

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